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Bundesministerium für Verkehr und digitale InfrastrukturLeitfadenfür dieEntschichtung von mit schadstoffhaltigen Altanstrichenbeschichteten Stahl(wasser)bauten und sonstigen Bauwerken derWasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes(Asbest-/PAK-/PCB-/Blei-Leitfaden)(Version: Index 1 vom 15.11.2017)Aufgestellt im Auftrag des BMVI

Inhaltsverzeichnis:Teil I: Grundsätzliche Hinweise . 41.Rechtsgrundlagen . 42.Vorgehensweise bei der vollständigen Entfernung von asbesthaltigenSchutzanstrichen nach Nr. 2.1 (2) der TRGS 519 in Verbindung mit PAKund/oder Blei und/oder PCB . 52.12.2Anzuwendende Regelwerke . 5Veranlassungen der Dienststelle im Vorfeld einer oberflächenzerstörendenBearbeitung an stahl- und maschinenbaulichen Anlagen und Betonflächen. 5Schadstofferhebung/Untersuchung der Beschichtungsstoffe. 5Auswahl des Arbeitsverfahrens in Abhängigkeit der Bauwerkstypen . 7Herstellungs- und Verwendungsbeschränkung in Bezug auf Asbest . 8Einsatz von geeigneten Fachbetrieben . 9Zusammenarbeit verschiedener Firmen, Koordinator bestellen . 9Mitteilung an die zuständige Behörde . aßnahmen bei der Durchführung der Arbeiten in Regiearbeit(ASI-Arbeiten) . 10Gefährdungsbeurteilung und Festlegung von Schutzmaßnahmen . 10Unterrichtung und Unterweisung der Beschäftigten . 15Sicherstellung der personellen Anforderungen . 17Veranlassung der arbeitsmedizinischen Vorsorge (einschl.Nachuntersuchung) . 17Führen einer Vorsorgekartei . 18Beachtung von Beschäftigungsbeschränkungen . 19Vorsorge für Betriebsstörungen, Unfälle und Notfälle . 193.Abfallverwertung/Abfallentsorgung . 193.13.23.3Allgemeines . 19Abfallaufnahme . 20Transport. 204.Checklisten zur Durchführung von Abbruch-, Instandhaltungs- oderSanierungsmaßnahmen . 214.14.2Maßnahmen bei Beauftragung von Fachunternehmen . 21Maßnahmen bei Regiearbeiten . 252.3.12.3.22.3.32.3.4Teil II: Technische Hinweise . 285.Korrosionsschutz von Stahlbauten und auf Betonbauwerken . 286.Gesundheitsgefährdende Beimengungen in Korrosionsschutzstoffen . 286.16.26.3Schädliche Anteile in Beschichtungsstoffen . 28Steinkohlenteere und Teerersatzstoffe . 29Asbestfasern . 29Version: Index 1 vom 15.11.20172

7.Bestimmung und Nachweis von Teer und Asbestfasern . 307.17.27.37.4Korrosionsschutzdatei der WSV . 30Analytischer Nachweis von Asbest . 30Analytischer Nachweis von Teer . 31Raumluftmessungen nach VDI-Richtlinie 3492 . 318.Festlegung der Bauwerksbereiche . 318.18.28.3Entschichten in stationärer Halle (mobile Bauteile) . 32Entschichten des Bauwerks vor Ort (immobile Bauteile). 33Reparaturmaßnahmen Stahl-/Stahl(wasser)bau . 339.Entschichtungsverfahren. 349.19.29.39.49.59.69.79.7.19.7.2Emissionsarme Verfahren nach Nr. 2.9 der TRGS 519 . 35Druckluftstrahlen („Trockenstrahlen“) . 35Nass- und Feuchtstrahlen . 37Druckwasserstrahlen. 38Induktives Entschichten . 39Beizen . 40Sonstige Strahlverfahren. 41Kryoverfahren . 42Saugkopfverfahren . 4410.Aufhebung von Schutzmaßnahmen . 4611.Schlussfolgerungen. 4612.Vorschriften, Regelwerke, Literatur . 4713.Glossar. 49Tabellen:Tabelle 1:Tabelle 2:Tabelle 3:Tabelle 4:Tabelle 5:Einteilung der Tätigkeitskategorien für Asbest nach TRGS 519 . 12Ergänzende Grenzwerte für Stäube und Dämpfe . 13Toxische Komponenten und ihr Ersatz . 28Liste der gesteinsbildenden Asbestminerale . 29Emissionsarme Verfahren WSA01–WSA08 nach Nr. 2.9 derTRGS 519 . 35Tabelle 6:Druckluftstrahlen. 36Tabelle 7:Nass- und Feuchtstrahlverfahren . 37Tabelle 8:Druckwasser-Strahlverfahren . 38Tabelle 9:Induktives Entschichten . 39Tabelle 10: Beizverfahren . 40Tabelle 11: Kryoverfahren . 42Tabelle 12: Saugkopfverfahren . 44Version: Index 1 vom 15.11.20173

Teil I: Grundsätzliche Hinweise1.RechtsgrundlagenIm Stahl(wasser)bau der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes(WSV) wurden bis Anfang der 1980er-Jahre überwiegend Steinkohleteerpech bzw.Teerpechkombinationen mit Epoxid als Korrosionsschutzmittel eingesetzt. Mit solchen Teerpechbeschichtungen wurden z. T. auch Betonflächen versehen (z. B. beiDükern und Widerlagern). Bei der Entfernung dieser alten Schutzanstriche muss mitder Freisetzung von Asbestfasern und weiteren krebserzeugenden Schadstoffen gerechnet werden. Auf diese Gefährdung wurden die Dienststellen der WSV durch Erlass vom 29.12.1994 - BW 21/14.71.05-2/7 BL 94 - hingewiesen. Neben Asbestmuss bei diesen Arbeiten auch mit hohen Belastungen durch Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Schwermetalle (Blei, Zink etc.) und PolychlorierteBiphenyle (PCB) gerechnet werden. Bei vielen derartigen Arbeiten treten z. B. relevante PAK-Belastungen auf. Sowohl Asbestfasern als auch Steinkohleteerpeche(wegen der Anteile an PAK), Blei und PCB sind als krebserzeugend eingestuft.Um geeignete Maßnahmen zum Arbeitsschutz für Beschäftigte bei diesen Tätigkeiten mit Gefahrstoffen sicherzustellen, ist der Arbeitgeber nach § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet, durch Ermittlung und Beurteilung der arbeitsplatzbezogenen Gefährdungen die notwendigen Schutzmaßnahmen festzulegen.Diese allgemeine Vorschrift wird für Tätigkeiten, bei denen es zu einer Gefährdungdurch Gefahrstoffe kommen kann, in der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) konkretisiert. Die GefStoffV ist durch die Verordnung vom 03.02.2015 (BGBl. I S. 49) novelliert worden. Bei der neuen GefStoffV sind die rechtlichen Vorgaben im Wesentlichenauf sogenannte flexible Grundvorschriften zurückgeführt worden. Damit wird die Eigenverantwortung der Arbeitgeber und der Beschäftigten für den Arbeitsschutz imBetrieb stärker betont. Zentraler Bestandteil der GefStoffV ist die Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung gemäß § 6. Auf der Grundlage dieser Gefährdungsbeurteilung sind die entsprechenden Maßnahmen durchzuführen.Bei der Konkretisierung der GefStoffV hat der Arbeitgeber gemäß § 7 Abs. 2 GefStoffV vorrangig die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) nach§ 20 Abs. 4 GefStoffV bekannt gegebenen Regeln und Erkenntnisse des Ausschusses für Gefahrstoffe (AGS) – also die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) –zu beachten. Bei Einhaltung dieser TRGS kann der Arbeitgeber immer davon ausgehen, dass die in der Verordnung gestellten entsprechenden Anforderungen erfülltsind (sog. Vermutungswirkung). Von den TRGS kann dann abgewichen werden,wenn der Arbeitgeber ein identisches oder höheres als das in den Regelwerken geforderte Schutzziel erreicht oder andere Maßnahmen trifft, die ebenso wirksam sind.Diese Abweichung ist aber in der Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren undnachzuweisen.Die novellierte Gefahrstoffverordnung enthält keine Übergangsbestimmungen für diebestehenden TRGS. Diese TRGS werden sukzessive vom AGS an die neue Verordnung angepasst. Sie können vorläufig als Auslegungs- und Anwendungshilfe für dieneue Verordnung herangezogen werden, sofern sie nicht im Widerspruch zu derneuen Verordnung stehen. Von den Fachkreisen (z. B. BMAS, Länderausschuss fürArbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) und Berufsgenossenschaften (BG)) wirdempfohlen, die sachlichen Inhalte der vorhandenen TRGS im Sinne der neuen Gef-Version: Index 1 vom 15.11.20174

StoffV anzuwenden, soweit sie der Verordnung nicht widersprechen und noch keineüberarbeiteten TRGS vorhanden sind. Dieser Empfehlung wird im vorliegenden Leitfaden gefolgt.2.Vorgehensweise bei der vollständigen Entfernung von asbesthaltigenSchutzanstrichen nach Nr. 2.1 (2) der TRGS 519 in Verbindung mit PAKund/oder Blei und/oder PCB2.1 Anzuwendende RegelwerkeFür den Anwendungsbereich des Leitfadens stehen insbesondere folgende Technische Regelwerke zur Verfügung, welche zur Konkretisierung der geltenden Rechtsvorschriften als Auslegungs- und Anwendungshilfe herangezogen werden:-TRGS 519 „Asbest; Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten“für Asbest,-TRGS 551 „Teer und andere Pyrolyseprodukte aus organischem Material“für PAK,-TRGS 505 „Blei“ für Blei,-TRGS 524 „Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen“für PCB,-TRGS 910 „Risikobezogenes Maßnahmenkonzept für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen“.Die ergänzenden Vorschriften der GefStoffV für Tätigkeiten mit krebserzeugenden,erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen nach § 10 GefStoffV und für Asbest nach Anhang II Nr. 1 sind z. T. in der TRGS 519 nicht vollständig berücksichtigt und müssen deshalb ergänzend dazu beachtet werden.2.2 Veranlassungen der Dienststelle im Vorfeld einer oberflächenzerstörenden Bearbeitung an stahl- und maschinenbaulichen Anlagen und Betonflächen2.2.1 Schadstofferhebung/Untersuchung der BeschichtungsstoffeVor Beginn eines jeden Abbruchs bzw. Teilabbruchs oder jeder Instandhaltungs- oder Sanierungsarbeit (im Sinne des Anhangs II Nr. 1 der GefStoffV) an stahl- undmaschinenbaulichen Anlagen und Betonflächen mit Verdacht auf asbest- und/oderPAK- und/oder blei- und/oder PCB-haltigen Beschichtungsstoffen ist eine Probeentnahme und Analyse der potenziell schadstoffbelasteten Beschichtungsstoffe durchführen zu lassen.Grundsätzlich ist zu unterstellen, dass Beschichtungsstoffe, welche bis 1995 im Bereich der baulichen (insbesondere stahl(wasser)baulichen) Anlagen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) und auch sonstiger Anlagenbetreiber hergestellt wurden, asbesthaltig sein können und häufig auch in Kombination mit Blei und/oder PAK und/oder PCB (die Aufzählung der Schadstoffe ist damitnicht erschöpfend) auftreten können.Version: Index 1 vom 15.11.20175

Verdacht besteht insbesondere, wenn aus den örtlich vorhandenen Bauwerksdaten(z. B. Bauwerksinspektionsakte, Korrosionsschutzdatei) oder anhand anderer Erkenntnisse festgestellt wird, dass steinkohleteerpechhaltiger Anstrich aufgebracht istbzw. dieser teerhaltig ist.Weiterhin ist zu beachten, dass Rückschlüsse auf die Asbesthaltigkeit und die Konzentration weiterer Schadstoffe über Produktnamen kaum gezogen werden können.So wurde in langjährigen Erfahrungen festgestellt, dass Beschichtungsstoffe mit gleichem Produktnamen eines Herstellers im gleichen Zeitraum sowohl asbesthaltig alsauch asbestfrei sein können. Dieser Umstand basiert auf zulässigen Modifizierungenin der Rezeptur, primär betreffend die Füllstoffe in den Beschichtungsstoffen.Die Beschichtungsstoffe im Bestand sind deshalb grundsätzlich auf Belastungendurch Asbestfasern und weiterhin PAK, Blei und PCB zu untersuchen, da bei derEntschichtung entsprechend belasteter Bauteile besondere Schutzmaßnahmen zutreffen sind. In den neuen Bundesländern können in Beschichtungsstoffen auf Chlorkautschukbasis PCB als Weichmacher enthalten sein, was ebenfalls besondereSchutzmaßnahmen erforderlich macht. Die Korrosionsschutzdatenbank (KorDaBa;zentral bei der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW), bzw. bei den Wasserstraßenund Schifffahrtsämtern (WSÄ)) ist zunächst zur Vorerkundung einzusehen, um Anhaltspunkte über die Altbeschichtung und somit zur Festlegung von Schutzmaßnahmen zu erhalten. Auf eine Untersuchung von Materialproben sollte grundsätzlichnicht verzichtet werden, auch wenn bereits nach Prüfung der Korrosionsschutzdateibekannt ist, dass die Beschichtung Gefahrstoffe enthält. Für die Planung einer (arbeitsschutz-)rechtlich belastbaren Maßnahme im Umgang mit Schadstoffen ist zudem eine Gesamtschau auf die v. g. Schadstoffparameter erforderlich.Vor der Entnahme von Materialproben ist das zu bearbeitende Bauteil in Augenschein zu nehmen und u. a. auf unterschiedliche Beschichtungen zu überprüfen. Vonallen unterschiedlich beschichteten Flächen ist jeweils eine Materialprobe zu entnehmen. Vorzugsweise sind hierbei bauteilbezogene Mischaliquoten (mind. dreiStck. pro Bauteil) zu bilden, um so den sog. „worst case“ zu erhalten. Bauteilbezogenmeint in diesem Zusammenhang, dass ein Bauwerk trotz gleicher Farbgebung unterschiedliche Stoffgemische in der Beschichtung enthält. Beispielsweise sei hier dieBeschichtung einer Stauwand eines Wehrverschlusses genannt. Diese wurde (imGegensatz zur unterwasserseitigen Beschichtung) oft mit Stellmitteln wie Quarzsandund Asbest appliziert, um den Verbund und die abrasive Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Somit ist es durchaus möglich, dass, im Gegensatz zur stauabgewandtenSeite, die Beschichtung der Stauwand asbesthaltig ist. Es ist dringend anzuraten,Materialproben auch von besonders schwer zugänglichen Stellen zu entnehmen, dieevtl. bei vorangegangenen Sanierungsmaßnahmen übergangen worden sind. Vorgehensweise und Sicherheitsmaßnahmen sind in der VDI-Richtlinie 3866, Blatt 1 beschrieben. Vom Probenmaterial sind Rückstellproben zu bilden, die mindestens biszum Ablauf der Gewährleistungsfrist für die Sanierungsmaßnahme aufzubewahrensind.Probenäquivalente von Bauteilen, die zusammengefasst in Lose bearbeitet werden,können vom Bauwerksbesitzer zu einer Mischprobe (für das beauftragte Unternehmen bzw. Analyseninstituts) zusammengeführt und im Vorfeld der Analyse homogenisiert werden. Einzelrückstellproben sind aufzubewahren.Version: Index 1 vom 15.11.20176

Für die Untersuchungen sollen die beauftragten Analyseinstitute zu zeitnahen Nachweisen von:-Asbest,-PAK,-Schwermetallen/Blei,-PCBnach dem Stand der Technik verpflichtet werden.Werden während der Ausführung von Entschichtungsarbeiten zusätzliche Untersuchungen von Materialproben notwendig oder vom Auftragnehmer gefordert, so sinddiese von Vertretern des Auftraggebers und Auftragnehmers gemeinsam zu entnehmen. Über die Probenahme ist ein Protokoll zu führen und von beiden Seiten zu unterzeichnen.Sofern die Sachkunde zur Probeentnahme durch den Anlagenbetreiber bzw. dieDienststelle vorhanden ist, kann die Entnahme der Materialproben durch qualifiziertes und sachkundiges Eigenpersonal erfolgen. Mindestvoraussetzung stellt hierbei die Sachkunde nach Anlage 3 der TRGS 519, in Verbindung mit nachgewiesenenSchulungskenntnissen zu Schadstoffen wie PAK, PCB und Schwermetallen dar.Alternativ kann ein Sachverständiger eines Analyseinstituts oder eines Gutachterbüros als Probenehmer beauftragt werden.Bis zum Vorliegen der Analyseergebnisse und der daraus resultierenden, erforderlichen Schutzmaßnahmen dürfen grundsätzlich keine Arbeiten an den beschichteten Bauteilen vorgenommen werden. Ausgenommen hiervon sind Arbeitsverfahrengegenüber Tätigkeiten mit geringer Exposition bzw. emissionsarme Verfahren nachTRGS 519 Nr. 2.8/2.9 und Arbeiten geringen Umfangs nach TRGS 519 Nr. 2.10 mitden hierfür vorgesehenen Schutzmaßnahmen.2.2.2 Auswahl des Arbeitsverfahrens in Abhängigkeit der BauwerkstypenAufgrund der Bauwerkstypen und der Umstände der durchzuführenden Arbeitenkönnen Entschichtungsarbeiten in drei Gruppen unterteilt werden (vgl. Abschnitt 8):1.Entschichtung von demontierbaren Stahl(wasser)bauteilen in einer hierfür geeigneten und zugelassenen Entschichtungshalle (mobile Bauteile und ung von nicht demontierbaren Stahl(wasser)bauteilen oder Massivbauten in einer Einhausung (immobile Bauteile und mobile Einhausung).3.Reparaturarbeiten vor Ort ohne Einhausung jedoch ausschließlich unter Anwendung von Verfahren geringer Exposition nach Nr. 2.9 der TRGS 519.Im Vorfeld einer Sanierungsmaßnahme ist immer zu prüfen, ob das zu sanierendeStahl(wasser)bauteil unter technischen und wirtschaftlichen Randbedingungen demontiert und transportiert werden kann. Neben der signifikant höheren Qualität einerWerkssanierung ist hier auch der beste Standard hinsichtlich des Arbeits- und Umweltschutzes bei der Ent- und Beschichtung herzustellen. Der Ausbau- und Werksa-Version: Index 1 vom 15.11.20177

nierung aus Gruppe 1 ist aus diesem Grunde grundsätzlich der Vorzug zur vor-OrtSanierung nach Gruppen 2 und 3 zu geben.Massivbauten aus Beton sind hinsichtlich der Arten der Entschichtungsarbeiten inGruppe 2 oder ggf. in Gruppe 3 (s. oben) einzuordnen.Bei der Vergabe von Arbeiten sollten bezüglich der Auswahl des ArbeitsverfahrensNebenangebote zugelassen werden (sofern diese unter Beibehaltung der ausgeschriebenen Mindeststandards einen wirtschaftlichen Vorteil bieten oder nachweislich einen signifikanten Vorteil in der Umweltbilanz garantieren), um evtl. auf besondere Erfahrungen der Anbieter zurückgreifen zu können. Bestehen Zweifel überdie Sicherheit oder Umweltverträglichkeit der Angebote, ist bereits im Vorfeld derAngebotsprüfung und -wertung die zuständige Behörde oder eine andere geeigneteFachstelle zu beteiligen.2.2.3 Herstellungs- und Verwendungsbeschränkung in Bezug auf AsbestFür folgende asbesthaltige Gefahrstoffe besteht nach § 16 Abs. 1 i. V. m. Anhang IIGefStoffV eine Herstellungs- und Verwendungsbeschränkung:Nr. 1 Asbest:(1) Arbeiten an asbesthaltigen Teilen von Gebäuden, Geräten, Maschinen, Anlagen,Fahrzeugen und sonstigen Erzeugnissen sind verboten. Satz 1 gilt nicht für:1. Abbrucharbeiten,2. Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten mit Ausnahme von Arbeiten, die zueinem Abtrag der Oberfläche von Asbestprodukten führen, es sei denn, eshandelt sich um emissionsarme Verfahren, die behördlich oder von den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung anerkannt sind. Zu den Verfahren,die zum Abtrag von asbesthaltigen Oberflächen führen, zählen insbesondereAbschleifen, Druckreinigen, Abbürsten und Bohren.Um Abbrucharbeiten im Sinne von Nr. 2.1 der TRGS 519 handelt es sich, wenn asbesthaltige Materialien (z. B. Beschichtungen) aus bzw. von baulichen Anlagen oderTeilen, Fahrzeugen, Schiffen und Geräten vollständig entfernt werden. Sofernstahl(wasser)bauliche Anlagen saniert und diese im Vorfeld komplett dekontaminiertwerden, handelt es sich im Sinne der TRGS 519 demnach um einen Abbruch (derSchadstoffe). Entschichtungen sind demnach unter Anwendung aller erforderlichenSchutzmaßnahmen nach TRGS 519 (und anderer TRGS im Falle weiterer Schadstoffe) zulässig.Im Zuge von Instandsetzungsarbeiten ohne die erforderlichen Schutzmaßnahmenentsprechend der TRGS 519 (d. h. ohne Einrichtung von Schwarz-/Weißbereichen)unter Anwendung von Arbeitsverfahren, bei welchen mit Arbeitsgeräten die Oberfläche von Bauteilen mit asbesthaltigen Beschichtungen abgetragen wird, ist der Einsatz von emissionsarmen, behördlich bzw. berufsgenossenschaftlich anerkanntenVerfahren (z. B. DGUV-Information 201-012, siehe hierzu Nr. 2.9 der TRGS 519)zwingend erforderlich. Der Einsatz eines solchen Verfahrens ist unter entsprechender Darlegung mitteilungspflichtig gegenüber der zuständigen Behörde und demGewerbeaufsichtsamt. Die Anzeige für Dienststellen der Wasserstraßen- und SchiffVersion: Index 1 vom 15.11.20178

fahrtsverwaltung des Bundes erfolgt hierbei ausschließlich bei der UnfallversicherungBund und Bahn, sofern es sich um Regiearbeiten ohne Fremdpersonal bzw. Drittehandelt.2.2.4 Einsatz von geeigneten FachbetriebenAbbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten (ASI-Arbeiten) mit Asbest dürfen nur von Fachbetrieben durchgeführt werden, deren personelle und sicherheitstechnische Ausstattung für diese Tätigkeiten geeignet ist. Diese Anforderungen gelten auch bei der Abfallverwertung bzw. Abfallentsorgung nach Kreislaufwirtschaftsgesetz – KrWG. Bei den Arbeiten ist dafür zu sorgen, dass mindestens eine weisungsbefugte sachkundige Person vor Ort tätig ist. Der Nachweis der Sachkundewird durch die erfolgreiche Teilnahme an einem von der zuständigen Behörde anerkannten Sachkundelehrgang erbracht. Mindestvoraussetzung stellt hierbei die Sachkunde nach Anlage 3 der TRGS 519 dar, in Verbindung mit nachgewiesenen Schulungskenntnissen zu den Schadstoffen PCB, PAK und Blei. Die zusätzliche Sachkunde nach der Berufsgenossenschaftlichen Regel (BGR) 128 ist nicht erforderlich.Für Abbrucharbeiten von asbesthaltigen Altbeschichtungen nach Nr. 2 (2) derTRGS 519 muss der Fachbetrieb zudem eine Zulassung durch die zuständige Behörde nach GefStoffV, Anhang I/2.4.2 (4) besitzen.2.2.5 Zusammenarbeit verschiedener Firmen, Koordinator bestellenWerden für die Durchführung von Entschichtungsarbeiten im Zusammenhang mitSchadstoffen Fremdfirmen beauftragt, ist dabei Folgendes zu beachten:-nur auf die Tätigkeit abgestimmte und zugelassene (GefStoffV, Anhang I/2.4.2(4)) Fachfirmen beauftragen,-Bestellung eines Koordinators nach § 3 BauStellV (SiGe-Koordinator),-der Auftraggeber hat dafür zu sorgen, dass die Fremdfirma über die Gefahrenquellen und die spezifischen Verhaltensregeln informiert wird, insbesondere durcheine fundierte Gefährdungsanalyse nach GefStoffV,-Zusammenwirken von Auftraggeber und Auftragnehmer bei der Erstellung derGefährdungsbeurteilung,-jeder Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass die sicherheitsrelevanten Verhaltensvorschriften durch seine Beschäftigten beachtet werden,-wurde bei der Voruntersuchung nach 2.2.1 Asbest oder PAK festgestellt, handeltes sich um besonders gefährliche Arbeiten i. S. der BauStellV. Deshalb muss vorErrichtung der Baustelle ein SiGe-Plan gemäß § 2 Abs. 3 BauStellV erstellt werden.2.2.6 Mitteilung an die zuständige BehördeTätigkeiten, bei denen Beschäftigte Asbeststaub oder Staub von asbesthaltigen Materialien ausgesetzt sind oder sein können, müssen der zuständigen Behörde spätestens sieben Tage vor Beginn der Tätigkeiten mitgeteilt werden (vgl. Anh. I GefStoffVNr. 2.4.2). Diese Mitteilung muss mindestens folgende Punkte enthalten:Version: Index 1 vom 15.11.20179

1. Lage der Arbeitsstätte,2. verwendete oder gehandhabte Asbestarten und -mengen,3. durchgeführte Tätigkeiten und angewendete Verfahren,4. Anzahl der beteiligten Beschäftigten,5. Beginn und Dauer der Tätigkeiten,6. Maßnahmen zur Begrenzung der Asbestfreisetzung und zur Begrenzung der7. Asbestexposition der Beschäftigten.Muster der Mitteilungen sind in der Anlage der TRGS 519 enthalten.Im Zuge der Gesamtschau sollten in der Mitteilung auch die weiteren (im Vorfelddurch eine Analyse bestimmten) Schadstoffe aufgeführt werden.2.3 Maßnahmen bei der Durchführung der Arbeiten in Regiearbeit(ASI-Arbeiten)Eine Checkliste über Maßnahmen bei Regiearbeiten ist in Abschnitt 4.2 dieses Leitfadens enthalten.2.3.1 Gefährdungsbeurteilung und Festlegung von SchutzmaßnahmenWerden zur Durchführung der Arbeiten eigene Beschäftigte eingesetzt, hat derArbeitgeber gemäß § 5 ArbSchG und § 6 GefStoffV eine Gefährdungsbeurteilungdurchzuführen und die erforderlichen Maßnahmen zu veranlassen. Dazu sind folgende Schritte erforderlich:Schritt 1: Informationsermittlung u. Gefährdungsbeurteilung nach § 6 der GefStoffVVor einer Tätigkeit mit asbest- oder/und PAK- oder/und PCB- oder/und bleihaltigenMaterialien, bei der eine Exposition gegenüber den vorgenannten Stoffen auftretenkann, sind Art, Ausmaß und Dauer der Exposition der Beschäftigten zu ermitteln.Diese Bewertung muss in regelmäßigen Abständen und bei jeder Änderung der Bedingungen, die sich auf die Exposition der Beschäftigten gegenüber asbesthaltigenGefahrstoffen auswirken kann, erneut vorgenommen werden.Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung als Bestandteil der Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes hat der Arbeitgeber (AG)festzustellen, ob die Beschäftigten Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ausüben oder beiTätigkeiten Gefahrstoffe entstehen oder freigesetzt werden können. Dazu können dieStoffinformationen, die der Inverkehrbringer liefert oder auf andere Weise durch zugängliche Quellen (z. B. kostenlose Datenbanken wie GDL, GESTIS, Branchenlösungen wie GISBAU, Merkblätter der BG en, LASI-Veröffentlichungen) beschafftwerden, herangezogen werden. Sofern die Beschäftigten Tätigkeiten an Gefahrstoffen ausführen, hat der Arbeitgeber alle Gefährdungen der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten unter folgenden Gesichtspunkten zu beurteilen:Version: Index 1 vom 15.11.201710

-gefährliche Eigenschaften der Stoffe oder Zubereitungen, einschließlich ihrerphysikalisch-chemischen Wirkung,-Informationen des Herstellers oder Inverkehrbringers zum Gesundheitsschutz undzur Sicherheit, insbesondere im Sicherheitsdatenblatt,-Art und Ausmaß der Exposition unter Berücksichtigung aller Expositionswege,-Möglichkeiten einer Substitution,-Arbeitsplatzgrenzwerte und biologische Grenzwerte,-Wirksamkeit der ergriffenen oder zu ergreifenden Schutzmaßnahmen,-Erkenntnisse aus arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge.Weiterhin sind die Anforderungen an die Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilungen der GefStoffV unter § 6 zu berücksichtigen.Grundsätzlich müssen alle Stoffe und Zubereitungen bekannt sein, die-verwendet werden,-bei Tätigkeiten entstehen oder freigesetzt werden können,-bei Betriebsstörungen, Unfällen oder Notfällen entstehen können.Ausreichende Erkenntnisse über das Schadstoffpotenzial in der zu bearbeitendenAltbeschichtung erhält man i. d. R. durch die Analyse nach Abschnitt 2.2.1 diesesLeitfadens.Alle im Zuge der Gefährdungsermittlung festgestellten Gefahrstoffe sind anlagenund bauteilbezogen in einem Gefahrstoffkataster zu führen. Das Verzeichnis ist aufaktuellem Stand zu halten und muss allen betroffenen Beschäftigten und ihren Vertretern zugänglich sein. Eine Form ist durch die Verordnung nicht vorgegeben. DieseInformationen bilden die Grundlage für die Beurteilung der Gefährdungen durch denArbeitgeber.Die Gefährdungsbeurteilung darf nur von einer sachkundigen Person durchgeführtwerden. Verfügt der Arbeitgeber nicht selbst über entsprechende Kenntnisse, dannmuss er sich sachkundig beraten lassen. Als sachkundig gelten laut Verordnung insbesondere der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit.Bei Arbeiten im Anwendungsbereich des Leitfadens muss gemäß den bis dato langjährig gesammelten Erfahrungen in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltungdes Bundes mit folgenden Gefahrstoffen gerechnet werden:-Asbest,-PAK (Leitsubstanz B[a]P) bzw. EPA-PAK für Teerersatzprodukte,-PCB,-alviolengängiger (lungengängiger) Staub (A-Staub und E-Staub),-quarzhaltiger Staub (bei Fräsen/Entschichten von Betonoberflächen, ist auch inBeschichtungsstoffen als Füllstoff vorhanden)

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Leitfaden für die . Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) und Berufsgenossenschaften (BG)) wird empfohlen, die sachlichen Inhalte der vorhandenen TRGS im Sinne der neuen Gef- . und Asbest appliziert, um den Verbund