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Treffpunkt PTIAus der Praxis für die PraxisDie Frage nach Gott imkompetenzorientierten ReligionsunterrichtPädagogisch-Theologisches Institut Kassel

VorwortLiebe Kolleginnen und Kollegen,In dem vorliegenden Heft »Aus der Praxis – für die Praxis« werden die Workshops dokumentiert, die beim »Treffpunkt PTI« im August 2012 angeboten wurden. Die Studienleiterinnen und Studienleiter des PTI hatten sich beidiesem »Treffpunkt PTI« die Aufgabe gestellt, Materialien und Unterrichtsideen zu entwickeln, die kompetenzorientierte Unterrichtssequenzen zum Inhaltsfeld »Gott« initiieren und ermöglichen. Insgesamt acht Beiträge für dieverschiedenen Jahrgangsstufen (Grundschule, Sek. I, Sek. II) liegen jetzt vor:Brigitte Weißenfeldt und Cornelia Gerhards-Velde beschäftigen sich mit Sprach- und Ausdrucksformen des Gebetsin den Klassen 1 bis 4 und stellen Stilleübungen, meditative Elemente und Gebetsformen vor, die an verschiedenenStellen im Unterricht aufgenommen werden können. Besonders interessant ist der Vorschlag, wie hierbei ein kumulativer Kompetenzaufbau in vier Schuljahren möglich ist. Brigitte Weißenfeldt und Cornelia Gerhards-Velde habendaneben einen Unterrichtsbeitrag erarbeitet, bei dem sich die Schüler/innen mit eigenen Gottesvorstellungen sowieGottesbildern der Bibel beschäftigen und die Gelegenheit erhalten, eigene Vorstellungen zu reflektieren und zu modifizieren. Insa Rohrschneider stellt in ihrem Grundschul-Beitrag die Frage, ob Christen und Muslime an denselbenGott glauben. Die Beschäftigung mit den Materialien, die sie vorlegt, soll die Schüler/innen dazu befähigen, über dieeigene Religion und andere Religionen zu sprechen und Mitmenschen in Toleranz und Respekt zu begegnen. Der Beitrag von Stefan Eisenbach ist im Rahmen der Vikars-Ausbildung als Unterrichtsbeitrag für eine 3. Klasse entstandenund zeigt auf beeindruckende Weise, wie sich Schüler/innen mit kreativen Methoden das Vaterunser erschließenkönnen. Vier weitere Beiträge sind für die Sek. I / II entworfen worden. Katharina Böttner greift christliche undmuslimische Gottesvorstellungen auf. Die Schüler/innen erarbeiten sich grundlegende Informationen zu diesemThema und werden so befähigt, qualifiziert am christlich-muslimischen Gespräch über Glaubensfragen teilzunehmen. Der Beitrag von Karsten Müller und Frank Bolz beschäftigt sich mit der Frage nach dem verborgenen Gott.Die Autoren stellen Materialien vor, die für Jugendliche gut zugänglich sind und die sie dazu anregen, über dieFrage nach Gott angesichts von Leiderfahrungen in der Welt oder im persönlichen Leben nachzudenken. In der vonChristian Marker und Rainer Zwenger konzipierten Unterrichtseinheit für die Jahrgangsstufe 9/10 erhalten Schüler/innen Anregungen, sich mit dem (neuen) Atheismus auseinander zu setzen und sich eine begründete eigeneStellungnahme zu erarbeiten. Petra Hilger und Gudrun Neebe schließlich zeigen auf, wie sich Schüler/innen derSek. II am Beispiel von Schöpfungstexten der Bibel und naturwissenschaftlichen Theorien zur Entstehung der Weltund des Lebens mit dem Spannungsverhältnis von Theologie und Naturwissenschaft auseinandersetzen können,und schlagen dazu eine Reihe von aussagekräftigen Materialien für die Erarbeitung des Themas vor.Alle Unterrichtsbeiträge orientieren sich am »Prozessmodell zur Unterichtsentwicklung«, das in Hessen für die Ausbildung der Lehrer/innen im Vorbereitungsdienst, für die Qualifizierung von Fortbildnern und für die Arbeit in Fortbildungen genutzt wird. Das Prozessmodell ist am Ende des Heftes abgedruckt.Die vorliegenden Unterrichtsentwürfe wollen Beispiele und Anregungen geben, wie das Inhaltsfeld »Gott« im kompetenzorientierten Religionsunterricht sach- und schülergerecht bearbeitet werden kann. Wir wünschen Ihnen vielFreude beim Unterrichten. Für Rückmeldungen sind wir dankbar!Dr. Gudrun NeebeBitte beachten Sie: Einige Materialien zu den Heft-Beiträgen befinden sich auf der beiliegenden CD.Entsprechende Hinweise haben wir bei den einzelnen Beiträgen vermerkt.2Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht Aus der Praxis für die Praxis

InhaltsverzeichnisBrigitte Weißenfeldt und Cornelia Gerhards-VeldeSprach- und Ausdrucksformen des Gebets in den Klassen 1 bis 4Jahrgangsstufe 1 - 4 . S.04Cornelia Gerhards-Velde und Brigitte WeißenfeldtDie Namen Gottes – Vorstellungen von Gott beschreiben und deutenJahrgangsstufe 3/4 . S.12Insa RohrschneiderGlauben Christen und Muslime an denselben Gott?Jahrgangsstufe 3/4 . S.23Stefan EisenbachDas VaterunserJahrgangsstufe 3/4 . S.46Katharina BöttnerMein Gott Dein Gott? Zugänge zu Gott in Islam und ChristentumJahrgangsstufe 7/8 . S.59Karsten Müller und Frank BolzWenn das Gottesbild in Stücke bricht –Die Frage nach dem verborgenen GottJahrgangsstufe 9/10. S.69Christian Marker und Rainer ZwengerHerausforderung: (Neuer) AtheismusJahrgangsstufe 9/10 . S.77Gudrun Neebe und Petra HilgerGottesglaube im Spannungsfeld von Bibel und NaturwissenschaftJahrgangsstufe 12 . S.84Ein Prozessmodell zur Unterrichtsentwicklung. S. 93Aus der Praxis für die Praxis Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht3

Sprach- und Ausdrucksformen des GebetsBrigitte Weißenfeldt und Cornelia Gerhards-VeldeSprach- und Ausdrucksformen des Gebetsin den Klassen 1 bis 4Klassenstufe1. - 4. SchuljahrZeitbedarfje nach unterrichtlichem KontextKompetenzbereiche/BildungsstandardsDie Schüler/innen können elementare Ausdrucksformen religiöser Praxis erklären und deuten elementare religiöse Sprach- und Ausdrucksformen anwenden (erproben)In den überfachlichen Kompetenzbereichen wird vor allem die personaleKompetenz (Selbstwahrnehmung und Selbstregulierung) erweitert. Letztendlich geht es darum, den Sinn des Betens für die eigene Lebenswirklichkeit zuentdecken.Inhaltsbezogene KompetenzenDie Schüler/innen können Gebete wahrnehmen und beschreiben Worte des Dankes und Lobes, der Bitte und Klage formulieren Gebetshaltungen wahrnehmen und beschreiben Situationen beschreiben, in denen Menschen zu Gott beten ein vorgegebenes Gebet ausdrücken und gestalten in biblischen Geschichten Menschen wahrnehmen, die ihre Anliegenzu Gott bringen. aus deren Situation heraus Gebetsworte formulieren eigene Gebete oder Fürbitten für eine christliche Feier formulierenund auf freiwilliger Basis vortragen beschreiben, wie Menschen in verschiedenen Religionen zu Gott betenThematische Schwerpunkte AnforderungssituationRecht häufig gehört das Gebet heute nicht mehr zur Lebenswelt der Kinder.Das Gebet ist und bleibt aber ein wichtiges Merkmal der christlichen Religion (und auch anderer Religionen). Kinder können diesen zentralen Aspektchristlichen Glaubens nur verstehen, wenn sie darüber nicht nur sprechen,sondern auch meditative Elemente und Gebetsformen erleben, ausprobierenund reflektieren.Psalmen, Vaterunsereigene Gebete (Lob, Dank, Bitte und Klage), Fürbittenbiblische Geschichten, in denen Menschen ihre Anliegen zu Gott bringenBeten bei Christen, Juden und Muslimen VorbemerkungDas Gebet ist die Zwiesprache mit Gott: An ihn können wir uns wenden mit unseren Fragen, Bitten, Klagen, mit unserem Lob und Dank. Doch wenn uns diesesGegenüber fehlt, wenn wir nicht wissen, an wen wiruns wenden sollen? Das erleben die Schülerinnen undSchüler durchaus: Da ist niemand, der ihnen wirklich4zuhört, der ihre geheimsten Ängste und Nöte kennt. Inden biblischen Geschichten können sie solche Situatio nen entdecken, die sie selbst kennen. Und ohne aufsich selbst zu verweisen, können sie ihre Anliegen fürdie Personen der Geschichte formulieren. Im Gebetkann sich etwas ereignen, kann sich eine Kraft entfalten, die mehr ist als das, was die Beteiligten selbst einbringen. Im Gebet ereignet sich religiöse Wirklichkeit.Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht Aus der Praxis für die Praxis

Sprach- und Ausdrucksformen des GebetsEs geht nicht um die Erfüllung von Wünschen, die imGebet formuliert werden. Dies wird mit den Kindernfrühzeitig thematisiert werden müssen. Manchmalwerden Enttäuschung und Misserfolg zur Sprachekommen, auch Wut und Ärger. Im Formulieren ihrer Gebetsanliegen fühlen sich die Kinder ernst genommenund erfahren bereits dadurch eine stärkende Kraft.Eine dankbare Stimmung wird erzeugt, die aber auchden Wunsch hervorruft, dass es anderen ebenfalls gutergehen möge.Beten kann nicht nur Thema einer Unterrichtseinheitsein, Formen des Gebets und der Meditation könnenzum ritualisierten Element des Unterrichts werden,das Lernende als Angebot in Anspruch nehmen können. Wichtig dabei ist, dass es um ein freiwilliges,authentisches Tun geht, das experimentierend undprobehandelnd sein kann, aber niemals unter einemsozialen oder moralischen Druck stehen darf. Selbstverständlich entzieht sich das Gebet einer Beurteilung oder Bewertung.Bildimpuls: Keiner hört mich! (M1)Kennst du solche Situationen?Im Folgenden wird keine Unterrichtseinheit, keinLernprozess vorgestellt, sondern Beispiele für Stilleübungen, meditative Elemente und Gebetsformen,wie sie an verschiedenen Stellen im Unterricht derKlassen 1 bis 4 bedeutsam werden können.Die Bilder bieten Sprechanlässe zum Gebet. Die Kinderkönnen sich in diese Lebenssituationen hineindenkenund für die dargestellten Personen Gebete formulieren. Sie können darüberhinaus über ihre eigenen Erfahrungen sprechen. A) Möglichkeiten des Einstiegs zumThema GebetDVD: Fast ein Gebet(nach einem Gedicht von Reiner Kunze), Dauer: 3 Min.Fast ein GebetWir haben ein DachUnd wir haben es warmUnd Brot im FachUnd haben ein Bett.Und Wasser im HausDa hält man’s aus.O Gott, dass doch jederDas hätt’!(Reiner Kunze)Zum Inhalt:Zwei wie Menschen empfindende und denkende Wesen in Gestalt einer Katze und einer Ente zeigen, wiewohl sie sich miteinander unter einem Dach fühlen.Fragen zum Kurzfilm:Was macht ein Gebet aus? Wofür bin ich dankbar? Wiekann ich meine Dankbarkeit zeigen?Bilderkartei zum Religionsbuch »Spuren lesen 1/2«(Beten heißt: Mit Gott sprechen)Gemalte Bilder zu Gebetsanlässen wie: Die Familie sitzt am Tisch und spricht ein Tischgebet Ein Kind liegt im Bett und spricht ein Nachtgebet Zwei Kinder stehen staunend unter einem Apfelbaum Kinder stehen in der Kirche vor dem AltarBilderkartei aus: Grundschule Religion Nr. 17(Menschen beten in verschiedenen Religionen)Fotos von Menschen, die beten (in der Kirche, auf demGebetsteppich, mit einer Gebetskette, im Freien mitoffener Gebetshaltung, mit gefalteten Händen, mitangelegten Gebetsriemen .) geben Anlass, darüberzu sprechen, wann und wo Menschen beten. Auch hierkönnen eigene Erfahrungen einfließen. B) Das Gebet zu Beginn (Ende) einerUnterrichtsstunde/einer gemeinsamenFeier/als RitualGestaltete Mitte zu Bitte, Klage, DankEin dunkles Tuch für Klage, ein grünes für Dank und eingelbes Tuch für Bitten In der Mitte eine Kerze entzünden und evtl. ein Kreuz dazu legen. Die Schüler/innenbekommen Formulierungshilfen wie: Ich danke dir, Gott . Ich beschwere mich, Gott . Ich erzähle dir, Gott Die Lehrkraft kann die Gebeteam Schluss zusammenfassen mit Worten wie: Duhast unsere Gebete gehört, unsere Bitten, unsereKlagen .Aus der Praxis für die Praxis Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht5

Sprach- und Ausdrucksformen des GebetsFürbittengebeteIn welchen Situationen möchten wir für andere Menschen beten? Denkbar wäre: für den Einzelnen (z. B. einen kranken Mitschüleroder ein bedürftiges Familienmitglied), für die Klassengemeinschaft (z. B. bei Schulwechsel,bei einer Klassenfahrt oder einem Ausflug), für die Welt (z. B. bei Katastrophen oder Krisen), zu christlichen Feiern (z. B. Erntedank oderWeihnachten).Gebetsrufe, die man mit Kindern als Sprechakt dazwischen sprechen kann (z. B.: Gott, höre uns! Wir bittendich!) können die einzelnen Fürbitten miteinanderverbinden. Fürbitten können auch mit einer Handlung verbunden werden (z. B. Kerzen entzünden undin die Kreismitte stellen).Lieder:So wie ich bin komme ich zu dir (M2)Wege gehen wir .Halte zu mir guter GottWer singt, betet doppelt! (Augustinus)Stilleübungen (M3)Auch wenn dabei nicht explizit von Gott die Rede ist,können diese Übungen schon Züge eines Gebets annehmen. Kinder können eine Ahnung bekommen, dassdie greifbare Welt nicht alles ist. Übungen der Stillekönnen in Staunen versetzen über die Größe und Weite der Welt, über die Schönheit der Natur. Sie lassenauch ein Gefühl von Geborgenheit, Vertrauen, Geliebtund Wichtig-Sein zu.Morgenkreis mit Gebet und Gebetsgesten (M4)Gebetsgesten finden mit Schülern: Wie kann ich mitmeinem Körper mein Anliegen ausdrücken? (Ggf. auchmit Erzählfiguren darzustellen.) Aneinander gelegteHände können gedeutet werden als Geste der Konzentration, erhobene Hände als Zeichen des Weggebensund Erhaltens, sich gegenseitig an den Händen fassenals Ausdruck der Gemeinschaft im Gebet.Vaterunser als Gebetskette/mit Bewegungen gestaltenZusammen mit den Kindern kann das Gebet gegliedertund mit (10) Holzkugeln entsprechend aufgereiht werden. Weitgehend bekannt ist auch das Vaterunser mitBewegungen (vgl. das Lehrerhandbuch zum Religionsbuch »Spuren lesen 1/2«, S. 274/275). C) Menschen wenden sich Gott zu: DasGebet in biblischen Geschichten entdeckenStellvertretend für biblische Gestalten, die sich in einerbestimmten Lebenssituation befinden, können die Kinder Gebete formulieren. Folgende Geschichten bietenGebetsanlässe: Abraham und Sara machen sich auf den Weg(1. Mose 12), Josef im Brunnen (1. Mose 37, 12-35), Jona im Bauch des Fisches (Jona 1), Jakob hat Angst vor seinem Bruder (1. Mose 32, 4-8), Die Jünger im Sturm (Matthäus 8, 23-27) Die Verleugnung des Petrus ( Lukas 22, 54-62) Die Heilung des Blinden bei Jericho (Lukas 18, 35-43) Heilung eines Gelähmten (Lukas 5, 17-26) Schöpfungserzählung (1. Mose 1) –Lob der SchöpfungGebetskästchen/ein Gebetsbüchlein anlegen im Laufeder vier SchuljahreHier können sowohl von zu Hause mitgebrachte undbereits bekannte, als auch im Unterricht formulierteGebete aufgenommen werden, ebenso das Vaterunser,Psalm 23 und ausgewählte Segensworte.6Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht Aus der Praxis für die Praxis

Sprach- und Ausdrucksformen des Gebets Beispiel für einen kumulativen Aufbau in vier Schuljahren (schuleigenes Curriculum)Inhaltsbezogene KompetenzenInhalte1. SchuljahrDie Lernenden können erste Gebete im Schulanfangsgottesdienstwahrnehmen und beschreiben Worte des Dankes und Lobes, der Bitteund Klage formulieren Gebetshaltungen wahrnehmen undbeschreibenSchulanfangsgottesdienst als Anknüpfungspunkt: Menschen betenRitual zum Stundenbeginn(evtl. mit Legematerialien)StilleübungenErste MorgengebeteLieder zum Stunden- und Tagesbeginn2. SchuljahrDie Lernenden können Situationen beschreiben, in denenMenschen zu Gott beten Worte des Dankes und Lobes, der Bitteund Klage in Form eines GebetesformulierenGebete im Alltag von Menschen(z. B. Morgengebet, Tischgebet .)s. , z. B.: Du hast uns deine Weltgeschenkt3. SchuljahrDie Lernenden können ein vorgegebenes Gebet ausdrückenund gestalten in biblischen Geschichten Menschenwahrnehmen, die ihre Anliegen zu Gottbringen aus deren Situation heraus Gebetsworteformulieren eigene Gebete oder Fürbitten für einechristliche Feier formulieren und auffreiwilliger Basis vortragenMorgengebet(z. B. aus Spuren lesen 1/2, S. 12 )StilleübungenDas Gebet in biblischen Geschichten(z. B. Josef im Brunnen, Abraham und Saraauf dem Weg ins Ungewisse, Mose erhältvon Gott einen Auftrag), Psalm 23Gebet für die Schulanfänger im nächstenSchuljahr4. SchuljahrDie Lernenden können beschreiben, wie Menschen inverschiedenen Religionen zu Gott beten in biblischen Geschichten Menschenwahrnehmen, die ihre Anliegen zu Gottbringen aus deren Situation heraus Gebeteformulieren eigene Gebete oder Fürbitten für einechristliche Feier formulieren und auffreiwilliger Basis vortragenDas Gebet im Islam und JudentumDas Vaterunserz. B.: Jona im Bauch des Fisches,Petrus nach der Verleugnung,Jesus in GethsemaneAdvents- oder Weihnachts-, Osterfeier,Schulabschlussfeier Literatur: Grundschule Religion 17/2006 (Beten: Mit Gott reden), Seelze 2006 Frieder Harz: Kinder und Religion: Was Erwachsene wissen sollten, Seelze 2006 Spuren lesen, Religionsbuch für das 1./2. Schuljahr, Stuttgart/Braunschweig 2010 Spuren lesen, Lehrermaterialien für das 1./2. Schuljahr, Stuttgart/Braunschweig 2010 Arbeitshilfe Religion Grundschule NEU 1./2. Schuljahr, Stuttgart 2009Aus der Praxis für die Praxis Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht7

MSprach- und Ausdrucksformen des Gebets MaterialteilM1entnommen aus:Arbeitshilfe Religion Grundschule 1. Schuljahr 1993 by Calwer Verlag Stuttgart8Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht Aus der Praxis für die Praxis

MSprach- und Ausdrucksformen des Gebets MaterialteilM2 LiederDieses Lied kann im Wechsel gesungen werden: Einer singt vor – die Anderen wiederholen.Mit Gesten können die Befindlichkeiten gezeigt werden (fröhlich, traurig, ängstlich, staunend etc.).Vgl. dazu Reinhard Grenz, in: forum religion 3/2010, S. 12-15.Aus der Praxis für die Praxis Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht9

MSprach- und Ausdrucksformen des Gebets MaterialteilM210Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht Aus der Praxis für die Praxis

MSprach- und Ausdrucksformen des Gebets MaterialteilM3 StilleübungenKleine Übungen der Stille können eingeleitet werden mit der Frage nach der Bereitschaft der Kinder zu Stille:»Wer schafft es, eine halbe Minute (ganze Minute) ganz still zu sein?« – Klangstab oder Ton einesInstruments erklingen lassen und so lange stille bleiben, bis nichts mehr zu hören ist. Kurze Sequenzen klassischer Musik hören und innere Bilder entstehen lassen. Eine Blume imaginieren und später aufmalen.Die Kinder dürfen Rückmeldung geben, wie es ihnen gefallen hat, was sie »gesehen« und erlebt haben.Eigene Wünsche für Stille-Übungen können ebenso aufgenommen werden.Weitere Beispiele für Stilleübungen sind im Lehrerband zum Religionsbuch »Spuren lesen 1/2« zu finden.M4 Gestaltetes GebetGott, ich danke dir für diesen Tagund bin gespannt,was kommen mag.Gehe mit uns ein und aus,beschütze unser Körperhaus.Zunächst können die Kinder zu diesem Gebet eigeneGebetshaltungen entwickeln und präsentieren (evtl. inKleingruppen). Dann kann das Bodenbild gedeutet werden.entnommen aus: spuren lesen, Religionsbuch für das 1./2. Schuljahr 2010 by Diesterweg Verlag BraunschweigAus der Praxis für die Praxis Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht11

Die Namen GottesCornelia Gerhards-Velde und Brigitte WeißenfeldtDie Namen Gottes – Vorstellungenvon Gott beschreiben und deutenKlassenstufe3./4. SchuljahrZeitbedarfca. 6 en und beschreiben eigene Gottesvorstellungen wahrnehmen und beschreibenDeuten und verstehen Gottesvorstellungen der Bibel deutend beschreiben Geschichten der Bibel aus dem Alten und Neuen Testament als Erfahrungenvon Menschen mit Gott einordnen und deutenAusdrücken und gestalten Inhalte des Faches gestalterisch zum Ausdruck bringen12Inhaltsbezogene KompetenzenDie Schüler/innen machen sich ihre Vorstellungen von Gott bewusst undsetzen diese in ein Bild um. Sie können anhand ausgewählter biblischer Geschichten Gottesbilder der Bibelbeschreiben und deuten anhand biblischer Texte, Bildwörter und Bibelverse ihre persönlichenGottesvorstellungen wahrnehmen und zum Ausdruck bringen im Stil einer SMS Fragen an Gott formulieren anhand einer Geschichte die unterschiedlichen Namen Gottes in Gebärdenund Symbolen deutend zum Ausdruck bringen anhand der Symbolkartei ihre persönlichen Gottesvorstellungen und ihreGottesbeziehung wahrnehmen, beschreiben und einander mitteilen die Vielfalt der Namen Gottes in einer Klangperformanz wahrnehmenund ihre Eindrücke beschreibenThematische SchwerpunkteIm Zentrum dieser Unterrichtseinheit steht die Auseinandersetzung mit dereigenen Gottesvorstellung sowie den Gottesbildern der Bibel bzw. einer nichtbiblischen Geschichte. Die Texte dienen dazu, die Wahrnehmung im Hinblickauf die vielen Facetten und Eigenschaften Gottes zu schärfen und sie als Erfahrungen von Menschen mit Gott zu deuten. Der Einsatz einer Bildkarteistellt das persönliche Gottesverständnis in den Mittelpunkt und gibt Gelegenheit, dieses zu reflektieren und zu modifizieren. Die sich anschließendeperformative Annäherung an die Gottesnamen kann den Lernenden nochandere, tiefergehende Erfahrungsräume eröffnen.AnforderungssituationWer bist du, Gott? Diese Frage stellen sich Kinder und Jugendliche im Zusammenhang mit der Wahrnehmung der eigenen Identität und der Welt.Laut K. E. Nipkow gibt es wenige religiöse Fragen, die die jungen Leute nichtloslassen. Diese kreisen um Gott als einer großen Vermutung1. Die Heranwachsenden spüren, dass das Leben mehr ist als Materie, dass es noch andere Kräfte geben muss. Dieser Unterrichtsentwurf ermöglicht es den Lernenden auf Entdeckungsreise zu gehen, Gott in seiner Vielfalt kennen zu lernenund sich ein eigenes Bild zu machen.Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht Aus der Praxis für die Praxis

Die Namen Gottes VorbemerkungLässt man Kinder ihre Gottesvorstellungen malen,dann erfährt man, dass jedes Kind ein eigenes Gottesbild hat. Jedes Kind setzt andere Schwerpunkte. DieGottesvorstellung ist aber auch vom Alter abhängig.Zu Anfang der Grundschulzeit begegnet uns überwiegend ein anthropomorphes Gottesbild, das menschliche oder menschenähnliche Züge aufweist. In dieserZeit werden Mythen und Geschichten wörtlich genommen. Piaget nennt dieses Stadium das des anschaulichen Denkens. Der Wortsinn bestimmt die Grenzendes Verstehens.Diesem Stadium folgt nach Piaget das konkret-operationale Stadium. Auch hier stützt sich das kindlicheDenken noch auf die Anschauung, aber es kommt eineWeiterentwicklung des Symbolverstehens hinzu. Erstin der späten Kindheit bahnt sich ein Gottesbild an, dasdie anthropomorphen Gottesvorstellungen hinter sichlässt und zu abstrakten Vorstellungen übergeht: Gottals Geist, Gott als Urgrund des Seins, Gott als Liebe.2Die Schweizer Pädagogen Fritz Oser und Paul Gmünder haben sechs Stufen des religiösen Urteils beschrieben. In der Regel sind es die beiden ersten Stufen, die Kinder im Alter von 6-12 Jahren betreffen. Aufder ersten Stufe, ungefähr zu Anfang der Grundschulzeit, wird Gott als Autorität gesehen, der direkt in dieWelt eingreift. Gott bestimmt und der Mensch hängtvon seinem Willen ab. Auf der zweiten Stufe (fortgeschrittene Grundschulzeit bis ca. Klasse 6) ist dasGottesverständnis geprägt von dem Grundsatz »Wiedu mir, so ich dir « das heißt: Gottes Liebe muss mansich verdienen. Gott belohnt und straft, je nach Verhalten des Menschen. Gottes Handeln ist also beeinflussbar. Menschliches Wohlverhalten bewirkt göttliches Wohlwollen. Manchmal erreichen aber auchGrundschüler schon die dritte Stufe, bei der es zu einer Trennung von Gott und Welt kommt. Der Menschträgt allein die Verantwortung für sein Leben, Gottgreift nicht unmittelbar in menschliches Leben ein.Hier kann es zu einem Bruch mit Gott, Glaube und Religion kommen. Es ist aber auch möglich, dass es zueiner Transformation des Glaubens kommt.3Untersuchungen von Helmut Hanisch zeigen, dass beireligiöser Erziehung das anthropomorphe Gottesbildnach und nach einem symbolischen Gottesbild weichtund Gott überwiegend freundliche und dem Menschenzugewandte Züge annimmt. Ist keine Begleitung inreligiösen Fragen vorhanden, so bleibt das anthropomorphe Gottesbild zumeist länger vorherrschend.4Die Theorien über Stufen und Phasen der Entwicklungsind hilfreich, um Kinder besser zu verstehen, aber siedürfen nicht dazu führen, die Heranwachsenden aufdiese Stufen festzulegen. Es sollte bei den Lehrendenkein »Schubladendenken« entstehen, indem sie dieKinder »einsortieren«. Vielmehr gilt es, jedes Kind mitseinen Ansichten ernst zu nehmen, aber dann auchim Religionsunterricht Impulse und Anregungen zugeben, die Denkanstöße und Hilfen darstellen, umWeiterentwicklung und Transformation anzubahnen. Unerlässlich sind dazu das Gespräch mit denSchülern, das genaue Hinhören und das gemeinsameNachdenken, wie es beim Theologisieren mit Kindernpraktiziert wird.5Im Zusammenhang mit bildlichen Gottesdarstellungen hört man immer wieder den Einwand, dass manGott nicht in einem Bild darstellen dürfe. Dieser Einwand bezieht sich auf das Alte Testament, in dem esin 2. Mose 20, 4 heißt: »Du sollst dir kein Gottesbildmachen und keine Darstellung von irgendetwas amHimmel droben, auf der Erde unten oder im Wasserunter der Erde.« Dieses Gebot bezieht sich auf die Verehrung von Gottesbildern, wie es beispielsweise dasVolk Israel getan hat, als es während der Abwesenheit von Mose ein goldenes Kalb anfertigte und diesals seinen Gott anbetete. Ausschließlich dem Festhalten und Fixieren Gottes in einem Kultbild will dasGebot Einhalt gebieten. Es bedeutet keine generelleAblehnung von bildlichen Darstellungen, weder in derKunst noch im Religionsunterricht. LernwegeLernen vorbereiten und initiierenWer, wo, wie ist Gott? Welche Vorstellungen haben dieKinder meiner Religionsklasse? Um das zu ermitteln,bieten sich unterschiedliche Wege an. Zum einen kannman sie Bilder zu dieser Fragestellung malen lassen.Auf diese Weise werden die Vorstellungen anschaulichund bieten eine gute Gesprächsgrundlage. Flüchtigersind verbale Äußerungen zur Gottesfrage, die in Formvon Interviews in der Klasse, in der Parallelklasse oderauf dem Schulhof ermittelt werden können. Schüler-Aus der Praxis für die Praxis Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht13

Die Namen Gottesbeiträge in Bild und Wort sind die unmittelbarste Artder Feststellung der Lernausgangslage.Eine andere Möglichkeit bietet der Einsatz von Bilderbüchern, die sich mit der Thematik befassen undGrundlage für ein Theologisieren mit Kindern darstellen. Empfehlenswerte Bilderbücher zum Thema: Ed Young: Sieben blinde Mäuse Leo Lionni: Fisch ist Fisch Helme Heine: Samstags im Paradies Hermann Schulz: Ein Apfel für den lieben Gott Regine Schindler: Wohnt Gott im Wind? Rafik Schami: Wie sehe ich aus, fragte Gott? Marie-Hélène Delval: Wie siehst du aus, Gott?Orientierung geben und erhaltenDie Ergebnisse der Stationenarbeit werden in Kleingruppen vorgestellt. Diese bietet für die Präsentationeinen geschützten Rahmen, ermöglicht aber dennochden Austausch und die Orientierung.Der Lernstandserhebung folgt das Transparentmachender Kompetenzerwartungen.Danach weist der Lehrende darauf hin, dass zur Weiterführung der Thematik die Auseinandersetzung miteiner nicht-biblischen Geschichte erfolgt. Diese wirdmit performatorischen Elementen inszeniert.Lernwege eröffnen und gestaltenKompetenzen stärken und erweiternNachdem sich die Lernenden mit den eigenen Gottesbildern beschäftigt haben, erfolgt nun die Auseinandersetzung mit Aussagen der Bibel zu Gott, zu seinemNamen und seinem Wirken. Das geschieht einführendzunächst im Kreis, in dessen Mitte sieben Bilder zu biblischen Geschichten liegen (Bilder zur Schöpfungserzählung, zu Abraham unterm Sternenzelt, zu Mose ambrennenden Dornbusch, zur Geburt Jesu, zum gutenHirten, zum verlorenen Sohn und zu Pfingsten: Der verlorene Sohn« und »Der brennende Dornbusch« von Sieger Köder, erschienen als Postkartenbeim Schwabenverlag, 73760 Ostfildern »Der Stall zu Bethlehem« und »Abraham unter demSternenzelt« von Kees de Kort, in: Das große BibelBilderbuch, erschienen bei der Dt. Bibelgesellschaft,Stuttgart 1998 »Schöpfung«, »Der gute Hirte« und »Geistsendung«,von Thomas Zacharias, erschienen als Farbfolienbeim Kösel-Verlag, München 1977In Vorbereitung darauf werden die Lernenden in fünfGruppen eingeteilt. Jede Gruppe erhält einen Textabschnitt der Geschichte (M2), in dem ein Gottesnamebeschrieben wird. Jede Gruppe überlegt sich, wie siediesen pantomimisch darstellen kann und welche Farbe bzw. welches Symbol zu diesem Namen passt. DerGruppenarbeit folgt die Darbietung der Geschichteim Plenum. Die Lernenden sitzen im Kreis. In der Mitte befinden sich ein Korb mit farbigen Tüchern unddem Symbol zum 5. Gottesnamen (Postkarte mit einer Mutter/Kind-Darstellung) und eine A4-Karte mitdem Wort »Gott«. Beim Vorlesen der Geschichte stellen die einzelnen Gruppen ihren vorbereiteten Teil derGeschichte pantomimisch dar. Ein Gruppenmitgliedlegt außerdem das passende Tuch bzw. das Symbol zuder Wortkarte in die Mitte.Kinde

2 Die Frage nach Gott im kompetenzorientierten Religionsunterricht Aus der Praxis für die Praxis Vorwort Liebe Kolleginnen und Kollegen, In dem vorliegenden Heft »Aus der Praxis – für die Praxis« werden die Workshops dokumentiert, di