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K limaEntwurf DIN 1946-6Feuchte und Schimmelpilzein Ende setzenAktuelles von der Systemnormung für die WohnungslüftungDipl.-Ing. Ehrenfried Heinz*Feuchteschäden und Schimmelpilzbefall in Wohnungen stellen nicht nur im modernisiertenGebäudebestand, sondern auch im Neubau ein zunehmendes Problem dar. Die Ursachendafür liegen – wie bereits bekannt – zum einen in der dichter werdenden Bauweise undzum anderen oft in der Überforderung des Bewohners bzgl. ausreichenden Lüftens. So ergab eine repräsentative Untersuchung von 5530 aus 8000 bundesweit zufällig ausgewählten Wohnungen (WE) in Ein- und Mehrfamilienhäusern, dass von diesen 14,2 % lüftungsrelevante Feuchteschäden (dies entspricht rund 5,45 Mio. WE) und 5,8 % lüftungsrelevantensichtbaren Schimmelpilzbefall (etwa 2,2 Mio. WE) aufwiesen. Um u. a. das Schaden risikovon Feuchtigkeits- bzw. Schimmelpilzschäden zukünftig zu minimieren, sollen lüftungstechnische Maßnahmen gemäß der neuen DIN 1946-6 zumindest für alle die Wohnungenempfohlen bzw. sogar vorgeschrieben werden, in denen die vorhandene Undichtheit, dasheißt Luftdurchlässigkeit nicht ausreicht, eine nutzerunabhängige Mindestlüftung sicherzustellen. Der nachfolgende Beitrag zeigt die Zielsetzung und entsprechende Neuerungender in Kürze im Entwurf erscheinenden völlig neu bearbeiteten DIN 1946-6 auf.Im Dezember 2003 erschiendie deutsche Fassung desEntwurfs der europäischenNorm DIN EN 14788 „Lüftungvon Gebäuden – Ausführungund Bemessung der Lüftungssysteme von Wohnungen“.Aufgrund massiver Einsprüche, auch seitens Deutschlands, ist geplant, diese Normin überarbeiteter Fassung inDeutschland als DIN-Fachbericht (Technical-Report) CEN/TR 14788 zu veröffentlichen.Da Technical-Reports (TR)keinen Normcharakter besitzen und TR 14788 außerdemauch nicht alle Fragen zurPlanung von Wohnungs-Lüf-*) Dipl.-Ing. Ehrenfried Heinz,Heinz Lüftung Feuchteschutz;Beratung, Schulung, Gutachten;15366 Hoppegarten20 tungssystemen behandelt, isteine nationale Systemnormweiterhin nicht nur zulässig,sondern auch notwendig.Gegenwärtig gilt diesbezüglich noch DIN 1946-6„Raumlufttechnik – Lüftungvon Wohnungen; Anforderungen, Ausführung, Abnahme“ (Ausgabe Oktober 1998).Daneben bestehen zurzeitnoch folgende weitere nationale (System-)Normen sowieeine Richtlinie, die Fragen derWohnungslüftung bzw. Teilevon ihr behandeln: D IN 18017-1 „Lüftung vonBädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster,Einzelschachtanlagen ohneVentilatoren“(Ausgabe Februar 1987), D IN 18017-3 „Lüftung vonBädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster,mit Ventilatoren“ (Ausgabe August 1990) und Bauaufsichtliche (Muster-)Richtlinie über die Lüftung fensterloser Küchen, Bäder und Toilettenräumein Wohnungen (AusgabeApril 1988).Notwendigkeit der AktualisierungSchon seit Längerem warund ist es notwendig, dieStandards zur Wohnungslüftung zu aktualisieren. Gründe sind sowohl der fachlicheErkenntniszugewinn in denletzten Jahren als auch dieAngleichung an die europäische Normung. Zudem müssen vorhandene Widersprüche im Regelwerk beseitigtwerden.Ein diesbezüglich unbefriedigender Sachverhalt zeigtsich beispielsweise darin, dassPlanung und Ausführung derLüftung sich nur auf eineneinzelnen (zum Beispiel Abluft-)Raum der eigentlichen„lüftungstechnischen EinheitWohnung“ beschränken dürfen (DIN 18017). Dabei brauchtsich der Planer über das Nachströmen von Außenluft, alsErsatz für die abgesaugte Luft,kaum Gedanken zu machen.Nach DIN 18017-3 reichen dievorhandenen Undichtheitenin den Außenbauteilen biszu einem 0,8-fachen auf diegesamte Wohnung bezogenen Luftwechsel pro Stundeaus (Tabelle 1). Andererseits Tabelle 1: Vergleich des systemabhängig möglichen (Außen-)Luftwechsels in 1/(h · WE) zwischen Regelwerksvorgaben und k in Pa:2 . 4 . 64 . 8(4) 8DIN 18017-3 (08.1990)––0,8BR Lüftung (04.1988)––0,35 (0,5**))DIN 1946-6 (10.1998)0,120,250,35Messung [1] 0,04 0,08 0,13**) bezogen auf die Räume mit Fenster in 1/(h · Fensterräume)IKZ-FACHPLANER · Heft 11 /2006

K lima Viele Neuerungen sind mit der Überarbeitung der DIN 1946-6 zu erwarten.Um beispielsweise das Schadenrisiko von Feuchtigkeits- bzw. Schimmelpilzschäden zukünftig zu minimieren, sollen lüftungstechnische Maßnahmen gemäß der neuen DIN 1946-6 für alle die Wohnungen empfohlen bzw. sogar vorgeschrieben werden, in denen die vorhandene Luftdurchlässigkeit nicht aus reicht, eine nutzerunabhängige Mindestlüftung sicherzustellen.ist spätestens seit der Erstausgabe von DIN 1946-6 (Ausgabe September 1994) bekannt(nach BR Lüftung schon seit1988), dass die praktisch zu erwartenden Undichtheiten imMittel nur einen maximalenLuftwechsel von 0,35 in derStunde zulassen. Dieser Widerspruch hat zur Folge, dasssich bei der Anwendung derDIN 18017-3 Außenwand-Luftdurchlässe (ALD) fast immererübrigen, ihr Einsatz nachDIN 1946-6 aber in beinahejedem Falle erforderlich ist,damit der planmäßig abzusaugende Luftvolumenstrom– bei einem zulässigen Unterdruck von Dp 8 Pa – ungehindert nachströmen kann.Ein weiterer Widerspruch,der nicht nur Unklarheitenbei der Erarbeitung von Lüftungskonzepten zur Folge hat,sondern vermutlich auch mitverantwortlich für die Feuchtigkeitsprobleme in einerVielzahl von Wohnungen ist[2, 3], kann teilweise auf diefolgenden gegensätzlichenNormvorgaben bzw. informativen Empfehlungen zurückgeführt werden: Obwohl es inDIN 1946-6 richtig heißt: „Dasich Wohnungsfeuchte auch beivorübergehender oder längererAbwesenheit von Personen auswirken kann, ist eine ständigeLüftung der Wohnung (Grundlüftung) erforderlich“, darfbeim Einsatz von dezentralen Lösungen (zum BeispielEinzelventilatoren in den Ablufträumen) unter der Bedingung, dass in der Betriebszeitder Volumenstrom 60 m³/hbeträgt, „der Volumenstrom auf0 m³/h reduziert werden“. Nur„Zentralentlüftungsan lagen“(DIN 18017-3) bzw. „Zentrallüftungsanlagen für mehrere Woh-nungen“ (DIN 1946-6) müssen„dauernd“ bzw. „ständig“ betrieben werden. Da Anlagenmit Einzelgeräten, die meistnur über den Lichtschalter inBetrieb genommen werdenkönnen, erfahrungsgemäßlediglich zwischen 30 und 60(in Einzelfällen 90) Minutenpro Tag in Betrieb sind [4, 8],ergeben sich mittlere stündliche Luftwechsel, die weitunter dem gegenwärtig nachDIN 1946-6 empfohlenen Dauerwert von 0,5 h-ⁱ liegen. Auchdie neuesten (Mindest-)Werte, die unter der Vorgabe zurVermeidung von Schimmelpilzbefall rechnerisch ermittelt worden sind (Tabelle 2)und Grundlage für die neueDIN 1946-6 sein werden, können damit nicht erreicht werden.Weitere Ursachen und FolgenAufgrund der Umsetzungder WSchV 95 und der EnEVist darüber hinaus nicht nurin Neubauten, sondern auchim modernisierten Gebäudebestand, insbesondere nacheinem Fensterwechsel, einewesentlich höhere Luftdichtheit zu verzeichnen, als derzeit nach DIN 1946-6 noch angenommen wird. Obwohl diedavon abhängigen „Selbstlüftungs“-Eigenschaften einesGebäudes einen wesentlichenEinfluss auf Feuchtigkeitsprobleme und damit auf Schimmelpilz-Wachstum ausüben,haben weitgehend luftdichte Tabelle 2: Mindestluftwechsel (1/h) zur Vermeidung von Schimmelpilz-Wachstum (mit und ohne Berücksichtigung von freiem Wäschetrocknen) [5, 6, 7].Wohnung mmerohnemitSchlaf WohnungmitohnemitBerücksichtigung von freiem WäschetrocknenMehrfamilienhausEinfamilienhaus6 176 30Altbaumit neuen 0,150,500,300,350,250,450,900,200,30Altbaumit neuen 0,150,350,200,250,200,300,700,150,20Heft 11 /2006 · IKZ-FACHPLANER 21

K limaNachgefragtIKZ-FACHPLANER: Um dasSchadensrisiko von Feuchtigkeits- bzw. Schimmelpilzschäden zukünftig zu minimieren, soll – entsprechend Ihren Ausführungen im Beitrag– die Anwendung der neuenDIN 1946-6 empfohlen bzw.für alle Wohnungen vorgeschrieben werden, in denendie vorhandene Undichtheitnicht ausreicht, eine nutzer unabhängige Mindestlüftung zu gewährleisten. Welche Objekte werden IhrerMeinung nach davon besonders betroffen sein und wasbedeutet dies zukünftig fürden Wohnungsbau?Heinz: Von einer hohen Luftdichtheit werden zunehmendmehr neue, nach EnEV errichtete, aber darüber hinausauch modernisierte, d. h. vorzugsweise mit neuen, luftdichten Fenstern ausgestattete Objekte betroffen sein.Die DIN 1946-6 wird durch dieEmpfehlung zur Realisierungeiner noch über die Anforderungen der EnEV hinausgehenden hohen Luftdichtheit(ausgedrückt durch einen geringeren n50-Wert) vermutlichzur Verstärkung dieses Trendsbeitragen. Der Grund für einesolche Empfehlung ist, dassalle lüftungstechnischen Sys tem-Lösungen dadurch bessere (gebäude-)technischeVoraussetzungen für die gezielte Lüftung jedes einzelnen Raumes der jeweiligenNutzungseinheit erhalten.Für den Wohnungsbau bedeutet das, dass mit zunehmender Luftdichtheit derGebäude auch vermehrt lüftungstechnische Maßnahmen vom einfachen ALDbis hin zu vollständigen Zu-Gebäudehüllen diese Problematik nicht zwangsläufig zurFolge. Weitere wesentliche Ursachen sind unvollkommeneWärmedämmung und eine22 /Abluftsystemen mit Wärmerückgewinnung notwendig werden.IKZ-FACHPLANER: Wird dieneue DIN 1946-6 die DIN 18017bzw. Teile von ihr eventuellablösen?Heinz: Diese Frage soll imRahmen der Einspruchsberatungen geklärt werden.Im Vorwort zur Entwurfsfassung der DIN 1946-6 wird vorgeschlagen werden, Teil 1 vonDIN 18017 als nicht mehr demaktuellen Stand der Technikentsprechend zurückzuziehen und Teil 3 entweder alsinformativen Anhang in DIN1946-6 einzubinden oder in einer eigenständigen noch zumodifizierenden Fassung zuveröffentlichen.IKZ-FACHPLANER: Welchewesentlichen Neuerungensoll es in der DIN 1946-6 gegenüber der aktuellen Ausgabe geben?Heinz: Neu ist neben der imBeitrag schon verdeut lichtenNotwendigkeit zur Sicher-stellung der nutzerunabhängigen Mindestlüftung, dassder Planer ein objektabhängiges Lüftungskonzept zu erstellen hat, welches ihn indie Lage versetzt, besser alsbisher einzuschätzen, ob lüftungstechnische Maßnahmen (LtM) getroffen werdenmüssen oder nicht. Sind LtMerforderlich, muss zusätzlich entschieden werden, oban Hygiene, Energieeffizienzund Schallschutz besondereAnforderungen (nach DIN1946-6) gestellt werden sollen. Für diesen Fall musseine ventilatorgestützte Lüftung ge plant und ausgeführt werden. Andernfalls istaber auch noch freie Lüftungmöglich.Der zur Erfüllung der Anforderungen an eine funktionierende Lüftung erforderliche Gesamt-Außenluftvolumenstrom wird nichtlinear,abhängig von der zu lüftenden Fläche der jeweiligenNutzungseinheit zu bestimmen sein. Hinsichtlich desBetriebsregimes wird in dievier neuen Betriebsstufen:Lüftung zum Feuchteschutz,Mindestlüftung, Grundlüftungund Intensivlüftung unterschieden werden.Für die Bemessung der Lüftungskomponenten zur Realisierung der LtM werden dieBemessungs-Luftvolumenströme nicht mehr nur fürdie gesamte Nutzungseinheit (Wohnung), sondernauch für deren einzelnenRäume vorgegeben. Für dieErmittlung der Luftvolumenströme für die gesamte Nutzungseinheit werden beimAbzug der In- und Exfiltration vom Gesamtluftvolumenstrom keine Fixwerte inForm von Luftwechselzahlenβ mehr zugrunde gelegt. Mithilfe eines angegebenen Verfahrens wird, in Abhängigkeit von der tatsächlich vorhandenenLuftdichtheit(Gebäudebestand) oder einerim Neubau vorzugebendenLuftdichtheit (n50-Wert), diejeweilige Infiltration berechnet werden müssen.Neu sind außerdem dieUnterscheidung in zweiWindlagen und die darausresultierenden systemabhängigen Bemessungs-Differenzdrücke. Die Anforderungenzur Bemessung von LtM werden in verschiedenen normativen und informativen Anhängen u. a. um ausführlicheHinweise zur Inbetriebnahmeund Instandhaltung ergänzt.Abgerundet wird die Normdurch ausführliche Beispielrechnungen zu unterschiedlichen Lüftungslösungen fürein neu zu errichtendes Einfamilienhaus nach DIN V4108-6 und DIN V 4701-10.Obwohl hier nicht alleNeuerungen angesprochenund nicht näher erläutertwerden konnten, ist sicherlich deutlich geworden, dassauf alle diejenigen, die sichvon Berufs wegen mit derWohnungslüftung befassenmüssen, viel Neues zukommen wird. Es ist deshalb empfehlenswert, mit dem Kennenlernen nicht so lange zuwarten, bis die verbindlicheNorm erschienen ist, sondernsich schon im Entwurfsstadium aktiv mit ihr auseinander zusetzen. Das Resultat darausnutzt sowohl den „Machern“als auch den Anwendern erfahrungsgemäß mehr, alseventuellenachträgliche Beanstandungen. ungenügende Beheizung sowie die unsachgemäße Anordnung von Einrichtungsgegenständen bzw. Verkleidungen an Außenwändensowie überdurchschnittlichhoheFeuchtigkeitsfreisetzung durch den Nutzer. DieGefahr für das Auftreten vonSchimmelpilz wächst mit ab-nehmender Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle, wennsich die „lüftungstechnischenMaßnahmen“ nur auf dieNutzung der ungeplanten Un- Dipl.-Ing Ehrenfried Heinz im espräch mit der IKZ-FACHPLANERGRedaktion zu Hintergründen und Neuerungen der zukünftig neuen DIN1946-6.IKZ-FACHPLANER · Heft 11 /2006

K limaLegende:ns: keine Signifikanz (Wahrscheinlichkeit des Irrtums 6 5 %)1 Anzahl Zimmer/Anzahl Nutzer.2 Zunahme um 100 g pro Tag und m2 Wohnfläche.3 vom Nutzer nicht beeinflussbare dauerhafte Grund- bzw. Mindestlüftung.4 Laufzeit der Anlage wird maßgeblich vom Nutzer bestimmt, zum Beispieldurch Schaltung über Lichtschalter.5 Beispielsweise Zu-/ Abluftanlagen bzw. -geräte für die gesamte Wohnungoder einzelne Räume. Bild 1: Risikofaktoren für Feuchtigkeits- bzw. Schimmelpilzschäden (multiples logistisches Modell, zusätzlich adjustiert auf Haustyp und Vorhandenseineines Haustieres).***dichtheiten und des Fensteröffnens beschränken. Gegenwärtig sind davon etwa /₃ aller Wohnungen in Ein- undMehrfamilienhäusern (ent-***) Referenzfall (Risiko 1):Wohneigentum, gute Fensterlüftung ohne zusätzliche lüftungstechnische MaßnahmenHeft 11 /2006 · IKZ-FACHPLANER sprechend 25,5 Mio. WE)betroffen. Dass bisher nichtnoch mehr Problemfälle aufgetreten sind, liegt vermutlich daran, dass die von Windund thermischem Auftrieb bewegte (Außen-)Luft, nebenmehr oder minder zufällig geöffneten Fenstern, auch nochgenügend große Schlupfwegezum Ein- und Ausströmen inund aus der Wohnung findet. Bei dieser Form der Lüftung wird die Freiheit vonFeuchte- bzw. Schimmelpilzsowie gesundheitlichen Problemen indes meist durch erhöhten Heizwärmeverbraucherkauft.Weil bei (nach EnEV) „dauerhaft hzeitige Maßnahmenzur nutzerunabhängigen Sicherstellung des „erforderlichen Mindestluftwechsels“,dieser fast nur über das Öffnen der Fenster realisiert werden kann, wird sachverständiges Handeln des Nutzers vorausgesetzt. Gleichzeitig wirddie Verantwortung für dieausreichende Lüftung beinahe vollständig auf den Nutzerübertragen. In einer im Winterhalbjahr 2000/2001 durchgeführten Untersuchung [2]ist deutlich sichtbar geworden, dass dies offensichtlichviele überfordert. Trotz unzähliger Appelle in vielenPublikationen und reich illustrierter Handlungsanleitungen, zeichnet sich seit Jahren anstelle einer Entspannung eher eine Verschärfungder eingetretenen Situ ationab. Es stellt sich deshalb dieFrage, ob der Nutzer gegenwärtig überhaupt in der Lageist, die von ihm abverlangteAufgabe unter den veränderten lüftungstechnischenBedingungen, die eine nahezu luftdichte Gebäudehülle mit sich bringt, alleine lösen zu können? Die Aufgabebesteht darin, einerseits ausreichend (d. h. entsprechendden hygienisch-gesundheitlichen und bautenschutztechnischen Anforderungen) zulüften und andererseits nichtmehr Heizwärme dafür aufzuwenden als notwendig undgemäß EnEV auch anzustreben ist. Besondere Beachtungverdient dabei der Umstand,dass mit zunehmender Erhöhung der Ener giepreise dasEnergiesparen immer mehran Bedeutung auch für denEinzelnen gewinnen wird.Eine repräsentative Untersuchung [2, 3] von 5530 aus8000 bundesweit zufällig ausgewählten Wohnungen (WE)in Ein- und Mehrfamilienhäusern hatte u. a. zum Ergebnis,dass von diesen 21,9%Feuchteschäden(hochgerechnet entsprichtdas ca. 8,3 Mio. WE), 14,2% lüftungsrelevanteFeuchteschäden (ca. 5,45Mio. WE), 9,3% sichtbaren Schimmelpilzbefall (ca. 3,55 Mio. WE)und23

K limaSysteme der Wohnungslüftung(nach Wirkprinzip)Freie LüftungVentilatorgestützte ber ALDSchachtlüftung(Auftriebslüftung)über ALDmaßgebliche AntriebskraftWindmaßgebliche Antriebskraftthermischer AuftriebAuftriebslüftungin mehrgeschossigenWohnungenSchachtlüftungmit ungsanlagen(ohne lagen(mit / ohne WR)Abluft: MFH/EFHZu-/Abluft: MFHZu- /AbluftsystemeLüftungsgeräte(mit / ohne WR)EFH/WERaum Bild 2: Systeme der Wohnungslüftung (nach DIN 1946-6). 5,8% lüftungsrelevantensichtbaren Schimmelpilzbefall (ca. 2,2 Mio. WE) aufwiesen.Keine Berücksichtigungfanden bei diesen Zahlendie Wohnungen mit nichtsichtbar gewordenen Schimmelpilz-Schäden hinter Einrichtungsgegenständen undTapeten sowie unter Fußbodenbelägen. Darüber hinaus wurde ermittelt, dassdas Risiko für lüftungsrelevante Feuchteschäden beinutzerabhängiger Lüftungmehr als dreifach so hoch istwie bei nutzerunabhängigerLüftung [2]. Beim Schimmelpilzbefall ist das Risiko immernoch annähernd doppelt sohoch (Bild 1) [3].DIN 1946-6Ein Hilfsmittel zur Lösungder Probleme kann die Anwendung von Normen sein.Eine davon ist DIN 1946-6, diein der Vergangenheit abernicht mit der notwendigenAufmerksamkeit bedacht worden ist. Die zukünftig gültigeDIN 1946-6 ist völlig neu bearbeitet worden und wird als24 erster Entwurf voraussichtlichnoch im Herbst dieses Jahreserscheinen. Dabei war nichtnur die vom Gesetzgeber geforderte Dichtheit der Gebäudehülle zu beachten. Auchdas „Wie“ der Lüftung, d. h.die Wahl des Lüftungssystems(Bild 2), musste entsprechenddem Schadensrisiko (Bild 1)bei der Neufassung der DIN1946-6 berücksichtigt werden.Weil die besten Ergebnisse immer dann zu registrieren waren, wenn dem Nutzer möglichst viel Lüftungsarbeit abgenommen wurde, musstedie gegenwärtig noch geltende normative Festlegung,d. h. die Wahl der Betriebsweise von Lüftungsgerätenund Einzelventilatoren, demalleinigen Ermessensspielraum des Nutzers zu überlassen, überdacht werden. Im Ergebnis dessen und um Widersprüche zwischen geltendenRegeln auszuräumen sowielüftungstechnische Teillösungen möglichst zu vermeiden, sollte die Lüftung vonWohnungen in Zukunft nurnoch nach DIN 1946-6 geplantund ausgeführt werden.Mit der Norm wird empfohlen bzw. vorgeschrieben, in allen Wohnungen lüftungstechnische Maßnahmen zu treffen, in denen die vorhandeneUndichtheit bzw. Luftdurchlässigkeit nicht ausreicht, einenutzerunabhängige Mindestlüftung zu gewährleisten. Dasgilt sowohl für Wohnungenmit freier als auch mit ventilatorgestützter Lüftung. Fürbeide Systemlösungen werdenentsprechend der Systematisierung nach Bild 2 geeignetelüftungstechnische Maßnahmen beschrieben und bemessungstechnisch geregelt. tigkeitsschäden einschließlichSchimmelpilz-Wachstum indeutschen Wohnungen, Ergebnisse einer repräsentativen Untersuchung, AIRTec 1/2004.[4] Ehrenfried Heinz: Lüftungin den industriell errichtetenWohngebäuden der neuen Bundesländer einschließlich BerlinOst, IKZ-HAUSTECHNIK 21/1994und 2/1995.[5] Thomas Hartmann, Dirk Reichel, Wolfgang Richter: Schimmelpilzbedingter Mindestluftwechsel, Ergebnisse einer Studiezur Raumluftqualität, Ernst &Sohn, Bauphysik 1/2002.[6] Thomas Hartmann, Dirk Reichel, Wolfgang Richter: Feuchteabgabe in Wohnungen – allesgesagt?, gi – Gesundheits-Ingenieur 4/2001.[7] Thomas Hartmann, AndréKremonke, Dirk Reichel, Wolfgang Richter: Gewährleistungeiner guten Raumluftqualitätbei weiterer Senkung der Lüftungswärmeverluste, Institutfür Thermodynamik und TGAder TU Dresden, im Auftrag desBundesministers für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau,Ressortforschungsvorhaben RSIII 4-6741-97.118, Januar 1999.[8]Ehrenfried Heinz: Kontrollierte Wohnungslüftung, HussMedien GmbH, Verlag Bauwesen, Berlin 2000, ISBN 3-34500648-0.Literatur:[1] Dirk Reichel: Kritische Anmerkungen zur Zuluftversorgung von Etagenwohnungen,Sonderdruck Technik am Bau12/98.[2] Sabine Brasche, EhrenfriedHeinz, Thomas Hartmann,Wolfgang Richter, Wolfgang Bischof: Vorkommen, Ursachenund gesundheitliche Aspektevon Feuchteschäden in Wohnungen; Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung –Gesundheitsschutz, 46/2003.[3] Ehrenfried Heinz: Feuch-IKZ-FACHPLANER · Heft 11 /2006

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