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Behinderung & BerufABC FachlexikonBeschäftigung schwerbehinderter MenschenLexikonNach den Regelungendes SGB IX 20186. Ausgabe 2018

ZB LexikonBehinderung & BerufABC FachlexikonBeschäftigung schwerbehinderter Menschen

ZB LexikonBehinderung & BerufABC FachlexikonBeschäftigung schwerbehinderter Menschen6. überarbeitete Ausgabe 2018 (Stand: Januar 2018)Herausgeber: BIH Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen; Geschäftsstelle, c/o LVR-Integrationsamt; 50663 Köln; E-Mail:[email protected]: Universum Verlag GmbH, Taunusstraße 54, 65183 Wiesbaden; vertretungs berechtigte Geschäftsführer: G ernot Leinert, Hans-Joachim Kiefer. Die Verlagsanschrift ist z ugleich auch ladungsfähige Anschrift für die im Impressum genanntenVerantwortlichen und Vertretungsberechtigten.Fachautoren: Christoph Beyer, Carola Fischer, Dr. Dieter Schartmann (Landschaftsverband Rheinland); Karl-Friedrich Ernst (Kommunalverband für Jugend und (Landschaftsverband Westfalen-Lippe); Jan Leistner (Landesamt für Sozialesund Versorgung des Landes Brandenburg); unter Mitarbeit der Bundesagenturfür Arbeit (Anette Bollwien), der D eutschen Rentenversicherung Bund (Dr. DanaMatlok), des Verbandes Deutscher Sicherheits ingenieure (Dr. Arno Weber)Redaktion: Karl-Friedrich Ernst (verantw. für Hrsg.), Sabine Wolf (verantw. für Verlag), Elly Lämmlen Gestaltung und Satz: Atelier Stepp, Speyer Titelfoto: iStock/AndrewJohnson Herstellung: Manfred Morlok Druck: Parzeller GmbH & Co. KG,Frankfurter Straße 8, 36043 Fulda Barrierefreie PDF-Datei: Karin Seitz BIH Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und HauptfürsorgestellenAlle Rechte vorbehalten. Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit E inverständnisdes Herausgebers unter Angabe der Quelle gestattet.Diese Publikation wird im Rahmen der Aufklärungsmaßnahmen der BIH Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen kostenlosherausgegeben. Sie ist nicht zur wirtschaftlichen Verwertung bestimmt, dasheißt, auch nicht zum Weiterverkauf.ISBN 978-3-89869-516-9Editorische NotizVerweise: In den Lexikonartikeln wird nicht auf alle Stichworte verwiesen, sondernnur auf Artikel, die im jeweiligen Kontext relevant sind.Schreibweise weiblich/männlich: Wir bitten um Verständnis, dass aus Gründender Lesbarkeit auf eine durchgängige Nennung der weiblichen und männlichenBezeichnungen verzichtet wurde. Selbstverständlich beziehen sich alle Texte ingleicher Weise auf Frauen und Männer.

ABC FachlexikonBeschäftigung schwerbehinderter Menschen

InhaltBehinderung und BerufPersonenkreisArbeitsmarktAufgaben des Integrationsamtes81014FachlexikonIndex20L eistungen für schwerbehinderte Menschen im BerufAnsprechpartner im ÜberblickLeistungen an ArbeitgeberLeistungen an schwerbehinderte atur und elektronische MedienInternet und KurseAnschriften der IntegrationsämterAbkürzungen488492494508

BEHINDERUNG UND BERUFBehinderung und BerufABC Behinderung & Beruf7

PERsoNENkREIsPersonenkreisIn Deutschland leben rund 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen. Damit ist jeder elfte Einwohner betroffen. So die Zahlen desStatistischen Bundesamtes, basierend auf dem Mikrozensus von2017. Als schwerbehindert gilt, wer einen Grad der Behinderungvon 50 und mehr hat oder von der Bundesagentur für Arbeit einemschwerbehinderten Menschen gleichgestellt wurde.Die Zahl der schwerbehinderten Menschen wird nach Einschätzung von Fachleuten weiter steigen. Grund ist die demografischeEntwicklung. Denn in den kommenden Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge in die Altersgruppe der 55- bis 65-Jährigeneintreten. Dort ist altersbedingt der Anteil schwerbehinderter Menschen hoch. Das Ergebnis werden deutlich mehr schwerbehinderteMenschen im erwerbsfähigen Alter sein.BehinderungenDas Bild von einem behinderten Menschen als Rollstuhlfahrer ist einKlischee, denn die am häufigsten vorkommende Behinderung ist mit25 Prozent eine Funktionsbeeinträchtigung der inneren Organe. Darüber hinaus ist bei 12 Prozent der schwerbehinderten Menschen dieFunktion der Gliedmaßen beeinträchtigt und bei weiteren 11 P rozentSchwerbehinderten Menschen49%51%MännerFrauenGeschlechtAnteile, Stand: 31.12.201722%78%55-Jährige undÄltereUnter 55-JährigeAlterDatenquelle: Statistisches Bundesamt8ABC Behinderung & Beruf

PERsoNENkREIsliegt eine Einschränkung der Wirbelsäule und des Rumpfes vor. Insgesamt machen die körperlichen Behinderungen mit rund 59 Prozentden überwiegenden Teil der Behinderungen aus. Der Anteil der blinden und sehbehinderten Menschen beträgt 5 Prozent, der Anteil vonMenschen mit einer Sprach-, Hör- oder Gleichgewichtsschädigung4 Prozent. Von einer geistigen oder seelischen Behinderung sind ungefähr 13 Prozent der schwerbehinderten Menschen betroffen und bei9 Prozent sind zerebrale Störungen, also Störungen des Zentralnervensystems, die Ursache für eine Behinderung.Alter und UrsachenDie Zuordnung der schwerbehinderten Menschen nach Altersgruppen zeigt, dass Behinderungen vor allem bei älteren Menschen auftreten: So sind 3 Viertel der schwerbehinderten Menschen älter als55 Jahre. Mehr als die Hälfte der schwerbehinderten Menschen istüber 65 Jahre alt. Dagegen fällt der Anteil der unter 18-Jährigen mitrund 2 Prozent gering aus. Die große Zahl der älteren Menschen mitBehinderungen ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die meisten Schwerbehinderungen – 88 Prozent – durch eine Krankheit verursacht werden. Nur bei wenigen – rund 3 Prozent – ist die Behinderung hingegen angeboren oder trat im ersten Lebensjahr auf. Beinur 1 Prozent ist die Schwerbehinderung Folge eines Unfalls odereiner Berufskrankheit.13%19%9% 59%BehinderungsartABC Behinderung & BerufKörperlicheBehinderungSonstigeGeistige oderseelischeBehinderungZerebrale Störung12%88%Ursache derBehinderungKrankheitAndereUrsachen(z.B. Unfall,angeboren)9

ARBEItsmARktArbeitsmarktEine wichtige Aufgabe der Integrationsämter ist, Betriebe undDienststellen bei der Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzenfür schwerbehinderte Menschen zu unterstützen. Hierfür stehteine breite Palette an Hilfen finanzieller, technischer wie auchpersonaler Art zur Verfügung. Zudem werden Arbeitgeber undschwerbehinderte Menschen im Betrieb durch das betrieblicheIntegrationsteam unterstützt. Es besteht aus der Schwerbehindertenvertretung, dem Betriebs- oder Personalrat und dem Inklusionsbeauftragten des Arbeitgebers. Für das Integrationsamt ist das betriebliche Integrationsteam ein wichtiges Bindeglied zum Betrieboder zur Dienststelle.Erwerbsbeteiligung2017 waren 3,3 Millionen schwerbehinderten Menschen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 65 Jahre). Angaben zur Erwerbsbeteiligung liegen aktuell nur für das Jahr 2013 vor. In diesem Jahr betrugdie Erwerbsquote der schwerbehinderten Menschen im erwerbsfähigen Alter 45,1 Prozent. Diese Quote hat sich zwar in den letztenJahren erhöht, sie bleibt aber weiterhin deutlich geringer als die allgemeine Erwerbsquote (2013: 77,4 Prozent). Damit gehören rund1,5 Millionen schwerbehinderte Menschen nach dem Sozialgesetzbuch IX zur Zielgruppe der Integrationsämter. Von ihnen waren imJahr 2016 rund 1,05 Millionen auf dem allgemeinen Arbeitsmarktbeschäftigt.BeschäftigungsquoteNach dem Sozialgesetzbuch IX müssen private und öffentlich-rechtliche Arbeitgeber, die im Jahresdurchschnitt monatlich über mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, wenigstens 5 Prozent ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Arbeitnehmern besetzen, andernfalls ist eine Ausgleichsabgabe zu zahlen. Für kleinere Betriebeund Dienststellen bestehen Sonderregelungen.10ABC Behinderung & Beruf

ARBEItsmARktSeit Jahren ist die Beschäftigungsquote stabil. 2016 lag sie bei 4,7Prozent. Während öffentliche Arbeitgeber ihrer Beschäftigungspflicht im Jahr 2016 in vollem Umfang nachkamen und 6,6 Prozentihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzten, betrug die Beschäftigungsquote bei privaten Arbeitgebern 4,1 Prozent.BeschäftigungsfelderMit 252.000 Arbeitsplätzen – einem Viertel aller angezeigten Beschäftigungsverhältnisse – ist der öffentliche Dienst inzwischen derbedeutendste Arbeitgeber für schwerbehinderte Menschen. Dichtgefolgt vom verarbeitenden Gewerbe mit fast gleicher Zahl an Arbeitsplätzen. Im Gesundheits- und Sozialwesen arbeitet jeder achteschwerbehinderte Beschäftigte.Schulische BildungMit einem Anteil von 46 Prozent war 2013 der Hauptschulabschlussder häufigste Schulabschluss von Menschen mit Behinderungen.Dies ist dem Teilhabebericht der Bundesregierung von 2016 zu entnehmen. Bei den nicht behinderten Befragten lag er bei 27 Prozent.Den Realschulabschluss konnten 26 Prozent der behinderten Menschen vorweisen, gegenüber 36 Prozent der nicht behinderten Personen. Das Abitur oder eine Fachhochschulreife erreichten 19 Prozentder behinderten Befragten, bei den nicht behinderten Menschenwaren es mehr als doppelt so viele Personen (41 Prozent). Rund 8Prozent der behinderten Menschen verfügten (noch) über keinenSchulabschluss, bei den nicht behinderten waren es 2 Prozent.AusbildungJunge Menschen mit Behinderungen haben es nach wie vor schwer,einen geeigneten betrieblichen Ausbildungsplatz zu finden. Zum einen, weil die Anforderungen an Auszubildende und Beschäftigte inden vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen sind, zum anderen, weil behinderte Jugendliche während ihrer Ausbildung häufigauf intensive Unterstützung angewiesen sind.ABC Behinderung & Beruf11

ARBEItsmARktWie viele Menschen mit Behinderungen Verträge in staatlich anerkannten Ausbildungsberufen abschließen, wird nicht erfasst.Bekannt ist hingegen, dass 2016 insgesamt 8.700 neue Ausbildungsverträge nach besonderen Regelungen für Menschen mit Behinderungen abgeschlossen wurden. Diese sogenannten Fachpraktiker-Ausbildungen nach dem Berufsbildungsgesetz (§ 66) und derHandwerksordnung (§ 42m) richten sich an Menschen, die wegenArt und Schwere ihrer Behinderung keine anerkannte Berufsausbildung absolvieren können.In Betrieben und Dienststellen hat die Zahl der schwerbehindertenAuszubildenden in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen.Im Jahr 2016 wurden dort laut Bundesagentur für Arbeit 7.200schwerbehinderte oder gleichgestellte Menschen ausgebildet.Weitere 38.000 Menschen mit Behinderungen besuchten 2016 imRahmen der beruflichen Ersteingliederung eine berufsförderndeMaßnahme mit dem Ziel eines Berufsabschlusses und 13.000 befanden sich in berufsvorbereitenden Maßnahmen. Dies geht ausdem Berufsbildungsbericht 2017 hervor. Im Eingangsverfahren undBerufsbildungsbereich einer Werkstatt für behinderte Menschen(WfbM) wurden 2016 insgesamt 23.000 Personen gefördert.Entwicklung der ArbeitslosigkeitWenn schwerbehinderte Menschen arbeitslos werden, haben siees aufgrund ihrer Behinderung deutlich schwerer als ihre nicht behinderten Kollegen, wieder eine Arbeit zu finden. Häufig sind siewesentlich älter als die nicht behinderten Arbeitslosen, was ihreChancen auf Wiedereingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarktzusätzlich verschlechtert.In den vergangenen Jahren hat sich der Arbeitsmarkt positiv entwickelt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren 2017insgesamt 2,53 Millionen Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosigkeit12ABC Behinderung & Beruf

ARBEItsmARktschwerbehinderter Menschen ist 2017 um 5 Prozent gegenüber2016 zurückgegangen. Die Zahl der schwerbehinderten Arbeitslosen betrug rund 162.000, ihr Anteil an allen Arbeitslosen lag 2017bei 6,4 Prozent.Im mehrjährigen Vergleich zeigt sich folgendes Bild: Die Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen veränderte sich seit 2008nur wenig und lag 2017 um 2 Prozent unter dem Niveau des Jahres2008. Bei nicht schwerbehinderten Menschen ist allerdings im gleichen Zeitraum ein Minus von fast einem Viertel zu verzeichnen. Dieungünstigere Entwicklung der Arbeitslosigkeit schwerbehinderterMenschen wird vor allem durch die starke Zunahme bei den älterenArbeitslosen geprägt, was insbesondere auf Sonderregelungen fürÄltere zurückzuführen ist.LangzeitarbeitslosigkeitDer Wiedereintritt in den allgemeinen Arbeitsmarkt fällt schwerbehinderten Menschen schwerer als Arbeitslosen ohne Schwerbehinderung – obwohl sie im Durchschnitt etwas höher qualifiziert sind.60 Prozent haben einen Studien- oder Berufsabschluss, im Vergleichzu 51 Prozent der Arbeitslosen ohne Schwerbehinderung. In der Folge sind schwerbehinderte Menschen deutlich länger arbeitslos. ImJahr 2017 waren sie durchschnittlich 86 Wochen ohne Arbeit, Menschen ohne Schwerbehinderung 69 Wochen.ABC Behinderung & Beruf13

AUFGABEN DEs INtEGRAtIoNsAmtEsAufgaben des IntegrationsamtesDie Integrationsämter haben wesentliche Aufgaben bei der Eingliederung schwerbehinderter Menschen in das Arbeitsleben. Dabeisind sie gleichermaßen für behinderte Menschen wie auch für Arbeitgeber tätig. Ihre Aufgaben nach dem Schwerbehindertenrecht(Teil 3 SGB IX) umfassen: Leistungen an schwerbehinderte Menschen und ihre Arbeitgeber(die sogenannte „Begleitende Hilfe im Arbeitsleben“) besonderer Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen Kurse und Öffentlichkeitsarbeit Erhebung und Verwendung der AusgleichsabgabeAusgleichsabgabeArbeitgeber müssen jährlich eine Ausgleichsabgabe an das Integrationsamt abführen, wenn die entsprechende Anzahl an zu beschäftigenden schwerbehinderten Menschen nicht erreicht wurde. DieseEinnahmen beliefen sich für das Jahr 2017 auf rund 643 MillionenEuro. Davon wurden 20 Prozent direkt an den Ausgleichsfonds beimBundesministerium für Arbeit und Soziales abgeführt. Somit verblieben 2017 rund 516 Millionen Euro bei den Integrationsämtern.Diese Mittel sind zweckgebunden und dürfen nur zur Inklusionschwerbehinderter Menschen in das Arbeitsleben verwendet werden. Das heißt, die Mittel fließen zu einem erheblichen Teil direktin die Betriebe zurück – als Begleitende Hilfe im Arbeitsleben sowiedurch Bildungs- und Informationsangebote.Begleitende Hilfe im ArbeitslebenDie Durchführung der Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben ist eineder Hauptaufgaben der Integrationsämter nach dem Sozialgesetzbuch IX. Sie umfasst Maßnahmen und Leistungen, die erforderlichsind, damit schwerbehinderte Menschen am Arbeitsleben teilhaben können. Leistungen an Arbeitgeber haben alle das Ziel, Betriebein die Lage zu versetzen, behinderten Menschen die gleichen Chan14ABC Behinderung & Beruf

Aufgaben DEs INtEGRAtIoNsAmtEscen auf eine Beschäftigung zu bieten. Hier spielt die Beratung durchFachkräfte der Integrationsämter in allen Fragen, die die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen betreffen, eine große Rolle.Finanzielle Hilfen dienen beispielsweise dazu, Arbeitsplätze behinderungsgerecht auszustatten oder neue Arbeitsplätze zu schaffen.Häufig sind schwerbehinderte Menschen in ihrer körperlichen,geistigen oder seelischen Leistungsfähigkeit überhaupt nicht eingeschränkt, wenn ihr Arbeitsplatz behinderungsgerecht ausgestattet ist. Und wenn es Schwierigkeiten am Arbeitsplatz gibt, wie zumBeispiel häufigeres Kranksein, kann dies ein Hinweis sein, dass derArbeitsplatz nicht der Behinderung angepasst ist. Auch außergewöhnliche Belastungen bei der Beschäftigung beruflich besondersbetroffener schwerbehinderter Menschen können durch die Begleitende Hilfe im Arbeitsleben ausgeglichen werden.Schwerbehinderte Menschen erhalten persönliche und finanzielleHilfen. Dazu gehört die Beratung in allen Fragen, die das Arbeitsleben, den Arbeitsplatz oder die Schwerbehinderung betreffen. Beider Lösung von Konflikten werden sie von Fachleuten unterstützt.Außerdem haben schwerbehinderte Menschen, die zur Ausübungeiner Berufstätigkeit eine persönliche Arbeitshilfe benötigen, Anspruch auf eine notwendige Arbeitsassistenz. Die Kosten hierfürübernimmt das Integrationsamt.Doch finanzielle Förderung allein reicht oft nicht aus, um die Chancen von behinderten Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarktzu erhöhen. Zur Durchführung ihrer gesetzlichen Aufgaben gegenüber schwerbehinderten Menschen und ihren Arbeitgebern habendie Integrationsämter daher Integrationsfachdienste eingerichtet.Sie bereiten schwerbehinderte Menschen im Auftrag der Integrationsämter auf die vorgesehenen Arbeitsplätze vor, begleiten sie amkonkreten Arbeitsplatz und beraten Arbeitgeber in psychosozialenFragen. Insbesondere Menschen mit seelischen oder geistigen Behinderungen sowie Menschen mit schweren Körper-, Sinnes- oderABC Behinderung & Beruf15

AUFGABEN DEs INtEGRAtIoNsAmtEsMehrfachbehinderungen gehören zur Zielgruppe der Integrationsfachdienste. Auch Beschäftigte von Werkstätten für behinderteMenschen und Schulabgänger mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die den Sprung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wagenund dabei auf arbeitsbegleitende Hilfen angewiesen sind, könnenvon den Integrationsfachdiensten individuell betreut werden.Besonderer KündigungsschutzWill ein Arbeitgeber einem schwerbehinderten oder gleichgestellten Menschen kündigen, benötigt er zuvor die Zustimmung desIntegrationsamtes. Eine ohne vorherige Zustimmung des Integrationsamtes ausgesprochene Kündigung ist unwirksam. So sieht esder besondere Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschenvor. In diesem Verfahren werden alle Möglichkeiten geprüft, ob undgegebenenfalls wie der schwerbehinderte Mensch weiterbeschäftigt werden kann.Das Integrationsamt ist bestrebt, den Arbeitsplatz nach Möglichkeitzu erhalten. Bei der Prüfung des Sachverhalts werden immer die Interessen der schwerbehinderten Menschen und des Arbeitgebers abgewogen. Ein unzumutbares Festhalten am Arbeitsplatz gibt es nicht.Das Integrationsamt bemüht sich in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber um Lösungen, die für die Unternehmen wirtschaftlichtragbar sind und organisatorische Belastungen vermeiden. Ansatzpunkte sind medizinische, technische und arbeitsorganisatorischeMaßnahmen. Hierzu gehört zum Beispiel, mit Unterstützung derIntegrationsfachdienste die Ursachen der Gefährdung des Arbeitsplatzes zu beseitigen und Lösungsvorschläge zu entwickeln.Kurse und InformationsangeboteDas betriebliche Integrationsteam kann seinen Aufgaben nur gerecht werden, wenn es die nötigen Fachkenntnisse besitzt. Daher istes ausgesprochen wichtig, dass das Integrationsteam die Bildungsund Informationsangebote der Integrationsämter nutzt.16ABC Behinderung & Beruf

AUFGABEN DEs INtEGRAtIoNsAmtEsDie Kurse richten sich vor allem an das betriebliche Integrationsteam – das heißt die Schwerbehindertenvertretung, den Betriebsoder Personalrat und den Inklusionsbeauftragten des Arbeitgebers.Auch für andere, die mit der beruflichen Teilhabe schwerbehinderter Menschen befasst sind, wie etwa Personalverantwortliche,Werksärzte, einzelne Schwerbehindertengruppen, Wirtschaftsorganisationen oder Arbeitgeberverbände werden Veranstaltungenangeboten.Die Integrationsämter bieten ein dreistufiges, aufeinander abgestimmtes Kursprogramm an. Neu gewählten Schwerbehindertenvertretungen ist ein Grundkurs zu empfehlen, der in die praktischeArbeit einführt. Sind die ersten Praxiserfahrungen gesammelt, erweitert ein Aufbaukurs den vorhandenen Kenntnisstand und vermittelt Sicherheit in der Ausübung der Aufgaben. Neben Grundund Aufbaukursen bieten die Integrationsämter ein- und mehrtägige Informationsveranstaltungen zu bestimmten Schwerpunkten.Das umfangreiche Angebot der Integrationsämter an Schriften,elektronischen Medien und im Internet ist ab Seite 488 beschrieben.Die BIH In der BIH Bundesarbeitsgemeinschaft haben sich die17 deutschen Integrationsämter und Hauptfürsorgestellenzusammengeschlossen. Dort stimmen sie ihre Verwaltungspraxis untereinander ab und beraten über aktuelle Fragenzur Teilhabe schwerbehinderter Menschen. Umfassende Informationen für schwerbehinderte Beschäftigte, Arbeitgeber und das betriebliche Integrationsteam bieten sie imInternet unter: www.integrationsaemter.deABC Behinderung & Beruf17

FACHLEXIkoNFachlexikonABC Behinderung & Beruf19

g32Agentur für Arbeit33Akkord35Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)36Altersrente37Altersteilzeit40Andere iden (Epilepsie)44Anforderungsprofil46 ProfilmethodeAnhaltspunkte für die ärztlicheGutachtertätigkeit46   VersorgungsmedizinVerordnung (VersMedV)Arbeit 4.046 Industrie sgericht54Arbeitshilfen55 Technische nisArbeitsvermittlungArbeitsvertrag fhebungsvertragAufstockungsverbotAusbildung Berufsausbildung 77880818182848585868788ABC Behinderung & Beruf

INDEXAusgleichsabgabeverordnung92   V)Ausgleichsfonds93Auskunftspflicht93   Offenbarung der SchwerbehinderungAusländische icheBelastungen95Außergewöhnliche Geh behinderung97 Mobilität g97Aussetzung einer Entscheidung/eines Beschlusses102Ausweis103 SchwerbehindertenausweisAusweismerkzeichen103 SchwerbehindertenausweisAusweisverordnung103 SchwerbehindertenausweisAutismus103BBarrierefreies BauenBarrierefreiheitABC Behinderung & Beruf105106Beauftragter des Arbeitgebers109 InklusionsbeauftragterBeendigung des ter111Befristetes Arbeitsverhältnis113 ArbeitsverhältnisBegleitende Hilfe imArbeitsleben113Begleitung, Notwendigkeitständiger116 SchwerbehindertenausweisBehinderte Frauen117 Frauen, r Vereinten Nationen120   Übereinkommen der VereintenNationen über die Rechte vonMenschen mit Behinderungsarten125 Anfallsleiden (Epilepsie) Autismus   Blindheit und Sehbehinderungen   Chronische und innereErkrankungen21

INDEX Geistige Behinderung Hörschädigungen Lernbehinderung   Schädigungen der Gliedmaßen   Schädigungen des Skelettsystems   Schädigungen des Zentralnervensystems Seelische Behinderungen SuchtkrankheitenBeirat für die Teilhabe behinderter erbot126Beratende Ingenieure128 Technischer BeratungsdienstBeratender Ausschuss für behinderte Menschen128Bergmannsversorgungsschein128Berufliche Ersteingliede- rung129Berufliche Weiterbildung130Berufliche Wiedereingliederung131Berufliches Fortkommen132Berufliches begleitung137 Unterstützte Beschäftigung schwerbehinderter Menschen im ö ffentlichenDienst145Beschäftigung, igungssicherungszuschuss150Betreuungsaufwand, besonderer153 Außergewöhnliche BelastungenBetrieb153Betriebliche Altersver- sorgung155Betriebliches Eingliederungsmanagement156   ilung,geschützte156 bsübergang166ABC Behinderung & Beruf

etz (BetrVG)168Bewerbung169Bezirkspersonalrat171 indenwerkstatt172Blindheit und Sehbehinderungen172Budget für Arbeit176Bundesagentur für Arbeit 177 Agentur für ArbeitBundessozialhilfegesetz(BSHG)177 SGB sanstaltfür Angestellte (BfA)178 Deutsche 178CChronische und innere ErkrankungenABC Behinderung & Beruf178DDeutsche Rentenversicherung183   Rentenversicherung, gesetzlicheDeutsche RentenversicherungBund183Deutsche vereinbarung185Direktionsrecht187EEingliederung behinderter Menschen188 Eingliederungszuschüsse   Einstellung eines schwerbehinderten Menschen Teilhabe   Wiedereingliederung, 4Einkommen- undLohnsteuer194 NachteilsausgleicheEinrichtungen für behinderteMenschen194 RehabilitationseinrichtungenEinstellung eines schwerbehinderten Menschen19423

INDEXEntgelt196 g197 VerdienstsicherungEntlassung197 Außerordentliche Kündigung Kündigung MassenentlassungenEpilepsie197 AnfallsleidenErgonomie198Erkrankungen199   Chronische und innere Erkrankungen Existenzgründung203   Selbstständigkeit, wirtschaftlicheFFachdienste der Integrationsämter203Fachkraft für Arbeitssicherheit204Fachpraktiker206 BerufsausbildungFachstelle für behinderte Menschen im Beruf206Feststellungsbescheid des Versorgungsamtes207 Schwerbehinderung24Finanzielle Leistungen207   Leistungen für behinderteMenschen im BerufFrauen, behinderte207Freifahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln210 Reisen SchwerbehindertenausweisFreistellung210Fristlose Kündigung211 Außerordentliche Kündigung KündigungFührerschein211 NachteilsausgleicheFürsorgeerlass211   Beschäftigung schwerbehinderter Menschen im öffentlichen DienstFürsorgepflicht211Fürsorgestelle212   Fachstelle für behinderteMenschen im e214Gebührenbefreiung216 hinderung220 Körperbehinderungen Reisen SchwerbehindertenausweisABC Behinderung & Beruf

INDEXGeistige Behinderung220Gerichtskostenbefreiung223 NachteilsausgleicheGesamtbetriebsrat224 BetriebsratGesamtpersonalrat224 erkschaften225Gleichstellung226Grad der Behinderung(GdB)227 SchwerbehinderungGrad der Schädigungsfolgen(GdS)227Gütliche t229 arbeit231Hilflosigkeit231 trie beABC Behinderung & Beruf236239241243Inklusionsteam amtIntegrationsfachdienstIntegrationsprojekte inbarung kation258   Blindheit und Sehbehinderungen Gebärdensprachdolmetscher Gebärdensprache Hörschädigungen NachteilsausgleicheKonzernbetriebsrat258 rperbehinderungen259   Schädigungen der Gliedmaßen   Schädigungen des Skelettsystems   Schädigungen des Zentralnervensystems25

haltung NachteilsausgleicheKrankengeldKrankenversicherung, 282   Deutsche RentenversicherungRegionalLeichte Sprache283Leistungen für behinderte Menschen im Beruf284   Begleitende Hilfe im Arbeitsleben TeilhabeLeistungen zur Teilhabe amArbeitsleben284Leistungsanbieter, andere 286 Andere LeistungsanbieterLeitende 90 EntgeltfortzahlungLohnkostenzuschuss290   Außergewöhnliche Belastungen Budget für Arbeit Eingliederungszuschüsse   ng293Mehrfachbehinderung294 BehinderungMeldung freier Stellen294 DienststelleMinderleistung294   Außergewöhnliche BelastungenMinderung der itbestimmung297Mitwirkungsrechte297 Betriebsrat Personalrat SchwerbehindertenvertretungMobbing298Mobilität299 Kraftfahrzeughilfen ReisenABC Behinderung & Beruf

INDEXPsychosoziale Dienste327   Fachdienste der Integrationsämter Integrationsfachdienst Umzugskosten WohnungshilfenNNachteilsausgleiche299OOffenbarung der Schwerbehinderung308Optionskommune309Ordentliche Kündigung309 KündigungOrganisation der behindertenMenschen309 BehindertenverbändePParken NachteilsausgleichePeer sonelle Unterstützung   Außergewöhnliche BelastungenPersönliches 17319322323325325QQualifizierung327 Berufliche Weiterbildung Berufliches Fortkommen enten Altersrente Berufsunfähigkeit Erwerbsminderung Erwerbsunfähigkeit   esetzlicheRundfunkgebührenbefreiung hlag AusgleichsabgabeABC Behinderung & Beruf32833034027

INDEXSchädigungen derGliedmaßen340Schädigungen des Skelettsystems342Schädigungen des bG)358Schwerbehindertenrecht(Teil 3 SGB IX)358 SGB IXSchwerbehindertenversammlung358   Versammlung schwerbehinderter erung366Seelische Behinderungen367Selbstbestimmung370 Teilhabe Wunsch- und WahlrechtSelbsthilfeorganisationen 370 iche370Seminare und Öffentlichkeitsarbeit37128SGB IX (Rehabilitation un

Behinderung & Beruf PERsoNENkREIs Personenkreis In Deutschland leben rund 7,8 Millionen schwerbehinderte Men-schen. Damit ist jeder elfte Einwohner betroffen. So die Zahlen des . Statistischen Bundesamtes, basierend auf dem Mikrozensus von 2017.Als schwerbehind