Transcription

Ausgabe5/2019Kunden aus der Ladenausstattung setzen beim Thermoformen undSchäumen auf die Klaus Kunststofftechnik. Inhaber Walter Klaus:„Die Qualität muss 100 % stimmen“Weiter im Heft: Wie Epsotech mit StandardkunststoffenPremiumprodukte thermoformt. Wie das Compoundingprofitabler wird. Wie sich die Moulding Expo präsentiert.Wie sich Silikonelastomere den Weg bahnen. Und wie KrugKunststofftechnik Spritzgießprozesse transparent macht.

‹MESSEN & EVENTSAusgabe 5/2019Hitzebeständig,kalt vernetzbar, temperfreiSKZ-Fachtagung betrachtete aktuelle Herausforderungen für SilikonelastomereMengenmäßig sind Silikonelastomere mit jährlich rund 870.000 t und ca. 3 % Anteilam weltweiten Kautschukverbrauch eher eine Nische, ihren Fähigkeiten nach aberan der Spitze der Leistungspyramide angesiedelt. In Produktsegmenten wie Medizin,Automobil, E E oder Optik finden sie sehr weit gefächerte Einsatzmöglichkeiten. DasInteresse an dem vielseitigen Material ist entsprechend groß, wie die SKZ-Fachtagung„Silikonelastomere“ Ende März in Würzburg mit einem erneuten Teilnehmerrekordbelegte. Schwerpunkte waren u. a. neue Entwicklungen, wie „Low volatile“-LSR,Verbesserungen bei Druckverformungsrest und Hitzestabilität sowie die Vernetzungbei niedrigen Temperaturen, aber auch Herausforderungen wie die Elektromobilitätoder die Orientierung im Regulierungsdschungel.Text: Dipl.-Chem. Toralf Gabler, Redakteur K-PROFIAlle Fotos: K-PROFI26Menge verbraucht. In einigen Eigenschaften, wie Reißdehnung und Reißfestigkeitschneidet HCR besser als LSR ab, wie Dr.Christian Anger von Wacker zeigte. Eineperoxidische Vernetzung von Festsilikonist dagegen deutlich langsamer als die Platinvernetzung von Flüssigsilikon. Mit platinkatalysierter Additionsvernetzung könne HCR in der Performance zwar zulegen,aufgrund der schnelleren Formfüllung undimmer noch schnelleren Vernetzung lägendie Zykluszeiten beim LSR-Spritzgießenaber trotzdem unter denen mit HCR. Einenklaren Vorteil für Flüssigsilikon sieht Angerbeim Druckverformungsrest (DVR): „Hierist LSR unschlagbar, was das Material fürDichtungsanwendungen prädestiniert.“Aber nur in der Spritzgießfertigung, dennextrudieren lässt sich das dünnflüssigeMaterial im Gegensatz zu Festsilikon nicht.Maßgeschneiderte Eigenschaftendurch CompoundierungMit 175 Teilnehmern verbuchte die Silikontagung in Würzburg erneut einen Teilenehmerrekord.Ein weiterer wesentlicher Pluspunkt vonFestsilikon ist die Möglichkeit, diesemdurch Compoundierung für bestimmte Anwendungen maßgeschneiderte Eigenschaften zu verleihen. Dr. Hans Winkelbach, Ge-Als Dr. Udo Wachtler von Wacker im Jahr2009 erstmals die Leitung der Silikontagungübernahm, kamen 90 Teilnehmer auf dieMarienfestung nach Würzburg. Zehn Jahre bzw. fünf Tagungen später hat sich dasInteresse mit dem Rekord von 175 Teilnehmern nahezu verdoppelt. „Ein sehr angenehmer Anblick von hier vorn“, freute sichder Tagungsleiter, und mehrere Referenten bekannten, zum ersten Mal vor einem sogroßen Auditorium zu sprechen. Der Erfolgliegt sicher nicht nur in der wachsenden Bedeutung der Silikonelastomere begründet,sondern auch in dem vielfältigen und interessanten Vortragsprogramm, welches dasTeam rund um Wachtler alle zwei Jahre zusammenstellt. So spannte sich auch heuerein breiter Themenbogen von verbessertenWerkstoffeigenschaften über Neuheiten inSeit zehn Jahren führt Dr. Udo Wachtler durch dieSKZ-Tagung „Silikonelastomere“ in Würzburg.der Verarbeitungstechnik bis hin zu Erfahrungen aus der Praxis von Silikonverarbeitern. Dass letztere in gut einem Drittel derVorträge zu Wort kamen, gehört hier zur gelebten Tradition und hebt sich positiv vonmanch anderen Fachveranstaltungen ab.Flüssig oder fest?Auf Messen und in der medialen Wahrnehmung scheint Flüssigsilikon (LSR) dasFestsilikon (HCR) zuweilen zu verdrängen, lässt sich LSR doch einfacher verarbeiten und bietet durch seine möglichehohe Transparenz großes Potenzial für optische Anwendungen, insbesondere in derboomenden LED-Technik. Doch auch HCRhat seine Vorzüge, und mit 580.000 t wirdim Vergleich zu LSR weltweit die doppelte

MESSEN & EVENTS ‹Ausgabe 5/2019schäftsführer des Elastomer-CompoundeursRado Gummi in Radevormwald, stellte anschaulich den umfangreichen Stoffbaukasten vor, mit dem Rado bspw. temperfreie,hitzestabile und hochweiterreißfeste Silikonkautschuk-Mischungen zum Spritzgießen oder Extrudieren sowie Farbmasterbatche herstellt. Zum Einsatz kommt dabeiauch Fluorsilikonkautschuk. Dieser kombiniert nicht nur die guten Hoch- und Tieftemperatureigenschaften von Silikon mitguter Kraftstoff- und Ölbeständigkeit, sondern bringt einen niedrigen Druckverformungsrest mit, der mit dem von LSR vergleichbar ist. Im Produktportfolio hat Radozudem Silikoncompounds, die nach denverschiedensten Regularien für den Einsatzmit Lebensmittel- oder Trinkwasserkontaktsowie für Anwendungen in den BereichenPharma oder Medizin geeignet sind. Hinzu kommen nach einer Vielzahl von Normenflammgeschützte Mischungen.konkautschuk enthält bereits den Hitzestabilisator und ist für das Spritzgießen undFormpressen konzipiert.Weitere wichtige Eigenschaften sind für viele Anwendungen Flammschutz und Wärmeleitfähigkeit. Hierfür hat Evonik unter denMarken Tegosil HT (Heat Transfer) und Tegosil FR (Flame Retardant) entsprechende Co-Compounds entwickelt. Wärmeleitfähig ausgerüstetes Silikon bietet nicht nurVorteile für Anwendungen, in denen diese Eigenschaft explizit gefragt ist. KathrinLehmann zeigte, dass damit auch die Vul-27kanisationsgeschwindigkeit des normalerweise schlecht leitenden Materials deutlich heraufgesetzt werden kann, weil derWärmetransport von der beheizten Werkzeugoberfläche ins Materialinnere schnellervonstattengeht.Temperfrei durch „Low Volatile“„LSR hat sich von Festsilikon emanzipiert“,meinte Dr. Thomas Frese von Wacker undführte eine Reihe spezieller Produkttechnologien an, die das Unternehmen im BereichFlüssigsilikon realisiert hat, wie hohe Trans-WARP 100Wie komplex die Herausforderungen beider Rezeptierung solcher Mischungen sind,wurde beim Vortrag von Kathrin Lehmannvon der Sparte Interface & Performance vonEvonik Nutrition & Care deutlich. Die Entwicklungsleiterin stellte u. a. systematischeUntersuchungen zum Einfluss von Additiven der Reihe Tegosil Heatban auf die Verbesserung der Hitzealterung von HCR undLSR im Zusammenspiel mit unterschiedlichen Einfärbungen und verschiedenen Vernetzungssystemen vor. Verallgemeinert betrachtet, sorgen diese Additive dafür, dassvernetzte Silikonprodukte nach mehrtägiger Lagerung bei 250 C – im Vergleichzu Produkten ohne solche Additive – nochgute mechanische Eigenschaften liefern.Auch bei einer Lagerung bei 300 C sindnoch akzeptable mechanische Werte vorhanden, während Produkte ohne TegosilHeatban komplett zerstört werden.Hitzebeständig über lange ZeitIn Sachen Langzeithitzebeständigkeit warauch Wacker in den letzten Jahren verstärktaktiv. Zur Fakuma 2017 hatten die Münchner den extrudierbaren additionsvernetzenden Festsilikonkautschuk Elastosil R plus4350/55 vorgestellt. Mit je nach Anwendungdosierbaren Hitzestabilisatoren bietet er eine gute Temperaturstabilität bis 1.000 h beiüber 275 C, über mehrere Tage bis 300 Cund bei kurzzeitigen Belastungen sogar bis400 C. Wie Dr. Christian Anger ausführte,wird Wacker diesen Spezialtyp demnächstum eine neue Variante ergänzen. Dieser Sili-WARP 100/630100 % Wanddickenmessung für Rohre.Vorteile: 100 % Abdeckung der Rohroberfläche in Umfangsrichtung durch 38 überlappende Messflecken Messung durch das Rohr - Sensorseite und gegenüberliegende Seite100 % Abdeckung der Rohroberfläche in Längsrichtung mit einer Liniengeschwindigkeit von bis zu 60 m/minKeine Abhängigkeit von z. B. Temperaturschwankungen des Rohreswährend der ProduktionAusführliche Produktdatenerfassungwww.inoex.deiNOEX GmbH Maschweg 70 D-49324 Melle [email protected] www.inoex.de

‹28MESSEN & EVENTSAusgabe 5/2019Oliver Franssen stellte ein neues hitzebeständiges selbstschmierendes LSRzur Abdichtung von Steckverbindern vor.Anke van Stevendaal berichtete über die vielfältigen Möglichkeiten zum Einsatzvon Silikonelastomeren in der Medizintechnik.parenz, nicht selbstheilendes Material, sehr niedriger LangzeitDruckverformungsrest, Gleitreibungsoptimierung sowie Dampf- undhohe Hitzebeständigkeit. Über 200 Produkte im Härtebereich vonShore 3 bis 90 A umfasst das LSR-Portfolio im Hause Wacker.bracht hatte, ist das Unternehmen jetzt einen Schritt weitergegangen. Durch eine bessere Entflüchtigung der Rohstoffe wurde derGehalt an Dx-Siloxanen im gesamten europäischen LSR-Portfoliodeutlich reduziert. „Damit erfüllen auch ungetemperte Produkteaus unseren LSR-Standardtypen bereits eine Vielzahl von Regularien, wie bspw. die Toyota-Norm, die einen maximalen Gehalt an D4bis D8-Siloxanen von kumuliert 350 ppm zulässt“, betonte Frese.Eine deutlich wachsende Nachfrage verzeichnet Thomas Frese beiFlüssigsilikonen mit niedrigem Anteil an flüchtigen Bestandteilen, weil mit solchen „Low Volatile“-Typen Kundenanforderungenfür sensible Anwendungen insbesondere im Medizin- und BabyCare-Bereich oder bei Lebensmittelkontakt auch ohne nachträgliches Tempern erfüllt werden können. Neben dem geringerenProduktionsaufwand gewährleisten diese auch eine höhere Reproduzierbarkeit und damit Sicherheit, weil getemperte FormartikelSchwankungen beim Restgehalt an flüchtigen, extrahierbaren undmigrationsfähigen Substanzen unterliegen, wie Freese anhand vonUntersuchungen zeigte.Nachdem Wacker im Jahr 2017 mit Elastosil LR 5040 eine Flüssigsilikon-Reihe mit sehr niedrigem Flüchtigengehalt auf den Markt ge-Geringerer DVR bei höheren TemperaturenNicht erst Elektrofahrzeuge, sondern auch moderne Diesel undBenziner sind mit immer mehr Elektronik ausgerüstet. „Ein typischer Kabelbaum im Pkw kann auf 3.000 Meter Länge schon mal 200Steckverbinder haben, die zu rund der Hälfte mit Silikonelastomeren abgedichtet sind“, weiß Oliver Franssen von Momentive. ZumEinsatz kommen dabei selbstschmierende LSR-Typen, weil diese dieMontage der Bauteile erleichtern. Auch an solche Produkte steigendie Anforderungen ständig. „Höhere Einsatztemperaturen, Komplexität, Miniaturisierung sowie Hochvolt-Technik durch E-Mobilität“,#DESMATTERSwww.desmatters.bizWE APPRECIATEIT WHENYOU CALL USHIDDENCHAMPION.

MESSEN & EVENTS ‹Ausgabe 5/2019nannte Franssen als Beispiele. Hinzu komme, dass bspw. beim autonomen Fahren die Zuverlässigkeit elektronischer Komponenten lebenswichtig sei. An Materialien für Steckerdichtungen der nächsten Generation stellt Franssen daher hohe Erwartungen hinsichtlichihrer Leistungsfähigkeit.Der Zielwert für den Druckverformungsrest von 40 % oder wenigermüsse bei Temperaturen von 175 C und höher sowie über 1.000 stattwie bislang 24 oder 168 Stunden erhalten bleiben und der dauerhafte Erhalt der Dichtkraft durch Druckspannungsrelaxations-Messungen (CSR) belegt werden. Eine längere Hitzealterung bei 180 Csowie Temperaturspitzen von 200 bis 220 C sollten zu keinennennenswerten Eigenschaftsverlusten führen. Dies solle ohne zusätzliche Additive für die Hitzebeständigkeit sowie abrasive Füllstoffe erreicht werden. Darüber hinaus müsse das Material problemlos einfärbbar und temperfrei sein.Um ein solches Flüssigsilikon zu entwickeln, hat Momentive nachden Worten von Oliver Franssen sämtliche Einflüsse vom Polymerund seinem Herstellprozess über die Vernetzung bis zu Additivenund Füllstoffen berücksichtigt. „Herausgekommen ist mit SiloprenLSR 3366/50 unser hitzebeständigstes selbstschmierendes LSR“, soFranssen. „Erste Kundenvalidierungen haben bereits zu positivenRückmeldungen geführt.“www.enesty.orgWerkzeug,das passtWir kombinieren Know-How aus additiverFertigung, Werkzeugbau und Temperierungzu besten wirtschaftlichen Lösungen imBereich Spritzgießwerkzeuge.Vernetzung bei niedrigen TemperaturenLow Temperature Cure (LTC) LSR-Typen, die bereits bei Temperaturen von 100 bis 110 C vernetzen, werden gern für 2K-Anwendungenmit temperaturempfindlichen Komponenten sowie das Umspritzenmedizinischer Wirkstoffe oder elektronischer Bauteile eingesetzt.Dr. Patrick Beyer von Dow Silicones zeigte einige weitere interessante Anwendungsmöglichkeiten.So kann LTC-LSR auch zur deutlichen Verringerung der Heizzeitvon dickwandigen Silikonprodukten eingesetzt werden. Wegender schlechten Wärmeleitfähigkeit von Silikon herrscht in solchen Bauteilen ein großer Temperaturgradient zwischen der Außenwand und dem Inneren. Bei Standard-LSR dauert es daherje nach Wanddicke und Heiztemperatur relativ lang, bis im Kerndie Temperatur erreicht ist, bei der die Vernetzung anspringt undausreichend schnell abläuft. „Beim Einsatz von LTC-LSR liegt diese Temperatur deutlich niedriger, so dass der Bauteilkern deutlich eher aktiviert wird“, erklärt Beyer und zeigte als Beispiel eine8 mm dicke Kabeldurchführung, bei der mit dem LSR Silastic LTC9402-50 aus dem Hause Dow Silicones die Heizzeit um rund 30 %verringert werden konnte.Mit dem LTC Acceleration Additiv von Dow kann die Vernetzungsgeschwindigkeit von LTC-LSR noch einmal deutlich verringert werden. Damit dadurch die Topfzeit des Materials nicht beeinträchtigt wird, werden die Additive erst kurz vor der Vernetzung überden Farbkanal zudosiert. Beyer zeigte, dass bei einer Heiztemperatur von 100 C schon 1 oder 3 % Additivzusatz zu einer Verkürzungder Heizzeit um 50 bzw. 75 % führen können. „Neben der Maximierung der Vernetzungsgeschwindigkeit über einen weiten Temperaturbereich und der Verringerung der Sensitivität der Vernetzung gegenüber Temperaturgradienten kann damit der Anwendungsbereichvon LTC-LSR zu noch niedrigeren Temperaturen von 80 bis 90 Gradverschoben werden“, resümierte Beyer.Besuchen Sie uns!Halle 5, Stand 5C51.3Technologie mit VerantwortungKUNSTSTOFF IN SEINERSCHÖNSTEN FORMSpritzguss bei toolcraftTOOLCRAFT – IHR PARTNER FÜRKOMPLETTLÖSUNGEN IM SPRITZGUSS Unübertroffene Designfreiheit Komplexeste Geometrien Anspruchsvolle Insert-Anwendungen VielseitigeMaterialauswahl (PEEK, PPSU, TPE, LCP, uvm.) InklusiveFormenbau Filigrane Klein- und Kleinstteile hochwertig veredelt Sauberraumlösungen Zertifizierung nach EN ISO 13485Mehr Details und Broschüre:www.toolcraft.de/spritzguss29

‹30MESSEN & EVENTSAusgabe 5/2019Werkzeugkonzepte und KaltkanaltechnikInteressantes gab es auch aus der Verarbeitungstechnik. SteffenRapp von Edegs Formenbau stellte die Möglichkeiten und Vorteile von Werkzeugkonzepten für Produktfamilien vor. Ziel ist dabei,zur Fertigung unterschiedlicher Silikonprodukte das gleiche Basiswerkzeug und Kaltkanalsystem zu verwenden, was zu erheblichenKosteneinsparungen und Folgeinvestitionen führt. Getauscht werden beim Produktwechsel lediglich die Kontureinsätze, im bestenFall gleich auf der Maschine, ohne dabei das Werkzeug aus- und wieder einbauen zu müssen. Selbst unterschiedliche Kavitätenzahlenlassen sich realisieren, wenn das Kaltkanalsystem über abschaltbareDüsen verfügt. Rapp berichtete, dass ein Kunde mit einem solchenausgeklügelten Konzept auf zwei kompatiblen Basiswerkzeugenrund 15 verschiedene Silikonprodukte fertigt. „Die Konturplattensind für einen Produktwechsel in lediglich 30 Minuten ausgewechselt“, hob einen der großen Vorteile hervor. Auch für 2K-Teile hatEdegs solche Werkzeugkonzepte schon vielfach realisiert. Zur 2KProduktion auf einer 1K-Maschine bietet der Werkzeugbauer aucheine separate LSR-Einspritzeinheit, die direkt an das Werkzeug adaptiert werden kann.Auf der Fakuma im vergangenen Jahr hatte sich der Heißkanalspezialist Ewikon erstmals auch mit einem Hochleistungs-Kaltkanalsystem für die LSR-Verarbeitung präsentiert. Dr.-Ing. StefanEimeke stellte die Coolshot-Technologie in Würzburg vor. „Ausgangspunkt für diese Neuentwicklung war die umfangreiche Erfahrung mit unserer bereits im Heißkanalbereich etablierten elektrischen Nadelverschlusstechnik“, erklärte Eimeke. Die verwendetenLinear-Schrittmotoren ermöglichen durch die individuelle Positionierung jeder Verschlussnadel in hochpräzisen 0,01-mm-Schritteneine exakte Feinbalancierung der Formfüllung. Eine leistungsfähige Steuertechnik erlaubt die automatische Justierung der Nadelreferenzpositionen sowie die permanente Positionsüberwachungund -korrektur.Einfache Dosierung mit hoher PräzisionDie LSR-Dosierung ist eine Wissenschaft für sich. Zahlreiche Hersteller entwickeln immer ausgeklügeltere Anlagen mit servohydraulischen oder servoelektrischen Antrieben. Dass eine hochpräzise Dosierung auch mit geringerem Aufwand möglich ist, unddas sogar beim Spritzgießen von Mikroteilen, zeigte Klaus Germeshausen von EMT Dosiertechnik. Das Unternehmen hat eineAnlage mit einfachwirkenden, mechanisch gekoppelten Dosierzylindern und pneumatischem Antrieb entwickelt, die eine hochgenaue LSR-Dosierung erlaubt. Neben der Genauigkeit ist die Bauartals kompakte, separate Einheit, die nahe an den Schneckeneinzugpositioniert werden kann, von Vorteil. „Die einzige Einschränkung ist die Begrenzung des Schussgewichtes auf je nach Version 18 bzw. 44 cm³“, erklärte Germeshausen. Daher sei diese Anlage insbesondere für die Herstellung von Mikroteilen geeignet. Fürgrößere Schussvolumina gibt es auch eine Anlage mit elektrischgekoppelten Dosierkolben.Einen Überblick über maschinentechnische Möglichkeiten in dermodernen LSR-Verarbeitung gab Thomas Gradl von Engel. DerSpritzgießmaschinenbauer hat nicht nur spezielle LSR-Maschinenmit entsprechenden Schneckenaggregaten im Programm, sondernbietet auch viel an Peripherie, von der Einbindung der DosierungTilman Maucher stellte mit einem Scheinwerfer mit blendfreiem Fernlicht einespannende LSR-Anwendung aus der Automobilbeleuchtung vor.in die Maschinensteuerung über die intelligente Werkzeugtemperierung mit der Funktion iQ flow control und dem Mehrkreistemperiersystem flomo sowie die Funktion iQ weight control zur Kompensation von Umwelteinflüssen auf das Material bis hin zu komplettenProduktionszellen.Erfahrungen aus der VerarbeiterpraxisWelche immensen regulatorischen Herausforderungen Verarbeiterim sensiblen Bereich Medizintechnik zu bewältigen haben, und welche vielfältigen Möglichkeiten es dort zum Einsatz von Silikonelastomeren gibt, zeigte Anke van Stevendaal von Drägerwerk anschaulich anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis. Vor ganz neuenAufgaben sehen sich Hersteller von Bauteilen zur Vibrations- undGeräuschdämpfung in Elektroautos. „Wegen der leisen Elektromotoren werde hier die Geräuschdämpfung immer wichtiger“, erläuterteDr. Ali Golritz von Vibracoustic. Um sich rechtzeitig entsprechende

Ausgabe 5/2019Expertise über die neuen Verhältnisse zu verschaffen, haben die Vibracoustic-Entwickler ein Elektroauto detailliert untersucht. Insbesondere die hochfrequenten Geräusche von Nebenaggregaten seien eine Herausforderung, weil hierfür die Geometrie verschiedenerBauteile überarbeitet werden müsse, meinte Golritz. Ebenso gebe esneue Anforderungen an die Motorlager, da E-Motoren schwerer alsVerbrennungsmotoren sind. Für die versammelten Silikon-Spezialisten hatte der Dämpfungsexperte auch einen kleinen Dämpfer parat.Im Motorbereich habe man nur Temperaturen bis knapp über 50 Cgemessen, so dass Silikonelastomere hier eher nicht zum Einsatzkommen müssten. „Bei einer weiter zunehmenden Kompaktheit derBatterien und damit steigenden Temperaturen wird Silikon aber sicher wieder interessant“, machte er allerdings dennoch Hoffnung.RUBRIK ‹QUALITYSTABILIZES.Mit einem Scheinwerfer mit blendfreiem Fernlicht stellte TilmanMaucher von Hella eine spannende LSR-Anwendung aus der Automobilbeleuchtung vor. Der Scheinwerfer verfügt über 84 LED-PixelSegmente, die in drei Reihen angeordnet sind. Jeder einzelne Pixelist dabei separat von 0 bis 100 % ansteuerbar. Wenn die Frontkamera im Fahrzeug ein Gegenlicht erkennt, schaltet die intelligente Steuerung einzelne LEDs aus, um das entgegenkommende Fahrzeug nicht zu blenden, während der Rest der Fahrbahn beleuchtetbleibt. Die Neuberechnung der Lichtverteilung erfolgt dabei 100Mal pro Sekunde. Verminderung der Eigenblendung durch Verkehrsschilder, Reduzierung von Reflexionen auf der Gegenfahrbahn oder dynamisches Kurvenlicht in Abhängigkeit des Lenkwinkels sind weitere nützliche Funktionen. Das Matrixmodul derPrimäroptik, welches das Licht von den LEDs bis zur Sekundäroptikim Vorderteil des Scheinwerfers leitet, besteht aus hochtransparentem LSR. „Hierbei kommen die guten Eigenschaften von LSR in Sachen Lichtweiterleitung zum Tragen“, erklärte Maucher. ‹www.skz.deAuf den PunktSilikonelastomere finden Einsatz in modernen Medizin-, Automobil-, Elektro- und Optikanwendungen. Die SKZ-Tagungzeigte anschaulich, wie Materialhersteller, Maschinenbauerund Verarbeiter mit Neu- und Weiterentwicklungen auf aktuelle Herausforderungen in diesem Segment reagieren.Auch die begleitende Ausstellung, auf der sich 15 Unternehmen präsentierten,sorgte für großes Interesse.Wenn es heiß hergeht, braucht man cooleTypen. Denn moderne Motoren werden immerkompakter und leistungsstärker – und damitauch heißer. Mit Durethan XTS setzen Sie aufHochleistungswerkstoffe, die auch in diesen Extremsituationen durch ihre außergewöhnliche Hitzestabilität gelassen bleiben. Informieren Sie sich überdie exzellente Performance unserer neuen XTSTypen unter www.durethan.com31

Automobil, E E oder Optik finden sie sehr weit gefächerte Einsatzmöglichkeiten. Das Interesse an dem vielseitigen Material ist entsprechend groß, wie die SKZ-Fachtagung „Silikonelastomere“ Ende März in Würzburg mit einem erneuten Teilnehmerrekord belegte. Schwerpunkt