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Geschäftsberichtelesen undverstehenNeu bearbeitete underweiterte VersionAuflage 7 / Juli 2014

Geschäftsberichtelesen und verstehenTagtäglich bilden Geschäftsberichte und die darin enthaltenen Finanzinformationen die zentrale Grundlage zuradäquaten Beurteilung der Chancen und Risiken, denenUnternehmen ausgesetzt sind. Welch große BedeutungFinanzinformationen beigemessen wird, hat auch die jüngste Wirtschafts- und Finanzkrise gezeigt: Als Mitauslösergilt gemeinhin die falsche Einschätzung von (Finanz-)Risiken – da sie in den Abschlüssen vieler Unternehmen nichthinreichend deutlich werden. In der Folge sind die Transparenzanforderungen gerade in den hier diskutierten IFRSAbschlüssen kontinuierlich gestiegen. Ihr durchschnittlicher Umfang hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht;einige weisen inzwischen bis zu 400 Seiten auf. Damit kannheutigen Geschäftsberichten kaum mehr mangelnde Informationsdichte vorgeworfen werden. Kritiker monieren insbesondere den sogenannten Information Overload: nahezuendlose Tabellen, Überleitungen und verbale Erläuterungen – Transparenz sieht anders aus. Ein Dilemma also, indem Hilfestellungen bei der Lektüre von Geschäftsberichten dringend geboten sind. Genau diesen Zweck verfolgenwir mit der vorliegenden Broschüre.Dass von den Unternehmen zunehmend mehr Informationen in ihren Abschlüssen verlangt werden, ist letztlich auchein Spiegelbild der Komplexität heutiger Unternehmensaktivitäten: Die Erschließung neuer Märkte durch Unternehmenszusammenschlüsse ist ebenso die Regel gewordenwie Verkäufe von Unternehmensteilen zur Konzentrationauf das Kerngeschäft. Hinzu kommen komplexe Mitarbeitervergütungsprogramme, Verträge mit Kunden über unterschiedliche Leistungen mit interdependenten Entgeltensowie – zur Finanzierung der Aktivitäten – neuartige komplexe Finanztransaktionen. In diesem Zusammenhangsorgten in der Finanzkrise vor allem solche Transaktionenfür negative Schlagzeilen, die den Ansatz verfolgten, Risiken zu „verbriefen“ und sie „bilanzentlastend“ auf mehrere Parteien zu verteilen: In den Abschlüssen der einzelnen beteiligten Unternehmen waren diese Risiken vielfachnicht mehr sichtbar.2Um die aktuellen Unternehmensentwicklungen in denGeschäftsberichten adäquat abzubilden, werden von Unternehmen heute nicht nur umfangreichere, sondern vor allemaktuellere Informationen gefordert. Anstatt Bilanzpostenbeispielsweise mit (historischen) Anschaffungs- und Herstellungskosten zu bewerten, sind heute gerade insbesondere nach den IFRS immer mehr Posten zum aktuellenZeitwert (Fair Value) anzusetzen. Während etwa die historischen Anschaffungskosten anhand der für einen Vermögensgegenstand seinerzeit geleisteten Zahlungen sichererhoben werden können, müssen Zeitwerte zumeist vonden bilanzierenden Unternehmen geschätzt werden. Siesind daher – im Vergleich zu historischen Wertansätzen –mit einem höheren Maß an Unsicherheit behaftet. Zugleichkönnen die Werte durch Ermessensausübung im Rahmendes Schätzverfahrens bilanzpolitisch beeinflusst sein. Darüber hinaus können durch die regelmäßige Aktualisierungdes Fair Value zu aufeinanderfolgenden Stichtagen erhebliche Gewinnvolatilitäten resultieren: Das Ergebnis schwanktnicht mehr mit der Geschäftsentwicklung, sondern möglicherweise maßgeblich aufgrund der Fair Value-Schwankungen von Finanzinstrumenten oder Anlageimmobilien. Inder Folge ist die im IFRS-Abschluss ausgewiesene Ergebnisgröße heute anders zu interpretieren als noch vor knappeinem Jahrzehnt.Mit der vorliegenden Broschüre möchte KPMG Lesern derWirtschaftspresse oder an wirtschaftlichen Zusammenhängen Interessierten das Verständnis heutiger, zunehmendkomplexerer Finanzinformationen erleichtern und anhandeines Auszugs aus einem fiktiven Konzernabschluss nachIFRS die wichtigsten Inhalte aktueller Geschäftsberichteverdeutlichen.Ziel dieser Veröffentlichung ist es, Ihnen das Lesen undInterpretieren von Geschäftsberichten zu erleichtern undIhnen die Aufgaben des Wirtschaftsprüfers als Abschlussprüfer näherzubringen. Anhand häufig auftretender Fragestellungen und komprimierter Antworten werden relevanteThemenkreise erläutert; zur praxisnahen Verdeutlichungdienen zudem Auszüge aus einem exemplarischen Konzernabschluss. Einige der Fragen beziehen sich auch aufden Konzernanhang dieses fiktiven Muster-Konzernabschlusses. Zusätzlich führen Zahlenverweise am linkenRand der Abschlussbestandteile auf die jeweilige Fragedes Abschnitts. Themenkomplexe, die über die Informa- Geschäftsberichte lesen und verstehen 2014 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzern gesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG - Netzwerks unabhängiger Mitglieds firmen, die KPMG International Cooperative („KPMG International“),einer juristischen Person schweizerischen Rechts, ange schlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International.

tionen zum Muster-Abschluss hinausgehen, sind mitHinweisen auf Abschlussbestandteile wie etwa denKonzernanhang oder den Konzernlagebericht versehen,in denen diese Informationen üblicherweise zu finden sind.Zur Vertiefung der Inhalte steht Ihnen darüber hinaus mitunserem IFRS-Muster-Konzernabschluss ein weiterespraxisorientiertes Instrument zur Verfügung. Er ist aufder Homepage von KPMG unter www.kpmg.de kostenfreials Download erhältlich und stellt am Beispiel eines fiktivenWeltkonzerns eine mögliche Ausgestaltung eines Konzernabschlusses dar.IHRE ANSPRECHPARTNERIngmar RegaPartner, Bereichsvorstand AuditJens C. LauePartner, Head ofAssurance ServicesDr. Hanne BöckemPartner, Departmentof Professional PracticeDr. Oliver BeyhsPartner, AccountingCentre of ExcellenceGeschäftsberichte lesen und verstehen 3 2014 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzern gesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG - Netzwerks unabhängiger Mitglieds firmen, die KPMG International Cooperative („KPMG International“),einer juristischen Person schweizerischen Rechts, ange schlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International.

Wer gibt die Inhalteder Geschäftsberichte vor?Die Verordnung der Europäischen Union zur Anwendunginternationaler Rechnungslegungsstandards vom 19. Juli2002 („EU-IAS-Verordnung“) verpflichtet alle kapitalmarktorientierten Unternehmen, die nach dem Recht eines derMitgliedstaaten einen Konzernabschluss erstellen müssen,zur Anwendung der International Financial Reporting Standards (IFRS). Für diese Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen gelten damit einheitliche Rechnungslegungs- und Transparenzanforderungen.Als Reaktion auf die EU-IAS-Verordnung hat der deutscheGesetzgeber auch nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen ein Wahlrecht eingeräumt, ihren Konzernabschlussgemäß IFRS zu erstellen, anstatt nach den grundsätzlichanzuwendenden nationalen Vorschriften des deutschenHandelsgesetzbuches (HGB).Die Pflicht beziehungsweise das Wahlrecht zur Anwendung der IFRS hat der Gesetzgeber in § 315a HGB miteinem sogenannten dynamischen Verweis auf die internationalen Grundsätze implementiert. Mit diesem Verweiswerden die IFRS Teil des deutschen Handelsrechts –obwohl sie keinem für das Handelsrecht üblichen Gesetzgebungsprozess unterliegen. Die IFRS werden durch dasInternational Accounting Standards Board (IASB) mit Sitzin London erarbeitet. Es besteht aus 16 Mitgliedern, die vonder International Financial Reporting Standards Foundation(IFRS Foundation) benannt werden. Während das IASBausschließlich für die Ausarbeitung und Weiterentwicklungder IFRS zuständig ist, organisiert die IFRS Foundation dieVerbreitung der IFRS und stellt die Finanzierung des IASBsicher. Durch diese zweistufige Organisation soll eineweitgehende fachliche Unabhängigkeit des IASB gewährleistet werden.Da es bei der Anwendung einiger IFRS zu unterschiedlichen Auslegungen kommen kann, ist in die Gesamtorganisation zusätzlich das IFRS Interpretations Committeeeingebunden.Sowohl das IASB als auch das IFRS Interpretations Committee erlassen neue Standards beziehungsweise Interpretationen nur im Rahmen eines formellen Standard-Setting-Verfahrens (Due Process). Dieses stellt sicher, dassweltweit akzeptierte Rechnungslegungsstandards erstnach Durchlaufen eines mehrstufigen Verfahrens ihre Gültigkeit erhalten. Ziel ist es, der interessierten Öffentlichkeitvorab die Möglichkeit zu geben, bereits zu Diskussionspapieren, in jedem Fall aber zu Entwürfen neuer Standards4und Interpretationen schriftlich Stellung zu nehmen. Erstnach Auswertung und Diskussion der eingegangenenStellungnahmen darf ein finaler Standard beziehungsweise eine finale Interpretation verabschiedet werden.In der EU ist ein neuer Standard oder eine neue Interpretation erst anwendbar, wenn er oder sie von der EU-Kommission in einem formellen Verfahren (Endorsement) unterEinbeziehung einer fachlichen Beratergruppe, der Mitgliedstaaten und des EU-Parlaments übernommen wurde.Trotz dieses formellen Verfahrens unterliegen die IFRS inBezug auf Änderungen und Ergänzungen einer höherenDynamik, als dies bei den deutschen handelsrechtlichenRechnungslegungsvorschriften der Fall ist. Der in dieserBroschüre in Auszügen dargestellte IFRS-Muster-Konzernabschluss beruht auf den IFRS, die auf Geschäftsjahre,die am oder nach dem 1. Januar 2013 beginnen, verpflichtend anzuwenden sind.Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung DPR e.V.(DPR) ist auf nationaler Ebene auf der ersten Stufe für dieÜberwachung der Rechnungslegung kapitalmarktorientierter Unternehmen zuständig (sogenanntes Enforcement). Betroffen von dieser Überwachung sind Unternehmen, deren Wertpapiere zum Handel im regulierten Marktan einer inländischen Börse zugelassen sind. Das sogenannte Enforcement-Verfahren ist in Deutschland zweistufig aufgebaut. Die DPR prüft, ob der zuletzt festgestellteJahresabschluss nebst Lagebericht oder der zuletzt gebilligte Konzernabschluss nebst Konzernlagebericht dengesetzlichen Vorschriften einschließlich der Grundsätzeordnungsmäßiger Buchführung und den einschlägigenRechnungslegungsstandards entspricht. Auf der zweitenStufe greift die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein, um bei abweichender Auffassung vonDPR und Unternehmen etwaige Fehler festzustellen, dieVeröffentlichung festgestellter Fehler anzuordnen oder umeine Prüfung mit hoheitlichen Mitteln durchzusetzen, fallsbeispielsweise ein Unternehmen nicht zur Mitwirkung ander Prüfung durch die DPR bereit ist. Die DPR kündigt jährlich die Prüfungsschwerpunkte für die bevorstehendenPrüfungen öffentlich an. Bei ihrer Prüfung konzentriert siesich auf Rechnungslegungsgebiete, die unter anderemdurch ihre Komplexität erfahrungsgemäß ein erhöhtesFehlerrisiko aufweisen und die branchenübergreifendeRelevanz besitzen (zum Beispiel Wertminderungstests). Geschäftsberichte lesen und verstehen 2014 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzern gesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG - Netzwerks unabhängiger Mitglieds firmen, die KPMG International Cooperative („KPMG International“),einer juristischen Person schweizerischen Rechts, ange schlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International.

Inhalt1Allgemeine Informationen zum Geschäftsbericht62Die Konzerngesamtergebnisrechnung113Die Konzernbilanz214Die Konzernkapitalflussrechnung275Die Konzerneigenkapitalveränderungsrechnung316Der Konzernanhang367Der Konzernlagebericht508Die Rolle des Abschlussprüfers52Geschäftsberichte lesen und verstehen 5 2014 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzern gesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG - Netzwerks unabhängiger Mitglieds firmen, die KPMG International Cooperative („KPMG International“),einer juristischen Person schweizerischen Rechts, ange schlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International.

1Allgemeine Informationen zum GeschäftsberichtIm Geschäftsbericht werden der Konzernabschluss und der Konzernlagebericht als zentraleBestandteile wiedergegeben. Ergänzend ist bei manchen Unternehmen auch der Jahresabschlussdes Mutterunternehmens enthalten.1 Worin unterscheiden sichJahres- und Konzernabschluss?Der Konzernabschluss gibt einen umfassenden Einblickin die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie dieZahlungsströme eines Konzerns, also einer Unternehmensgruppe. Dagegen stellt der Jahresabschluss diewirtschaftliche Lage eines einzelnen Unternehmens dar.Im Konzernabschluss werden die einzelnen Unternehmeneiner Unternehmensgruppe so abgebildet, als seien dieunterschiedlichen Konzernunternehmen ein einziges Unternehmen. Hierfür werden die Bilanzen und Erfolgsrechnungen der Tochterunternehmen und des Mutterunternehmensaddiert und die konzerninternen Beziehungen (wie Kapitalbeteiligungen, Forderungen, Verbindlichkeiten, Umsatzerlöse und Zwischengewinne) eliminiert. Im Jahresabschlussdes Mutterunternehmens sind dagegen die konzerninternen Beziehungen noch enthalten. Hierzu gehören – nebenanderen Posten – Anteile an verbundenen Unternehmensowie die von den Tochterunternehmen gezahlten Dividenden und Zinserträge.Nach den Regelungen des Handelsgesetzbuches (HGB)und der EU-IAS-Verordnung müssen kapitalmarktorientier te Unternehmen einen Konzernabschluss nach IFRSvorlegen. Darüber hinaus muss jedes Mutter- und Tochterunternehmen, das den Vorschriften des HGB unterliegt,einen Jahresabschluss entsprechend den deutschenhandelsrechtlichen Rechnungslegungsvorschriften aufstellen. Die aufgrund der gesetzlichen Vorschriften erstellten Jahresabschlüsse des Mutterunternehmens und dereinzelnen Konzerngesellschaften dienen jedoch lediglichzur Bestimmung der jeweiligen Gewinnausschüttung derTochterunternehmen an die entsprechenden Gesellschafter des Mutterunternehmens sowie zur Veranlagung derErtragsteuern bei den Einzelgesellschaften.6MutterunternehmenTochter ATochter BJahres abschlussTochter CKonzernabschluss 2014 KPMG, Deutschland2 Was versteht manunter einem Konsolidierungskreis?Als Konsolidierungskreis bezeichnet man diejenigen Tochterunternehmen, die im Wege der Vollkonsolidierung in denKonzernabschluss eines Mutterunternehmens einbezogenwerden. Ein Tochterunternehmen ist ein Unternehmen, dasvon einem anderen Unternehmen (Mutterunternehmen)beherrscht wird.Ob ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland einen Konzernabschluss aufzustellen hat, ergibt sich auch für kapitalmarktorientierte Unternehmen aus dem HGB. Erst imnächsten Schritt wird anhand der Regelungen der IFRSbestimmt, welche Unternehmen in den Konzernabschlusseinbezogen werden.Gemäß HGB besteht Beherrschung stets dann, wenn dasMutterunternehmen bei dem Tochterunternehmen übermehr als 50 Prozent der Stimmrechte verfügt. Darüberhinaus liegt Beherrschung nach HGB auch in den Fällenvor, in denen das Mutterunternehmen das Recht hat, dieMehrheit des Verwaltungs-, Leitungs- oder Aufsichtsorgans zu bestellen, das die Finanz- und Geschäftspolitikbestimmt, sowie die Finanz- und Geschäftspolitik aufvertraglicher oder satzungsmäßiger Grundlage zu bestimmen. Dieser an gesellschaftsrechtlichen Kriterien orien- Geschäftsberichte lesen und verstehen 2014 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzern gesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG - Netzwerks unabhängiger Mitglieds firmen, die KPMG International Cooperative („KPMG International“),einer juristischen Person schweizerischen Rechts, ange schlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International.

Allgemeine Informationen zum Geschäftsberichttierte Beherrschungsbegriff lag lange Zeit auch den IFRSzugrunde. Er wurde jedoch zunehmend kritisiert, da Beherrschung auch vielfach über andere Gestaltungen erreichtwerden kann, die durch den Beherrschungsbegriff nichterfasst werden.Aus diesem Grund wurde die Beherrschungsdefinition derIFRS überarbeitet; sie folgt seit 2013 einer neuen Konzeption. Die neuen Regelungen zum Beherrschungsbegriffsind jedoch für Unternehmen in der EU grundsätzlich erstab 2014 verpflichtend: Denn der europäische Gesetzgeberhatte aufgrund der Komplexität der Regelung die Erstanwendung in der EU gegenüber dem vom IASB vorgesehenen Erstanwendungsstichtag verschoben. Eine freiwilligevorzeitige Anwendung dieser Regelungen war jedoch auchfür Unternehmen in der EU möglich. Danach wird – abweichend gegenüber dem HGB – nicht an festen Schwellenwerten oder genau definierten Rechten festgehalten. Vielmehr ist der wirtschaftliche Gesamtgehalt der Beziehungzu würdigen. So kann eine Beherrschung nach diesenRegelungen auch ohne Stimmrechtsmehrheit vorliegen,da die IFRS davon ausgehen, dass derjenige ein Unternehmen beherrscht, der über die maßgeblichen Tätigkeitendes Unternehmens verfügen kann und hierdurch einer Risikobelastung unterliegt, die er selbst durch seine beherrschende Stellung bei dem Unternehmen beeinflussen kann.Diese Rechte müssen nicht zwangsläufig aus Stimmrechten oder bestimmten anderen Rechten bestehen. Verschiedene Indikatoren sind in Kombination zu betrachten, umzu ergründen, ob sich im Gesamtbild eine beherrschendeStellung ergibt.Neben den Tochterunternehmen sind jedoch in den Konzernabschluss auch andere Unternehmen einzubeziehen,an denen das Mutterunternehmen beteiligt ist, die es abernicht beherrscht. Führt das Mutterunternehmen gemeinsam mit einer oder mehreren Parteien ein anderes Unternehmen, ist dieses als Gemeinschaftsunternehmen imKonzernabschluss einzubeziehen. Die Einbeziehung solcher Unternehmen erfolgt nicht wie bei Tochterunternehmen im Rahmen der Vollkonsolidierung. Gemeinschaftsunternehmen werden abhängig von bestimmten Kriterienentweder nach der Equity-Methode – das heißt mit einemAnteil am Eigenkapital – abgebildet oder es erfolgt eineanteilige Bilanzierung der Vermögenswerte und Schuldensowie Aufwendungen und Erträge in Höhe der Beteiligungsquote an dem Gemeinschaftsunternehmen.Kann das Mutterunternehmen maßgeblichen Einfluss aufein Unternehmen ausüben, da es die Möglichkeit hat, anden finanz- und geschäftspolitischen Entscheidungen1mitzuwirken, wird dieser maßgebliche Einfluss im Kon zernabschluss des Mutterunternehmens ebenfalls durchAnwendung der Equity-Methode abgebildet. Bei derEquity-Methode werden nicht die einzelnen Vermögens gegenstände und Schulden des Unternehmens in dieKonzernbilanz einbezogen. Das Engagement des Mutterunternehmens in das Unternehmen wird lediglich durchden Anteil am Eigenkapital des Unternehmens dargestellt –das heißt die Abbildung im Konzernabschluss des Mutterunternehmens erfolgt in einer einzelnen Zeile unter demPosten „Nach der Equity-Methode bilanzierte Finanzanlagen“.Die Abgrenzung des Konsolidierungskreises – das heißtdie Entscheidung darüber, welche Unternehmen nachwelchen Verfahren in den Konzernabschluss einzubeziehen sind – ist wesentliche Voraussetzung dafür, dass derKonzernabschluss die wirtschaftlichen Verhältnisse derUnternehmensgruppe korrekt abbildet.3 Weshalb gibt der Jahresabschluss desMutterunternehmens keine Auskunftüber den Geschäftsverlauf sowie dieVermögens- und Finanzlage des Konzerns?Häufig ist das Mutterunternehmen des Konzerns nichtselbst am Markt tätig. Die operativen Ergebnisse des Konzerns werden dann in den einzelnen Tochterunternehmenerwirtschaftet und möglicherweise erst in späteren Jahren an das Mutterunternehmen ausgeschüttet. Aber auchfalls das Mutterunternehmen unmittelbar Leistungen amMarkt verwertet, werden die Wertschöpfungsprozesse deranderen Konzernunternehmen ebenfalls nicht im Einzelabschluss des Mutterunternehmens abgebildet. Die Erfolgsrechnung des Mutterunternehmens reflektiert also in derRegel das innerhalb des Konzerns in der Rechnungsperiodeerwirtschaftete Ergebnis nicht. Stattdessen muss der Konzernerfolg im Wege der Konsolidierung aller Konzernunternehmen einschließlich des Mutterunternehmens ermitteltwerden. Dazu werden die Ergebnisrechnungen der Konzernunternehmen addiert und konzerninterne Transaktionen – insbesondere Ausschüttungen, aber auch Umsatzgeschäfte – eliminiert.Zur Beurteilung der Vermögens- und Finanzlage des Konzerns ist ebenfalls in erster Linie nur die konsolidierte Konzernbilanz relevant. Der Konzern wird als wirtschaftlicheEinheit verstanden. Vielfach ergeben sich innerhalb einesKonzerns umfangreiche Verflechtungen durch interneGeschäftsberichte lesen und verstehen 7 2014 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzern gesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG - Netzwerks unabhängiger Mitglieds firmen, die KPMG International Cooperative („KPMG International“),einer juristischen Person schweizerischen Rechts, ange schlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International.

Allgemeine Informationen zum Geschäftsbericht1Finanzierungsvereinbarungen und Leistungsbeziehungen.Erst durch den Konzernabschluss wird durch Eliminierungdieser internen Verflechtungen deutlich, wie sich die Lageder Unternehmensgruppe tatsächlich darstellt. So kannzum Beispiel bei einem Verkauf von Vorräten von einemUnternehmen innerhalb des Konzerns an ein anderes Unternehmen derselben Gruppe eine Marge realisiert werden. Ineinem Einzelabschluss ist dies nicht erkennbar. Im Konzernabschluss wird diese Marge jedoch so lange eliminiert, bisdie Vorräte tatsächlich an einen Dritten – außerhalb derUnternehmensgruppe – veräußert werden.4 Welche Rechnungslegungsstandardsliegen den Jahresabschlüssen der einzelnen Konzerngesellschaften zugrunde?Grundsätzlich sind Jahres- beziehungsweise Einzelabschlüsse nach den Vorschriften des HGB aufzustellen.Große Kapitalgesellschaften können jedoch statt einesHGB-Jahresabschlusses einen IFRS-Einzelabschluss imBundesanzeiger veröffentlichen. Die Verpflichtung, einenJahresabschluss nach HGB aufzustellen, besteht jedochweiter. Dies liegt darin begründet, dass nur ein solcherAbschluss für die Bemessung der Gewinnausschüttungan die Aktionäre des Mutterunternehmens und als Grundlage für die steuerliche Gewinnermittlung zulässig ist. Umauch eine begriffliche Abgrenzung herzustellen, bezeichnetder Gesetzgeber diese zur Veröffentlichung vorgesehenenIFRS-Abschlüsse als „Einzelabschlüsse“, im Gegensatz zu„Jahresabschlüssen“, die nach den HGB-Vorschriftenaufgestellt werden müssen.85 Was ist der Unterschied zwischen„International Accounting Standards (IAS)“und „International Financial ReportingStandards (IFRS)“?Alle vom International Accounting Standards Board(IASB) verabschiedeten Rechnungslegungsstandards(IAS 1 bis 41, IFRS 1 bis 15) sowie die vom IFRS Interpretations Committee (IFRIC) erarbeiteten Interpretationender Rechnungslegungsstandards („IFRIC Interpretations“beziehungsweise „SIC Interpretations“) werden seit derNeuorganisation des IASB im Jahr 2001 unter dem Oberbegriff „IFRS” subsumiert. Seitdem neu veröffentlichteRechnungslegungsstandards werden mit „IFRS“, neueInterpretationen mit „IFRIC“ bezeichnet. Die bisherigenStandards und Interpretationen behalten ihre Bezeichnungen „IAS“ beziehungsweise „SIC“ bei. Sie werdennach und nach durch aktualisierte IFRS ersetzt oder inandere bestehende IFRS einbezogen.6 Woraus besteht einIFRS-Konzernabschluss?Ein IFRS-Konzernabschluss besteht aus einer Gesamtergebnisrechnung, einer Bilanz, einer Kapitalflussrechnung,einer Darstellung der Entwicklung des Konzerneigenkapitals (Konzerneigenkapitalveränderungsrechnung) sowieerläuternde Angaben (Konzernanhang).Obwohl nach IFRS der Lagebericht oder ein ähnlichesBerichtsinstrument nicht zu den Pflichtbestandteileneines Konzernabschlusses gehört, bleibt der Konzernlagebericht durch die Vorschriften des HGB auch fürUnternehmen, die nach der EU-IAS-Verordnung ihrenKonzernabschluss nach IFRS aufstellen müssen, einzwingendes Berichtselement neben dem Konzernabschluss. Dies liegt darin begründet, dass der deutscheGesetzgeber die deutschen IFRS-Bilanzierer explizit auchzur Einhaltung der Vorschriften verpflichtet hat, die für dieErstellung eines Lageberichts gelten. Das im Jahr 2010veröffentlichte IFRS Practice Statement „ManagementCommentary“ läuft insofern in Deutschland leer. Zudemsind in IFRS-Konzernabschlüssen bestimmte zusätzlicheAngaben nach den handelsrechtlichen Vorschriften zuergänzen. Hierunter fallen beispielsweise solche zurAnteilsbesitzliste (Angaben zu Tochterunternehmenund Beteiligungen), zum Abschlussprüferhonorarsowie zu Mitarbeiterzahlen und Organbezügen. Geschäftsberichte lesen und verstehen 2014 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzern gesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG - Netzwerks unabhängiger Mitglieds firmen, die KPMG International Cooperative („KPMG International“),einer juristischen Person schweizerischen Rechts, ange schlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International.

Allgemeine Informationen zum Geschäftsbericht7 Was sind die Kerninhaltedes Konzernlageberichts?Der Lagebericht stellt eine überwiegend verbale Berichterstattung des Managements dar: In ihm sind – ergänzendzum Abschluss – der Geschäftsverlauf (einschließlichGeschäftsergebnis) sowie die Lage des Konzerns unterEinbeziehung der gesamtwirtschaftlichen und branchenbezogenen Rahmenbedingungen darzustellen, zu analysieren und zu beurteilen. In diese Analyse sind die bedeutsamsten finanziellen und, soweit für das Verständnis desGeschäftsverlaufs und der Lage des Unternehmens beziehungsweise des Konzerns von Bedeutung, auch die nichtfinanziellen Leistungsindikatoren einzubeziehen. Unterfinanziellen Leistungsindikatoren werden gemeinhin dieKennzahlen verstanden, nach denen das Management dasUnternehmen steuert, also beispielsweise Rentabilitätskennzahlen oder Kapitalbindungskennzahlen wie der Returnon Capital Employed (ROCE). Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren können Arbeitnehmer- oder Umweltbelangebetreffen. Auch Messgrößen für die Kundenzufriedenheitfallen unter die nichtfinanziellen Leistungsindikatoren.Tabelle AInhaltsverzeichnis des Geschäftsberichts 20137Aktionärsbrief2Bericht des Aufsichtsrats4Corporate Governance7Konzernlagebericht10Grundlagen des Konzerns10WirtschaftsberichtGesamtwirtschaftliche undbranchenbezogene RahmenbedingungenGeschäftsverlaufAußerdem ist die voraussichtliche Entwicklung desKonzerns mit den wesentlichen Chancen und Risikender künftigen Geschäftstätigkeit zu erläutern. Durchdie Prognoseorientierung wird deutlich, dass der Lagebericht den Abschluss auch zukunftsgerichtet ergänzt.Neben der allgemeinen Darstellung der Lage sind spezifische Berichtselemente gesetzlich vorgeschrieben: Umder zunehmenden Bedeutung von FinanzinstrumentenRechnung zu tragen, muss speziell auch über diesbezügliche Risiken berichtet werden. Sofern das Mutterunternehmen oder ein Tochterunternehmen kapitalmarktorientiertist, müssen Konzerne zudem auf die wesentlichen Merkmale ihres rechnungslegungsbezogenen internen Kontrollund Risikomanagementsystems eingehen. Die gesetzlichenVorschriften zum Lagebericht sehen darüber hinaus weitereBerichtspflichten vor. Sie umfassen neben Forschung undEntwicklung auch die Grundzüge des Vergütungssystemssowie einen Nachtragsbericht und übernahmerelevanteAngaben bei börsennotierten age38Nachtragsbericht47Risiko- und Chancenbericht50Prognosebericht67Konzernabschluss 2013 des estätigungsvermerk des Abschlussprüfers103Unternehmen mit Sitz in Deutschland müssen bei der Lageberichterstattung den entsprechenden Deutschen Rechnungslegungs Standard Nr. 20 Konzernlagebericht (DRS 20)des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committeee.V. (DRSC) anwenden. DRS 20 ergänzt die gesetzlichenAnforderungen an die Konzernlageberichterstattung undwird auch für den (Einzel-)Lagebericht empfohlen.Geschäftsberichte lesen und verstehen 9 2014 KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, eine Konzern gesellschaft der KPMG Europe LLP und Mitglied des KPMG - Netzwerks unabhängiger Mitglieds firmen, die KPMG International Cooperative („KPMG International“),einer juristischen Person schweizerischen Rechts, ange schlossen sind. Alle Rechte vorbehalten. Der Name KPMG, das Logo und „cutting through complexity“ sind eingetragene Markenzeichen von KPMG International.

Allgemeine Informationen zum Geschäftsbericht18 Was sind Querverweiseim IFRS-Konzernabschluss?Während der Konzernlagebericht ein gesondertesBerichtsinstrument darstellt, ist der Konzernanhangintegraler Bestandteil des Konzernabschlusses. Zweckdes Konzernanhangs ist unter anderem, die in der Konzernbilanz, Konzerngesamtergebnisrechnung, Konzernkapitalflussrechnung und Konzerneigenkapitalveränderungsrechnung ausgewiesenen Beträge weiter aufzugliedern und zuerläutern. Damit der Abschlussleser bei der Analyse einerdieser Abschlussbestandteile zielgerichtet die Erläuterungen zu einem Posten im Konzernanhang finden kann, mussaus dem Rechenwerk auf die entsprechende Passage imKonzernanhang verwiesen werden. Vielfach ist es im Konzernanhang aus sachlichen Gründen geboten, die Erläuterungen zu einem Thema zusammengefasst darzustellen:In diesen Fällen erfolgt bei mehreren Abschlusspostender Verweis auf die gleiche Stelle im Konzernanhang.9 In welchem Verhältnis stehenGeschäftsbericht und (Konzern-)Abschluss?Mit dem Geschäftsbericht präsentieren sich Unternehmender interessierten Öffentlichkeit. Umfang und Aufbau desGeschäftsberichts sind grundsätzlich gesetzlich nicht normiert. Allerdings enthalten Geschäftsberichte in der Regelden Konzernabschluss sowie den Konzernlagebericht desberichtenden Unternehmens. Für diese Berichtsinstrumente gelten die IFRS und die handelsrechtlichen Anforderungen

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