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Themen, Trends und Fakten der Wohnungs- und Immobilienwirtschaftfür Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und SaarlandNr. 11 November nab Seite 194 erbandstag desVVdW südwest 29. / 30. September 2009in Fulda11I WU-Studie:Änderung desVerbraucherverhaltensspart 25 % Heizenergie24 ordrhein-Westfalen:NSoziale Wohnraumförderungauch 2010auf hohem Niveau

Nur 11 Mal schlafen.Komplettsanierung in zwei Wochen.Bei einer Trefortis Wertsanierung könnenIhre Mieter während der Umbauphase wohnenbleiben. Und damit die Bauarbeiten die Nervender Mieter nicht zu sehr strapazieren, sindwir nach spätestens zwei Wochen wieder ausden Wohnungen verschwunden. Garantiert.Nutzen Sie unsere langjährige Erfahrungund profitieren Sie von vielen weiterenVorteilen der Trefortis Wertsanierung .Mehr Infos finden Sie im Internet unter:www.trefortis.deOder rufen Sie uns gebührenfrei an unter:0800.TREFORTIS0800.873367847TREFORTIS AGSeilfahrt 10344809 Bochumgebührenfreie [email protected]

EditorialEin großer Wurf?Nun liegt er auf dem Tisch – der 124-seitigeKoalitionsvertrag zwischen CDU, CSU undFDP für das Regierungshandeln in der17. Legislaturperiode in Deutschland.Ist es nun der große Wurf, der Deutschlandaus der Krise führt? Und wenn ja: Partizipieren alle Bevölkerungsschichten, alle gesellschaftlichen Gruppen davon in gleichemMaße? Und: Was ist aus Wahlprogrammen,aus den Wahlversprechen der jetzt regierenden Parteien geworden?Über die beiden ersten Fragen lässt sich trefflich streiten, wie die ersten Kommentare zeigen. Die Antwort auf die letzte Frage fällt daschon eindeutiger aus.Denn eine ganze Reihe von Wahlversprechenwird man in dem Koalitionsvertrag vergeblichsuchen. Und andere konkrete Aussagen inden Wahlprogrammen finden sich in der Koalitionsvereinbarung nur als Prüfauftrag wieder.Trotzdem: Betrachtet man den Koalitionsvertrag aus Sicht der Wohnungs- undImmobilienwirtschaft, kann man der Koalition zumindest bescheinigen, dass er aneinigen Stellen Aussagen enthält, die eineklare Richtung vorgeben.Dies gilt insbesondere im Hinblick auf dieSchaffung von Anreizen für energetischeInvestitionen durch die Überprüfung desMietrechts auf „seine Ausgewogenheit“.„Baumaßnahmen, die diesem Zweck dienen,sind zu dulden und berechtigen nicht zurMietminderung“, heißt es in der Koalitionsvereinbarung.Außerdem sollen die asymmetrischen Kündigungsfristen von Vermietern und Mieternbeseitigt werden und Transferleistungen fürdie Unterkunft künftig direkt an den Vermieter überwiesen werden. Darüber hinaus sollen mietrechtliche Ansprüche auch schnellervollstreckt werden können als bislang.Natürlich handelt es sich hierbei um Zielaussagen. Die konkreten Vorschläge zu denFormulierungen liegen noch nicht auf demBurghard Schneider1Dr. Rudolf RidingerTisch. Aber: Die letzte Koalitionsregierunghatte sich hinter dem geltenden Mietrechtförmlich verschanzt und gleichzeitig an dieAdresse der Vermieter besonders im energetischen Bereich immer mehr Forderungenformuliert und rechtlich kodifiziert.Ebenso positiv sind die Reduzierung dergewerbesteuerlichen Hinzurechnung beiden Immobilienmieten von 65 Prozent auf50 Prozent oder die ab 2007 rückwirkendeVortragsfähigkeit des EBITDA bis 2012 zubewerten.Die neue Koalition zeigt demgegenüber dieBereitschaft, das Mietrecht zumindest in Teilen aufzuschnüren und neu auszutarieren.Dabei geht es aber nicht nur um die Frage dergerne zitierten sozialen Ausgewogenheit, sondern auch um die Reduktion von Hemmnissen bei der Modernisierung von Beständensowie von Schranken bei abrechenbaren Nebenkosten. Letztere hängen wiederum starkmit den Möglichkeiten der Entwicklung vonDienstleistungen zum und rund ums Wohnen zusammen. Kurzum: Es geht um eineModernisierung des Mietrechts.Dem Thema „Bauen und Wohnen“ widmetder Koalitionsvertrag etwa drei Seiten. ImGrundsatz sollen die Städtebauförderung,die Programme „Stadtumbau West“, „SozialeStadt“, „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“,„Städtebaulicher Denkmalschutz“ und derenergetischen Sanierung sozialer Infrastruktur auf bisherigem Niveau fortgesetzt werden,wenngleich auch mit neuen Akzenten. Dasist zwar zu begrüßen. Allerdings steht dieses,wie alle angekündigten Maßnahmen, unterFinanzierungsvorbehalt.Ob die Wohnungs- und Immobilienwirtschaftmit weitergehenden Auflagen durch die Energie- und Klimaschutzpolitik der Bundesregierung rechnen muss, ist nach der Koalitionsvereinbarung offen. So heißt es zwar lediglich lapidar, dass „die Maßnahmen des Integrierten Energie- und Klimaprogramms derBundesregierung 2010 auf ihre Wirksamkeit“überprüft werden und ggf. nachgesteuert werden sollen. Dies darf aber aus immobilienwirtschaftlicher Sicht insofern als ein Fortschrittangesehen werden, als die Bundesregierungin der letzten Legislaturperiode z. B. die nächste Novelle der Energieeinsparverordnung für2012 bereits angekündigt hatte.Und positiv ist z. B. auch die Ankündigung,das CO2-Gebäudesanierungsprogramm „wirkungsvoller“ auszugestalten und die Möglichkeiten für ein „Energie-Contracting zuerweitern“.Auch in steuerlicher Hinsicht enthält derKoalitionsvertrag positive Aspekte. So soll dieFreigrenze bei der Zinsschranke nun dauerhaft auf 3 Millionen Euro angehoben werden.Leider hat es zur gänzlichen Abschaffung derZinsschranke nicht gereicht, wie dies von derWohnungswirtschaft und der FDP gefordertworden war.Und wenn in der Koalitionsvereinbarungfestgestellt wird, dass insbesondere in Ballungsräumen zusätzlicher Wohnungsneubauerforderlich ist, und dann keinerlei Aussagendarüber gemacht werden, wie dieser angekurbelt oder gefördert werden soll, dann ist manmehr als enttäuscht. Und besonders kritischmuss man den Satz sehen: „Wir werden bisMitte der Legislaturperiode entscheiden, obnach dem Jahr 2013 der Bund den Ländernweiterhin zweckgebunden Mittel zur Finanzierung von Maßnahmen der Wohnraumförderung gewährt.“Bei einer ersten Bewertung kann die Koalitionsvereinbarung aus wohnungs- undimmobilienwirtschaftlicher Sicht sichernicht als ein großer Wurf bezeichnetwerden. Denn an vielen Stellen fehlt esan konkreten Aussagen. Allerdings sindAspekte enthalten, auf denen sich aufbauenlässt.IhreBurghard SchneiderVerbandsdirektor/VorstandVdW Rheinland WestfalenVdW saarDr. Rudolf RidingerVerbandsdirektor/VorstandVdW südwest11/09 VerbandsMagazin

2Inhalt4Verbandstag 2009 des VdW südwest10AKTUELLES18POLITIK19LANDESAUSGABEN4 Am 29. und 30. September 2009 in Fulda:Chancen durch Fokus auf die Wohnbedürfnisse4Die Bedürfnisse der Menschenin den MittelpunktwohnungswirtschaftlicherAktivitäten stellen –darum ging es beimdiesjährigen Verbandstagdes VdW südwest.10 Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung:„Stadtumbau – die Fortsetzung“11 Ein Viertel des Energieverbrauchs überflüssigStudie zum Einfluss des Verbraucherverhaltens13 Fit für die Zukunft14. Symposium „Perspektiven für Wohnungsgenossenschaften“13 F B Mietspiegelindex: Mieten steigen nur noch leicht14 Abschlussbericht des DV zur Zertifizierung von Stadtvierteln15 Gute Schulen: ein Plus für die Städte Umfrage des Portals Immowelt.de16 Aktuelles aus dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung:– Integrierte Stadtentwicklung in Stadtregionen– Raumbeobachtung interaktiv– Neues auf der Website– Trends der Wohneigentumsbildung – Haushalte, Objekte, Finanzierung1818181811Eine Studie des IWUDarmstadt zeigt: Ein anderesVerhalten der Verbraucherkann den Energieverbrauchum ein Viertel z/Saarland1921242728192325262819 Aktuelles25 Verbandstag 200927 Verbände und Gremien31313131Entwurf für neue Trinkwasserverordnung: Überflüssige PrüfungspflichtEU-Kommission erlässt vier Ökodesign-VerordnungenNach den BundestagswahlenEuropäische Kommission bereitet Aktionsplan Energieeffizienz 2012 vorAktuellesPolitikVerbandstag 2009Verband und GremienMedienechoEU plant Klimasteuer: Gas und Öl teurer?Europäisches Parlament: URBAN Intergroup konstituiert sichEnergie-Forschungsprojekte werden von der EU gefördertNationaler EU-Aktionsplan für erneuerbare Energien steht vor der TürFrist endet am 30. Juni 201032 PROJEKTE32 GAG Immobilien AG, Köln32Titelbild:Der Schriftsteller Günter Wallraffbei einer Schreibwerkstattfür Hauptschüler in Köln-BuchheimVerbandsMagazin 11/09AktuellesPolitikVerband und GremienPersonalia / JubiläenAus den UnternehmenNeue Wege im Sozialmanagement – mit und für Kinder und Jugendliche34 WBG Wohnbau Genossenschaft Gießen eGKommunales Wohnungsunternehmen gründet Genossenschaft

Inhalt336 RECHT36 Mietrecht: Zahlungsverzug und Fälligkeit der Miete bei Altverträgen36 Wohnungseigentumsrecht: Verwirkung des Anfechtungsrechts37 Heimrecht: Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz ist in Kraft getreten38Steuern38 Einkommen-/Körperschaftsteuer: Teilwertabschreibung bei Gebäuden38 Einkommen-/KörperschaftsteuerSoftwareprogramme als bewegliche Wirtschaftsgüter39 Umsatzsteuer: Stromgewinnung nach dem EEG34Zur Revitalisierungehemals militärisch genutzterLiegenschaften gründetedas kommunaleWohnungsunternehmen in Gießeneine Genossenschaft.40 TECHNIK, BAUEN, PLANEN40 Der DVGW teilt mit: Technische Mindestanforderungen an die Gasmessung40 Neues aus dem Normenwerk: Antennentragwerke aus Stahl40 Kompetenzzentrum für Effizienztechnologien gegründet41 Bildung und BERUF414142434344444537Das neue Wohn- undBetreuungsvertragsgesetzist am 1. Oktober 2009in Kraft getreten.Es hat Auswirkungen für dieWohnungs- und Immobilienwirtschaft.Neue Professoren in der EBZ Business School (2)Dr. Markus Knüfermann berufenZahl der Auszubildenden an der EBZ-Berufsschule auf RekordniveauFort- und Weiterbildungsangebote Dezember 2009Berufsschullehrertagung ImmobilienwirtschaftNovellierung des neuen Berufsbildes diskutiertDie Immobilienbranche hat ihr erstes Alumni-PortalNassauische Heimstätte/Wohnstadt starten Internet-PlattformStipendien ausgelobt – Wohnungswirtschaft fördert kreative KöpfeEthik und Wertekompetenz in der ImmobilienwirtschaftTagung der SFAFÜR SIE GELESEN4545454646474747Markus Mändle (Hrsg.): Beiträge zum KooperationswesenDavid / de Boer / Erhorn / Reiß / Rouvel, / Schiller / Weiß / Wenning (Hrsg.):Heizen, Kühlen, Belüften und BeleuchtenThomas Königstein (Hrsg.): Ratgeber energiesparendes BauenBizer / Ewen / Knieling / Stieß (Hrsg.):Zukunftsvorsorge im Stadtquartier durch Management des NutzungszyklusForschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau e. V. (Hrsg.):Neues Handbuch zum FreiflächenmanagementMetlitzky / Engelhardt (Hrsg.): Barrierefrei Städte bauenReichenbach-Behnisch / Rudolph (Hrsg.):Leerstandsmanagement durch ZwischennutzungMichael Köneke (Hrsg.): Schimmel im Haus48 PANORAMA48 Rahmendaten zur Wohnungswirtschaft in DeutschlandAktueller Zahlenspiegel 10/200948 Aus dem Statistischen Bundesamt49 IMPRESSUM11/09 VerbandsMagazin

4Verbandstag 2009 des VdW südwestVerbandstag des VdW südwest am 29. und 30. September 2009 in FuldaChancen durchFokus auf die WohnbedürfnisseDie rund 380 Teilnehmer des diesjährigenVerbandstages des VdW südwest am 29./30.September in Fulda waren sich darübereinig, dass die Wohnungswirtschaft vorallem Chancen durch den Fokus auf dieWohnbedürfnisse der Menschen ergreifenkann.se habe man – zumindestbislang – mit einem blauen Auge überstanden. Vonder neuen hessischen undkünftigen Bundesregierungerhofft man sich wenigerReglementierung.Kräftig kritisiertwurden vor diesemHintergrund diepolitischen Rahmensetzungen derletzten Jahre, diedie Bedürfnisse der Menschen und die gesellschaftlichen Entwicklungen zu wenigaufgriffen, teilweise sogar konträr hierzustünden. Die Wirtschafts- und Finanzkri-Vor allem bei der Personalentwicklung und der Gewinnung von qualifiziertemberuflichem Nachwuchs seidie Branche gefordert, umdem Motto des Verbandstages, „Fokus Mensch –Chancen für die Wohnungswirtschaft“, gerechtzu werden. Dr. Rudolf Ridinger,Verbandsdirektor des VdWsüdwest, bei der Eröffnung derFachausstellung im Rahmendes VerbandstagesGerhard Möller,Oberbürgermeisterder Stadt Fulda,bei der Begrüßung derTeilnehmer des VerbandstagesÖffentliche VeranstaltungReform des Mietrechts und neue Politikansätze gefordertBereits in seiner Eröffnung machte Karl-HeinzRange, Vorsitzender des Verbandsratesdes VdW südwest, deutlich, dass die Wohnungswirtschaft in besonderer Weise vongesellschaftlichen Wandlungsprozessen betroffen ist: „Nirgends menschelt es so sehr!“Vor diesem Hintergrund trafen vor allemRahmenbedingungen, die die Handlungspotenziale beim Wohnen einengen, auf heftigeKritik in der öffentlichen Veranstaltung.Bestimmungen immer wieder verschärftworden. Dies sei nicht Ziel führend.Mietrecht ändernWährend die Politik einerseits mehr energetische Investitionen fordere, so Ridinger,würden gleichzeitig energetische Investitionen bei den Bauarbeiten mietrechtlichals Mangel behandelt. Die Mieter dürftenwährend der Dauer der Umbauarbeitendie Miete mindern. Dies zeige, wie widerSo sei den wohnungswirtschaftlichen Insprüchlich die Vorgehensweise sei. „Wervestoren bei der Optimierung der enermehr Investitionengetischen Effizienzfordert, muss dieseder „Schwarze Pe„Die Wohnungswirtschaft ist ein Stückauch ermöglichen“,ter“ zugeschobenHeimat für die Menschen. Es menscheltso Ridinger. Diesworden, sagte Dr.nirgendwo so sehr, wie in unserenerfordere – z. B.Rudolf Ridinger,Wohnungsunternehmen und Genossenbei energetischenVerbandsdirektorschaften.“Umbauten – eides VdW südwest.ne Änderung desDa die WohnungsKarl-Heinz Range, Vorsitzender desMietrechts, sonstwirtschaft nicht soVerbandsrates des VdW südwestwerde der Widerviel investiert, wiespruch zwischenes sich so manInvestitionserforcher Politiker indernissen und Investitionshemmnissenden kühnsten Träumen wünsche, seien inimmer größer.den vergangenen Jahren die gesetzlichenVerbandsMagazin 11/09Karl-Heinz Range,Vorsitzender des Verbandsrates,eröffnete den diesjährigen VerbandstagPolitik mit AugenmaßGdW-Präsident Lutz Freitag unterstütztediese Forderung und verlangte eine Politik mit Augenmaß, die ökonomische,ökologische und soziale Aspekte beimWohnen gleichermaßen berücksichtige.Obwohl der Geschosswohnungsbau nurfür fünf Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich sei, greife die Politik geradehier besonders intensiv ein. Das müsseanders werden.

Verbandstag 2009 des VdW südwest5Keine zusätzlichenordnungsrechtlichen MaßnahmenDer neue Staatssekretär im hessischenWirtschaftsministerium, Steffen Saebisch,griff diese Forderungen positiv auf, kündigte für Hessen eine Wohnungspolitikder Kooperation mit den Unternehmen anund versprach ebenso, auf die Bundespolitik einzuwirken, damit „massive Fehlanreize bei der energetischen Sanierung“abgestellt werden.GdW-Präsident Lutz Freitagverlangte eine Politik mit Augenmaß.Auf Landesebene werde es jedenfalls keinezusätzlichen ordnungsrechtlichen Maßnahmen geben, so Saebisch.verändertes Verbraucherverhalten könntennach einer Studie des IWU Institut WohNeue innovative Lösungen nötignen und Umwelt, Darmstadt, im Auftragdes VdW südwest bis zu 25 Prozent EnerAus Ridingers Sichtgie eingespart werden, undmüssten zudem vieldies sehr schnell und ohnegrößere Anstrenjegliche Investitionen. „Wirgungen unternommenmüssen alle Handlungspowerden, um innovativetenziale nutzen, um größtLösungsansätze zummögliche BreitenwirkungEnergiesparen schnelzu erzielen. Das geht nurler auf den Märktengemeinsam. Das ‚Schwarzedurchzusetzen. DerPeter-Spiel’ ist fehl amAus- und Weiterbildung Interessierte ZaungästePlatz“, so Ridinger mit Blickim Handwerk kommeauf die Politik.hierbei eine zentrale Rolle zu.Zurückgewinnung vonHandlungspotenzialenAuch andere politische Entscheidungenwie der Energieausweis und der energeDie Energiepolitik hemme zudem dietische Mietspiegel hätten in sie gesetzteMöglichkeiten, andere HerausfordeHoffnungen bisher nicht erfüllt. So hätrungen aufzugreifen. Auch die Politik, soten zwar inzwischen alle WohnungsunRidinger, habe durch die stark steigendeternehmen für ihren GebäudebestandStaatsverschuldung erhebliche finanzielleEnergieausweise erstellen lassen, bei GeHandlungsmöglichkeiten verloren. Diesprächen mit neuen Mietern spielten diesezentrale Herausforderung sei deshalb,jedoch keine Rolle. „Das Interesse derMaßnahmen zurMieter ist gleichZu r ü c k g e w i n Null“, war auch dienung von HandFeststellung von„Beim Wohnen treffen viele gesellschaftlungspotenzialenTeilnehmern zurliche Herausforderungen aufeinander.zu ergreifen.Transparenz aufZur Bewältigung brauchen wir stattd e n Wo h n u n g s immer neuer gesetzlicher Bürden eineWa s e r d a m i tmärkten.Politik, die solche Schnittstellen mit unsmeint, machtelösungsorientiert neu gestaltet.“Auch derRidinger an derVerbraucherEntwicklung imDr. Rudolf Ridinger, Vorstandssprecherist gefordertGesundheitsVdW südwestwesen deutlich.Ohnehin ist dieDer SachverstänGebäudesanierungdigenrat zum Genach Ridingers Einschätzung nur ein Hesundheitswesen habe in einem aktuellenbel unter mehreren, um Energie und CO2Sondergutachten prognostiziert, dass sichgleichermaßen einzusparen.– bei Beibehaltung der aktuell geltendenKriterien – die Zahl der PflegebedürftigenEin anderer Hebel für Einsparpotenzialein den nächsten Jahrzehnten verdoppelnsei das Verhalten der Mieter. Durch einwerde. Beim Wohnen stelle sich dabei dieSteffen Saebisch, neuer Staatssekretär imhessischen Wirtschaftsministerium,kündigte eine Politik der Kooperation mitden Wohnungsunternehmen an.Frage, ob mehr Angebote für ein längeresselbst bestimmtes Wohnen und Angebotean der Schnittstelle zwischen Wohnen undPflege entwickelt werden können.Wer profitiert,muss sich an Kosten beteiligenBeim Wohnen bestehe die Chance, durchInvestitionen und Dienstleistungen dasGesundheitswesen von wiederkehrendenKosten insbesondere für stationäre Maßnahmen zu entlasten, so Ridinger.„Nur fünf Prozent des CO2-Ausstoßesentstehen beim Geschosswohnungsbauund ausgerechnet da tummelt sich diePolitik.“Lutz Freitag,Präsident des GdW Bundesverband deutscherWohnungs- und ImmobilienunternehmenDie zum Beispiel für alten- und behindertengerechte Umbauten in den Wohnungen entstehenden Kosten würdenderzeit von den Vermietern und über dieMiete von den Mietern getragen. Die Kranken- und Pflegekassen seien hingegen dieNutznießer. Wer profitiere, müsse aberan den Kosten beteiligt werden, zumalteure Behandlungen entfielen oder zumindest die Kosten dafür vermindert werdenkönnten.Auch durch neue Ansätze im wohnungsnahen Sozialmanagement könnten einigegesellschaftliche Herausforderungen leichter bewältigt werden. Ridinger verwiesin diesem Zusammenhang etwa auf beispielhafte Projekte beim Quartiersmanagement unter Einbeziehung von Langzeitarbeitslosen. 11/09 VerbandsMagazin

6Verbandstag 2009 des VdW südwestSchnittstellenlösungsorientiert gestaltenAus diesen Beispielen zog Ridinger dieSchlussfolgerung: „Das Wohnen ist derBereich, in dem sich viele gesellschaftlicheHerausforderungen niederschlagen. Damit bietet sich das Wohnen aber auch alsBereich an, diese Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Dies geht nichtmit immer neuen gesetzlichen Bürden,sondern nur über neue themenübergreifende Politikansätze. Wir brauchen einePolitik, die solche Schnittstellen lösungsorientiert neu gestaltet.“. Wettbewerb um TalenteWie attraktiv ist die Wohnungswirtschaft für den beruflichen Nachwuchs?„Verkaufen, vermitteln, renovieren?“ – einebeim Verbandstag in Fulda gezeigte Straßenumfrage unter Jugendlichen in Frankfurtkam zu einem eher ernüchternden Resultat:Die meisten der befragten Jugendlichen hatten keine Ahnung, was ein Wohnungsunternehmen ist, geschweige denn, dass sie mitdem Begriff „Wohnungswirtschaft“ etwasanfangen könnten. Bei manchen Erwachsenen, die im Rahmen der Umfrage interviewtwurden, sah das nicht anders aus.Auch Matthias Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurtam Main, stellte fest, dass die Wohnungswirtschaft in breiten Teilen der Öffentlichkeit „ein lausiges Image hat“.eine „Veränderung in den Köpfen“ undeine Modernisierung der Unternehmensprozesse und Führungsstrukturen.Die Wohnungswirtschaft habe sich bisher„weit unter Wert verkauft“. Das zeige aucheine aktuelle Image-Umfrage unter Studenten und dem beruflichen Nachwuchsder Immobilienwirtschaft. Bei dieser Umfrage sei unter den 30 erstplatzierten Unternehmen kein einziges Wohnungsunternehmen zu finden.Ältere Mitarbeiter fördernMatthias Müller, Präsident der Industrieund Handelskammer Frankfurt am MainDabei gelte es nicht nur, den Wettbewerbmit anderen Branchen um den berufDie Wohnungswirtschaft befinde sich allerlichen Nachwuchs zu gewinnen und äldings auch in einer „mentalen Schräglage“,tere Mitarbeiter zu halten und zu fördern.wenn sie nur die Jugendlichen und nichtDie Mitarbeiter von Wohnungsunterneh„Gnadenloser Wettbewerb um Talente“auch die älterenmen müsstenArbeitnehmer beinzwischen ganzDer Rückgang der geburtenstarken Jahr„Die Wohnungswirtschaft hat sich längsttrachte, erklärteandere Aufgabengänge und die Alterung der Gesellschaftvon einer grauen Maus zu einer CashMüller. Deshalbbewältigen als instelle auch bei Personalentwicklung undCow gewandelt, aber das Image dergelte es, das Wissender VergangenPersonalbeschaffung neue und zusätzlicheBranche ist nach wie vor lausig.“und die Erfahrungheit, weil sich dieAnforderungen an die Beschäftigten inälterer ArbeitnehAnforderungenden Wohnungsunternehmen. Dies giltMatthias Müller,mer zu erhaltenan Beschäftigtenach Einschätzung Müllers sowohl fürPräsident der IHK Frankfurt am Mainund durch Weiteri n Wo h n u n g s den Umgang mit älteren Beschäftigten alsbildung zu fördern.unternehmenauch für die Rekrutierung von beruflichemHier herrsche eingravierend veränNachwuchs. „Der Immobilienbrache stehtDefizit in der Wohnungswirtschaft, weildert haben. So gehe es nicht mehr alleinein gnadenloser Wettbewerb um Talentenur jedes zweite Wohnungsunternehmendarum, Räume zu verwalten. Im Wettbevor“, prophezeite Müller und forderteWeiterbildung betreibe.bewerb um Mieter müssten inzwischendie unterschiedlichsten sozialen Milieusund neue Anforderungen der Mieter aneine Wohnung berücksichtigt werden.Dies gelinge nur, wenn sich die Unternehmensstrukturen änderten. Starrehierarchische Strukturen müssten durchteamorientiertes Arbeiten ersetzt werden.Dies erfordere sowohl der Wohnungsmarkt, als auch eine neue Generation vonMitarbeitern. Der Geschäftsführer müssein einem solchen System mehr „Partnerals Vorgesetzter“ sein. Stichworte einersolchen Unternehmensführung seienAuch in diesem Jahr wurden wieder die jahrgangsbesten Auszubildenden geehrt: (v. l. n. r.)individuelle Zielvereinbarungen, eineCeylan Häfner (Volks-Bau- und Sparverein Frankfurt am Main eG), Muhamed Cehic (ABGFeedback-Kultur und Transparenz.FRANKFURT HOLDING, Frankfurt), Lucia Pitronaci (Deutsche Annington ImmobilienGmbH, Bochum) und Anke Müller (Nassauische Heimstätte, Frankfurt).VerbandsMagazin 11/09

Verbandstag 2009 des VdW südwestAusbildungspaten unterstützennicht ausbildende UnternehmenVerbandsdirektor Dr. Rudolf Ridingerschilderte die Ausbildungssituation in denMitgliedsunternehmen des VdW südwest.Danach bilden diese 176 Nachwuchskräfteals Immobilienkaufleute oder in ähnlichenBerufen aus. Auffallend sei dabei, dass unterden ausbildenden Unternehmen diejenigenmit weniger als 1.000 Wohnungseinheitenin geringerem Umfang als die Großunter-nehmen ausbilden. Dass aber auch in dieserGruppe ausbildende Unternehmen vertretensind, zeige, dass Ausbildung auch in dieserUnternehmensgröße möglich sei.Um vor allem diesen Unternehmen denEinstieg in die Ausbildung zu erleichtern,habe der VdW südwest ausbildende Unternehmen dazu aufgerufen, Patenschaftenfür solche Mitgliedsunternehmen zu übernehmen, die bisher noch nicht ausbilden.Die Paten sollen dabei mit Informationen7und praktischen Tipps zu Ausbildungsfragen zur Verfügung stehen.Ridinger wies auch darauf hin, dass durchdas Angebot von Praktika sowie durch dieBeteiligung an Projektwochen in Schulendas Interesse junger Menschen am Tätigkeitsfeld Wohnen geweckt werden könne.Zudem stehe über den Verband ein Messestand zur Verfügung, mit dem sich Mitgliedsunternehmen an Ausbildungsmessen beteiligen können. Wie man Wohnungsprofi wird„Die dachten, ich makele und kriege dicke Provisionen“dicke Provisionen“, schmunzelt JessicaMörschel.Kristin Tobi erinnert sich daran, dassihre Freunde von ihrer Berufswahl sehrüberrascht waren und glaubten, sie würdedort „große Häuser verkaufen und damitviel Geld verdienen“. Inzwischen wissenFreunde und Bekannte von Jessica, Kristinund Melanie zum einen viel mehr überdas Geschäftsfeld der Wohnungs- undImmobilienprofis, und zum anderenwissen sie deren Kenntnisse auch zuschätzen.Stefan Frech, Redakteur des NDR, diskutiert mit Jugendlichen über den Ausbildungsberufzur/zum Immobilienkauffrau/-mann.Wer die Arbeit in einem Wohnungsunternehmen kennt, der weiß, dass sie spannend ist. Dies bestätigten übereinstimmend mehrere junge Menschen, die beimVerbandstag an einer Podiumsdiskussionteilnahmen. Den Altersgenossen sei dasBerufsbild allerdings viel zu wenig bekannt,womit sie die Umfrageergebnisse des Verbandes bestätigten.Jessica Mörschel hatte die Chance, bereitsim Elternhaus das Berufsbild näher kennen zu lernen. Sie ist in einer Familie großgeworden, die ein Bauunternehmen hat,und so sei sie „mit Häusern groß geworden“. Ähnlich kam auch Constance Arndtmann zu ihrer Ausbildung in einem Wohnungsunternehmen. Ihr Vater vermietetHäuser. „Das fand ich toll“, sagt sie.Nicht jeder Schulabgänger, der sich für dieWohnungswirtschaft entschieden hat, istallerdings familiär vorbelastet. Ceylan Häfner zum Beispiel stieß nach dem Abiturim Internet auf die Immobilienbrancheund wurde von der Agentur für Arbeitdarin bestärkt, dass diese interessante undzukunftssichere Arbeitsplätze bietet.Ähnlich erging es Kristin Tobi. „Ich kanntedie Wohnungswirtschaft nicht und wurde durch die Agentur für Arbeit auf einWohnungsunternehmen aufmerksam gemacht. Danach habe ich mich über dieseBranche näher informiert.“Melanie Mastalirsch erfuhr ebenfalls vonder Berufsberatung von ihrem heutigenArbeitsfeld. Danach machte sie sich im Internet noch schlauer und fand die Websiteeines Unternehmens, „die mir gefiel“. Indiesem Unternehmen arbeitet sie jetzt.Abenteuerliche Vorstellungenvon Freunden und BekanntenFreunde und Bekannte hatten meist rechtabenteuerliche Vorstellungen von derArbeit in einem Wohnungsunternehmen. „Die dachten, ich makele und kriege„Meine Freunde freuen sich, wenn ichihre Betriebskostenabrechung überprüfen kann“, lacht Ulrike Neumeier. ArneBergander ist für seine Freunde der erste Ansprechpartner bei der Wohnungssuche, wie er erzählt, und bei MelanieMastalirsch laufen regelmäßig die Freundeauf, wenn es vor einem Umzug gilt, einenneuen Mietvertrag zu unterschreiben.Spaß macht die AbwechslungGroßen Spaß macht den Nachwuchsprofis vor allem die Abwechslung ihrerArbeit in der Wohnungswirtschaft. Dasmotiviert offenbar auch, sich regelmäßigfortzubilden.Bei einigen von ihnen steht schon jetzt fest,dass sie der Branche erhalten bleiben. Soinvestiert Jessica Mörschel „viel Freizeit inWeiterbildung“, und Melanie Mastalirschist gerade dabei, nach ihrer Ausbildungzur Immobilienfachwirtin ihren Immobilienökonom zu machen. Diese beruflicheHürde hat Ulrike Neumeier schon genommen. Sie hat bereits die Verantwortung für 11/09 VerbandsMagazin

8Verbandstag 2009 des VdW südwestein stattliches Immobilienportfolio undleitet jetzt ein fünfköpfiges Team.als Berufsfeld schmackhaft, die noch niedavon gehört haben?Jessica, Arne, Melanie, Kristin, Ulrike,Constance und Ceylan haben ihren Traumberuf gefunden. Aber wie macht man ihrenAltersgenossen die WohnungswirtschaftDie Arbeitsagentur müsste noch intensiver dafür werben meint Ceylan Häfner,„die Berufsberater kannten sich nur wenigaus“. Und sie macht gleich einen kon-kreten Vorschlag: Wohnungsunternehmensollten sich und ihr Arbeitsgebiet häufigerin Schulen präsentieren und Schülerpraktika anbieten. Auch Melanie Mastalirschhätte sich gewünscht, „dass Ausbildungsbetriebe in die Schulen gehen“. Spannende DiskussionWohnungswirtschaft – Gewinner der Finanzmarktkrise?Für Hans Peter Trampe, Vorstand des Finanzdienstleisters Dr. Klein & Co., Lübeck,zählt die Wohnungswirtschaft „zu den Gewinnern der Finanzmarktkrise“. Und das auseinem ganz einfachen Grund: „Weil sie fürdie Banken sichere Kunden sind.“Bereichsleiterin Infrastruktur, DKB DeutscheKreditbank AG, Berlin, prophezeite: „Überden Berg sind wir noch lange nicht.“Höherer Eigenkapitalanteil notwendigAuch Gerhard Grandke, geschäftsführender Präsident des Sparkassen- und GiroverDieser Grundtenor beherrschte beim Verbandes Hessen-Thüringen, ging in seinembandstag die Debatte über die WirtschaftsVortrag davon aus, dass „die Gefahr vonund Finanzkrise und ihre Folgen für dieRü c k s c h l ä g e nWo h n u n g s w i r t bleibt“. In der Fischaft. Alle Beteilignanzbranche werdeten an einer Podi„Der Immobilienmarkt ist in der Finanzmitweiteren Wertumsdiskussion zukrise relativ stabil geblieben, weil wir inberichtigungen undden AuswirkungenDeutschland solide finanzieren.“Kreditausfällen geder Finanzmarktrechnet. Dabei seikrise waren sichGerhard Grandke,die deutsche Imallerdings auchgeschäftsführender Präsident Sparkassenmobilienbrancheeinig, dass das Enund Giroverband Hessen-Thüringeninsgesamt „relativde der Krise nochstabil geblieben“,längst nicht abweil hierzulande sosehbar ist, weil vorlide finanziert werde. Aus diesem Grund seiallem unklar ist, wie groß die Kreditrisikendie regionale Wirtschaft durch die internatiosind, die noch in den Büchern der Bankennale Finanzkrise auch nur wenig belastet.schlummern.Problematisch sei allerdings, dass rund einDrittel der mittelständischen UnternehmenHans Peter Trampe rechnet 2010 mit weitekein Eigenkapital habe, wodurch diese Unren Abschreibungen und Dr. Ingrid Pankraz,ternehmenleicht in eineKreditklemme kommenkönnten.AufdenNutzen unddie Notwendigkeit ausreichendenEigenkapitals verwie- Gerhard Grandke,sen auch die geschäftsführender Präsident,B a n k e r i n Sparkassen- und Girove

34 WBG Wohnbau Genossenschaft Gießen eG Kommunales Wohnungsunternehmen gründet Genossenschaft Titelbild: Der Schriftsteller Günter Wallraff bei einer Schreibwerkstatt für Hauptschüler in Köln-Buchheim Hessen 19 Aktuelles 21 Politik 24 Verbandstag 2009 27 Verband und Gremien