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EUROPA FACHBUCHREIHEfür Berufe im GesundheitswesenDr. med. Susanne Nebel,Bettina VogedesMedizinische FachangestelltePatientenbetreuungund AbrechnungBand 1 – Grundlagen13. AuflageVERLAG EUROPA-LEHRMITTEL Nourney, Vollmer GmbH & Co. KGDüsselberger Straße 23 42781 Haan-GruitenEuropa-Nr.: 65193

Autoren:Dr. med. Susanne Nebel, MettmannBettina Vogedes, MönchengladbachIllustrationen:Steffen Faust, BerlinMichael Hüsch, marvinmedia, KölnFrauke Moritz, AhrensburgWir möchten uns bei den folgenden Firmen für das zur Verfügung gestellte Bildmaterial bedanken:AOK Bayern – Die Gesundheitskasse, MünchenBARMER, Berlinb p k Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte, BerlinPaul Albrechts Verlag GmbH, LütjenseeDeutscher Ärzteverlag GmbH, KölnÄrztekammer Nordrhein, DüsseldorfKassenärztliche Vereinigung Nordrhein, DüsseldorfKassenärztliche Bundesvereinigung, Berlinkv.digital GmbH, Berlin13. Auflage 2021Druck 5 4 3 2 11Alle Drucke derselben Auflage sind parallel einsetzbar, da sie bis auf die Korrektur von Druckfehlern identisch sind.ISBN 978-3-8085-6372-4Alle Rechte vorbehalten. Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der gesetzlich geregelten Fälle muss vom Verlag schriftlich genehmigt werden. 2021 by Verlag Europa-Lehrmittel, Nourney, Vollmer GmbH & Co. KG, 42781 Haan-Gruitenwww.europa-lehrmittel.deUmschlagfoto: contrastwerkstatt – stock.adobe.comUmschlag: tiff.any GmbH, 10999 BerlinSatz: Typework Layoutsatz & Grafik GmbH, 86167 AugsburgDruck: Plump Druck & Medien GmbH, 53619 Rheinbreitbach

VorwortVorwortDie Arztpraxis von heute versteht sich, mehr denn je, als modernes Dienstleistungsunternehmen, in dem nicht nur Kranke geheilt werden, sondern Menschen in allenGesundheitsfragen Beratung finden und die Prävention von Krankheiten in den Vordergrund rückt. Moderne Medizin ist teuer und das deutsche Gesundheitssystemsteht unter enormem Sparzwang. Die Arztpraxis befindet sich dabei insofern imSpannungsfeld, als sie den politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen unterworfen ist, als Dienstleistungsunternehmen wirtschaftlich Bestand haben mussund nicht zuletzt den Patienten mit ihren individuellen Anliegen, Problemen undÄngsten gerecht werden möchte.Die Medizinische Fachangestellte (MFA) ist in der Regel die erste Ansprechpartnerinfür den Patienten in der Praxis und sie begleitet und betreut ihn während der gesamten Behandlung. Anschließend dokumentiert sie die erbrachten Leistungen undrechnet diese ab. Ihr kompetentes Auftreten und ihr Fachwissen tragen entscheidendzum Erscheinungsbild und Erfolg der Praxis bei. Nicht zuletzt haben diese hohen Anforderungen 2006 zur Neugestaltung der ehemaligen Arzthelferinnenausbildung hinzur Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten geführt.Die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten orientiert sich an konkretenPraxissituationen, in denen das Abrechnungswesen eine wichtige Rolle spielt. So istes nicht verwunderlich, dass abrechnungsrelevante Ausbildungsinhalte in fast allenLernfeldern des Rahmenlehrplans für die Medizinische Fachangestellte zu finden sind.Das Verständnis für relevante Maßnahmen in konkreten Praxissituationen ist hierbeisicherlich effizienter als pures Faktenwissen.Mit unseren beiden Lehrbüchern möchten wir den angehenden Medizinischen Fach angestellten ein selbst gesteuertes Lernen in konkreten Praxissituationen ermög lichen. Gleichzeitig dienen die Bücher durch eine systematische Gliederung als Nachschlagewerk und zur Erarbeitung und Wiederholung einzelner Themenbereiche.Medizinische Fachangestellte – Patientenbetreuung und Abrechnung, Band 1,Grundlagen beinhaltet vor allem verwaltungsrelevante Lerninhalte aus den Lernfeldern 1 und 2. Es stehen die Bedeutung des Vertragsarztes im deutschen Gesundheitssystem sowie der situativ korrekte Umgang mit dem „Patienten an der Anmeldung“im Vordergrund. Die MFA empfängt den Patienten, verwaltet seine Daten kosten trägergerecht und füllt Formulare entsprechend den vertraglichen Bestimmungen aus.Das Wissen der MFA muss dabei den Änderungen und Reformen im Gesundheits system stets angepasst sein.Band 2 – Behandlungsfälle ergänzt aus dem Lernfeld 2 die Grundlagen der Gebühren ordnungen EBM und GOÄ. Aus den medizinischen Lernfeldern werden praxisnaheFallbeispiele vorgestellt, in denen das erworbene Wissen angewendet und vertieftwerden kann.Unsere Bücher sind vor allem schülerzentriert konzipiert und simulieren, ausgehend von einer Modell-Arztpraxis, den beruflichen Alltag der Auszubildenden. JedeThematik wird durch eine praxisnahe Situation eingeleitet, die zum Nachdenken3

Medizinische Fachangestellte – Patientenbetreuung und Abrechnungund zur Diskussion anregen soll. Auf die wörtliche Wiedergabe von Vorschriften undGesetzestexten wurde weitgehend verzichtet, zugunsten einer verständlichen undschülergerechten Sprache. Mit den anschließenden Übungsfragen kann der erarbei tete Stoff gefestigt und auf weitere realitätsnahe Situationen übertragen werden.Die 13. Auflage enthält aktuelle Neuerungen, wie beispielsweise die elektronischePatientenakte und die aktuellen Formulare.Die Verwendung nur eines grammatikalischen Geschlechtes bei Berufs- und Gruppen bezeichnungen wurde im Hinblick auf den Lesefluss gewählt. Sie stellt keine Mei nungsäußerung zur Geschlechterrolle dar.Wir wünschen allen, die mit diesem Buch arbeiten, viel Freude und Erfolg.Das Autorenteam Sommer 2021Über die Autorinnen:Dr. Susanne Nebel unterrichtet seit mehreren Jahren am Berufskolleg für Wirtschaftund Informatik in Neuss die Auszubildenden zur Medizinischen Fachangestellten imBereich „Behandlungsassistenz“ sowie „Patientenbetreuung und Abrechnung“. Vorihrer Tätigkeit im Schuldienst war Frau Dr. Nebel als Ärztin im ambulanten und stationären Bereich tätig.Bettina Vogedes (OStR) besitzt die Lehrbefähigung in den Fächern Betriebswirtschaftslehre und Deutsch und unterrichtet darüber hinaus die Auszubildenden zur MedizinischenFachangestellten im Bereich „Patientenbetreuung und Abrechnung“ am Berufskollegin Neuss. Frau Vogedes hat vor Aufnahme ihres Studiums eine Ausbildung zur Arzt helferin absolviert und verfügt über langjährige Erfahrung in unterschiedlichen Arzt praxen und Krankenhäusern.Beide Autorinnen sind Mitglied des Prüfungsausschusses der Ärztekammer Nord rheinund verfügen über mehrjährige Prüfungserfahrung.4

InhaltsverzeichnisInhaltsverzeichnisLernfeld 1: Im Beruf und Gesundheitswesen orientieren1Der Vertragsarzt. 111.1Voraussetzungen.111.1.1Approbation und Promotion. 141.1.2Weiterbildung und Fortbildung. 141.1.3Zulassung und Ermächtigung. 161.2Formen der Berufsausübung. 201.2.1Eigenständige Berufsausübung. 201.2.2Gemeinsame Berufsausübung. 231.3 Berufsständische Organisationen. 261.3.1Ärztekammern. 261.3.2Kassenärztliche Vereinigungen der Länder. 281.3.3Kassenärztliche Bundesvereinigung. 321.3.4Freie ärztliche Verbände. 331.4Rechtsbeziehungen im vertragsärztlichen System. 361.4.1Das vertragsärztliche Viereckmodell. 361.4.2Ärztliche Pflichten. 381.4.3 Verträge zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen undden Krankenkassen. 431.4.4Besondere Versorgungsformen. 451.5Die vertragsärztliche Verwaltung und Abrechnung. 481.5.1Telematikinfrastruktur (TI). 481.5.2Diagnoseverschlüsselung nach dem ICD-Code. 511.5.3Ablauf der vertragsärztlichen Abrechnung. 525

Medizinische Fachangestellte – Patientenbetreuung und AbrechnungLernfeld 2: P atienten empfangen und begleiten2Patientengruppen. 562.1Gesetzlich krankenversicherte Patienten. 562.1.1Kostenträger. 582.1.2Mitglieder und Beiträge. 602.1.3Elektronische Gesundheitskarte (eGK). 642.1.4Zuzahlungs- und Befreiungsregelung. 672.1.5Wahltarife. 692.1.6Leistungen. 712.2Privatpatienten. 742.2.1Private Krankenversicherungsunternehmen. 752.2.2Private Vollversicherung. 772.2.3Beihilfe und private Teilversicherung. 782.2.4Private Zusatzversicherung. 792.2.5Brancheneinheitliche Tarife der privaten Krankenversicherungen. 802.3Patienten aus der Gruppe der „Sonstigen Kostenträger“. 832.3.1Freie Heilfürsorge. 852.3.2Sozialversicherungsabkommen (SVA) mit ausländischen Krankenkassen. 892.3.3Bundesversorgungsgesetz (BVG)/Kriegsopferversehrte (KOV). 942.3.4Sozialhilfeempfänger und Asylbewerber. 962.3.5Jugendarbeitsschutzuntersuchung. 972.3.6Post- und Bahnbeamte. 982.4Patienten nach einem Arbeitsunfall. 1002.4.1Versicherungsfälle der gesetzlichen Unfallversicherung.1012.4.2Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. 1052.4.3Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung. 1062.4.4Allgemeine Heilbehandlung. 1072.4.5Besondere Heilbehandlung.1132.4.6Weitere Formulare im Rahmen eines Arbeitsunfalls.1156

arungen.1173.1.1Allgemeine Bestimmungen.1183.1.2Normiertes Personalienfeld. 1223.1.3Abrechnungsschein (Muster 5) und Ersatzverfahren. 1243.2Überweisungen. 1253.2.1Überweisungsschein (Muster 6). 1253.2.2 Überweisungsschein für Laboratoriumsuntersuchungenals Auftragsleistung (Muster 10). 1313.2.3 Anforderungsschein für Laboratoriumsuntersuchungenbei Laborgemeinschaften (Muster 10 A). 1323.3Notfall-/Vertretungsschein (Muster 19). 1353.4Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Muster 1). 1393.5Verordnungen. 1433.5.1 Zuzahlungsregelungen. 1443.5.2 Verordnung von Krankenhausbehandlung (Muster 2). 1483.5.3 Verordnung einer Krankenbeförderung (Muster 4). 1523.5.4Heilmittelverordnungen. 1593.5.5Verordnungen von Arznei-, Verband- und Hilfsmitteln. 165Lernfeld 6: W aren beschaffen und verwalten4Sprechstundenbedarf. 1784.1Produkte des Sprechstundenbedarfs. 1804.2Verordnung und Abrechnung von Sprechstundenbedarf. 1814.3Impfstoffe. 184Sachwortverzeichnis. 1877

Medizinische Fachangestellte – Patientenbetreuung und AbrechnungHerzlichen Glückwunsch!Sie haben es geschafft und den ersehnten Ausbildungsplatz zur MedizinischenFachangestellten erhalten.Seit dem 1. August sind Sie Auszubildende in der Praxisgemeinschaft vonHerrn Dr.  Helbig undFrau Dr.  Söhnke,Ritterstraße 24,41464 Neuss.PraxisgemeinschaftDr.  med. M. HelbigFacharzt für Orthopädie und SportmedizinDurchgangsarztDr.  med. P. SöhnkeFachärztin für AllgemeinmedizinNaturheilkunde und AkupunkturAlle Kassen und privat8

Das Praxisteam stellt sich vor:Das Praxisteam stellt sich vor:Dr.  med. Michael Helbig,43 Jahre, Arzt für Orthopädieund SportmedizinDr.  med. Petra Söhnke, 47 Jahre,Ärztin für Allgemeinmedizin,Naturheilkunde und AkupunkturMarina Vogt, 41 Jahre, MFA, Entlastende Versorgungs assistentin (EVA), Erstkraft derPraxisgemeinschaftStephanie Hilden,30 Jahre, MFA9

Medizinische Fachangestellte – Patientenbetreuung und AbrechnungGülay Yildiz, 28 Jahre,MFA, TeilzeitkraftKristina Beckers, 18 Jahre,Auszubildende,Jahre, AuszubildendeSie10

Lernfeld 1: Im Beruf und Gesundheitswesen orientierenLernfeld 1:Im Beruf und Gesundheitswesen orientieren1 Der VertragsarztThematische Einordnung in den RahmenlehrplanZu den Zielen von Lernfeld 1 „Im Beruf und Gesundheitswesen orientieren“1gehört die Einordnung der Praxis „als Dienstleistungsunternehmen desGesundheitswesens in das volkswirtschaftliche Gesamtgefüge“1. Inhaber vonArztpraxen sind zumeist Vertragsärzte. In diesem Kapitel wird dargestellt, wel che V oraussetzungen jemand erfüllen muss, um als Vertragsarzt tätig sein zukönnen. Es werden neben der Einzelpraxis auch Kooperationsformen von Ver tragsärzten vorgestellt. Um dem „für das eigene Handeln relevanten rechtlichenRahmen“1 sowie den „sozialen und ethischen Anforderungen“1 bei Praxistätigkei ten gerecht werden zu können, werden die Verträge im Gesundheitswesen unddie ärzt lichen Pflichten dargestellt. Die Berufsorganisationen Ärztekammer undKassen ärztliche Vereinigung sind nicht nur für den Vertragsarzt von Bedeutung,sondern auch für die Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten (MFA), da dieÄrztekammer für den Berufsausbildungsvertrag der MFA zuständig ist. Die Kennt nis der Grundbegriffe der vertragsärztlichen Versorgung ermöglicht und vereinfachtdie Kommunikation der Auszubildenden „im Praxisteam und mit Personen desberuflichen Umfelds“.11.1VoraussetzungenFallbeispielDie Auszubildende Kristina Beckers hilft ihrer Kollegin Marina Vogt bei der Patienten annahme. Es erscheint Frau Meisner, eine 80-jährige Patientin von Frau Dr.  Söhnke,und legt ein Schreiben vom hiesigen Krankenhaus vor.Frau Meisner: Guten Tag, Frau Vogt! Und wen haben wir an Ihrer Seite?Kristina: Darf ich mich vorstellen? Ich heiße Kristina Beckers und bin die neueAuszubildende.Frau Meisner: Da können Sie aber froh sein! Hier in der Praxis sind alle so nett, sowohldie Ärzte als auch das Personal. Und wenn Sie schön fleißig sind, können Sie bestimmt auch mal Ärztin werden.Kristina: Na ja, das ist bestimmt nicht so einfach!Frau Meisner: Im Krankenhaus war es schrecklich. Ärzte und Schwestern waren nurim Stress, niemand hatte richtig Zeit für mich. Ich frage mich, warumFrau Dr.  Söhnke mich nicht auch im Krankenhaus behandeln kann.1Siehe Rahmenlehrplan zur Medizinischen Fachangestellten/zum Medizinischen Fachangestellten 2006, Seite 911

Lernfeld 1: Im Beruf und Gesundheitswesen orientierenInfoDas deutsche Gesundheitssystem unterscheidet zwischen ambulanter und statio närer Versorgung, die weitgehend voneinander unabhängig geregelt sind. Stationäre Behandlung erfolgt im Krankenhaus, in dem der Patient für eine bestimmteZeit bleiben muss. Verlässt der Patient den Arzt nach der Behandlung wieder, han delt es sich um ambulante Behandlung (lat.: ambulare – herumlaufen).KRANKENHAUSStation 3Station 2PRAXISStation 1Stationäre und ambulante BehandlungAbb.1 Stationäre und ambulante BehandlungMerke:Bei der stationären Behandlung muss der Patient über Nacht im Krankenhaus ver sorgt werden, bei der ambulanten Behandlung verlässt der Patient den Arzt nachder Behandlung wieder.Die ambulante Versorgung erfolgt in Deutschland größtenteils durch niedergelasseneÄrzte. Das sind Ärzte, die in einer eigenen Praxis freiberuflich tätig sind. Grundsätzlichkann sich jeder Arzt in eigener Praxis niederlassen. Dort darf er zunächst aber nur alsPrivatarzt tätig werden. Nach der Behandlung rechnet der Privatarzt direkt mit demPatienten ab, der die Behandlungskosten selbst zahlen muss. Patienten, die auf dieseWeise abgerechnet werden, heißen Privatpatienten oder Selbstzahler.Behandlung AbrechnungPrivatarztZahlung des HonorarsAbb. 2 Privatabrechnung12Privatpatient

1.1 VoraussetzungenÄrztliche Leistungen bei Patienten, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse versi chert sind, dürfen dagegen nicht auf direktem Weg abgerechnet werden. GesetzlichKrankenversicherte zahlen einen monatlichen Beitrag an ihre Krankenkasse. Von denBeiträgen ihrer Mitglieder stellt die Krankenkasse einen festen Gesamtbetrag der Kassenärztlichen Vereinigung zur Verfügung, die dann das Honorar an den Arzt bezahlt.Behandlunggesetzlich krankenversicherter tlicheVereinigungfür alle VersichertenAbb. 1 Abrechnung bei gesetzlich krankenversicherten PatientenUm auch bei gesetzlich Krankenversicherten abrechnen zu können, benötigt der nie dergelassene Arzt von der Kassenärztlichen Vereinigung eine Zulassung. Eine solcheerhalten nur niedergelassene Ärzte mit einer Facharztanerkennung, z. B. Allgemein mediziner, Internisten oder Orthopäden. Durch die Zulassung ist der Arzt verpflichtet,alle Verträge, die zwischen den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigunggeschlossen wurden, anzuerkennen. Niedergelassene Ärzte mit Zulassung werdenals Vertragsärzte oder auch als Kassenärzte ivatpatientengesetzlichKrankenversicherteAbb. 2 Privatärzte und Vertragsärzte13

Lernfeld 1: Im Beruf und Gesundheitswesen orientierenMerke:Ärzte, die freiberuflich in eigener Praxis tätig sind, heißen niedergelassene Ärzte.Niedergelassene Ärzte, die direkt mit dem Patienten abrechnen, nennt man Privatärzte.Niedergelasse Ärzte mit Zulassung heißen Vertragsärzte. Sie rechnen gesetzlichKrankenversicherte über die Kassenärztliche Vereinigung ab.1.1.1 Approbation und PromotionUm als Arzt und später auch als Vertragsarzt tätig zu werden, müssen einige Voraus setzungen erfüllt werden. Am Beginn der Ausbildung steht das sechsjährige Medi zinstudium, zu dem man mit allgemeiner Hochschulreife zugelassen wird. Nach be standenem Staatsexamen am Ende des Studiums erhält der angehende Arzt seineApproba tionsurkunde vom zuständigen Regierungspräsidenten und ist dadurchstaatlich berechtigt, seinen Beruf als Arzt auszuüben.Viele angehende Ärzte streben eine Promotion an. Darunter versteht man das Verfah ren zur Erlangung der Doktorwürde. Ein Doktortitel ist aber keineswegs an den Berufdes Arztes gebunden. Auch in anderen Studiengängen kann man promovieren, wiez. B. in den Naturwissenschaften zum „Dr.  rer.  nat.“ Für die Ausübung des Arztberufesist ein Doktortitel nicht erforderlich.Merke:Die Approbation berechtigt, den Arztberuf auszuüben,die Promotion berechtigt, einen Doktortitel zu führen.1.1.2 Weiterbildung und FortbildungUm Vertragsarzt zu werden, benötigt der Arzt die Anerkennung als Facharzt in einembestimmten Gebiet der Medizin. Voraussetzung dafür ist eine mehrjährige Weiterbildung nach dem Medizinstudium. Die Zeit der Weiterbildung verrichten die Ärzte größ tenteils als angestellte Assistenzärzte in Krankenhäusern, aber auch in Arztpraxen.Am Ende der Weiterbildungszeit legt der Arzt eine Prüfung vor der Ärztekammer ab.Mit Bestehen dieser Prüfung darf er sich je nach Weiterbildungsgebiet z. B. „Facharztfür Frauenheilkunde und Geburtshilfe“ (Gynäkologe) oder „Facharzt für Augenheil kunde“ (Augenarzt) nennen.In einigen Gebieten der Medizin kann sich der Arzt auf nur einen Teilbereich seinesFachgebietes konzentrieren. Im Fachgebiet der Inneren Medizin ist das beispiels weise die Spezialisierung auf Erkrankungen des Herzens (Kardiologie) oder desMagen-Darm-Traktes (Gastroenterologie). Solche Teilgebietsbezeichnungen werden auch als „Schwerpunkt“ oder „Schwerpunktkompetenz“ bezeichnet.14

1.1 VoraussetzungenTabelle: Beispiele für Gebiete und llgemeinmedizinFacharzt für Allgemeinmedizin (Hausarzt)AnästhesiologieFacharzt für Anästhesiologie (Anästhesist)(Lehre von der Schmerzbetäubung undden Narkoseverfahren)AugenheilkundeFacharzt für AugenheilkundeChirurgieFacharzt für allgemeine Chirurgie(Lehre von operativen Behandlungs verfahren)Facharzt für GefäßchirurgieFacharzt für KinderchirurgieFacharzt für Orthopädie und UnfallchirurgieFrauenheilkunde undGeburtshilfeFacharzt für Frauenheilkunde und Geburts hilfe (Gynäkologe)Innere MedizinFacharzt für Innere Medizin (Internist)Facharzt für Innere Medizin und Gastro enterologie (Gastroenterologe)Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie(Kardiologe)Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie(Nephrologe)Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie(Pneumologe)Facharzt für Innere Medizin und Rheuma tologie (Rheumatologe)NeurologieFacharzt für Neurologie (Neurologe)RadiologieFacharzt für Radiologie (Radiologe)UrologieFacharzt für Urologie (Urologe)(Lehre vom Nervensystem)(Lehre von Röntgenstrahlen)(Lehre vom männli chen Urogenitalsys temund von den weiblichen Harnorganen)15

Lernfeld 1: Im Beruf und Gesundheitswesen orientierenÄrzte und Fachärzte haben die Möglichkeit, eine Zusatzbezeichnung durch eine Zusatz-Weiterbildung in einem bestimmten Bereich der Medizin zu erwerben. Zusatzbe zeichnungen dürfen zusätzlich zur Berufsbezeichnung Arzt oder Facharzt geführt werden,wie z. B. die Zusatzbezeichnung „Arzt für Allergologie“. Voraussetzung für die meistenZusatzbezeichnungen sind neben der Facharztanerkennung das Absolvieren von Kursenund eine Prüfung vor der Ärztekammer. Mit dem Erwerb einer Zusatzbezeichnung istdie Berechtigung verbunden, entsprechende Leistungen über die KV abzurechnen.Tabelle: Beispiele für Zusatz-Weiterbildungen Akupunktur Allergologie(Lehre von den Allergien) Diabetologie Flugmedizin Homöopathie(Form einer alternativen Heilmethode) Phlebologie(Venenkunde) Palliativmedizin(Therapie mit lindernden Maßnahmen) Schlafmedizin Sportmedizin Tropenmedizin NaturheilverfahrenAuch nach der Weiterbildungszeit sind Ärzte zur ständigen Fortbildung verpflichtet,um ihr Wissen auf dem neuesten Stand zu halten. Die Ärztekammer bietet die dazunötigen Fortbildungskurse an. Eine Missachtung der Fortbildungspflicht kann zur Ab erkennung des Facharzttitels oder zum Entzug der Zulassung als Vertragsarzt führen.1.1.3 Zulassung und ErmächtigungEin Arzt, der freiberuflich als Vertragsarzt tätig werden möchte, muss im Arztregisterder Kassenärztlichen Vereinigung eingetragen sein. Die Eintragung dort ist nach demerfolgreichen Abschluss der Weiterbildung möglich. Der Zulassungsausschuss derKassenärztlichen Vereinigung spricht die Zulassung zur vertragsärztlichen Tätigkeit un ter der Voraussetzung aus, dass im Planungsbereich keine Zulassungsbeschränkungfür die bestimmte Facharztgruppe angeordnet ist. Die Praxis des Vertragsarztes wirdnun als Vertragsarztsitz oder auch als Betriebsstätte bezeichnet.Voraussetzungen für die Tätigkeit als Vertragsarzt im Überblick: Erfolgreicher Abschluss des Medizinstudiums Approbation als Arzt Erfolgreicher Abschluss der Weiterbildung mit Facharztanerkennung Eintragung in das Arztregister der Kassenärztlichen Vereinigung Niederlassung Zulassung durch den Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen VereinigungNeben Vertragsärzten benötigen auch Psychologen zur Durchführung von Psycho therapie bei gesetzlich Krankenversicherten eine Zulassung von der Kassenärztlichen16

1.1 VoraussetzungenVereinigung. Psychologische Psychotherapeuten sind Diplom- oder Masterpsycho logen und haben im Gegensatz zu den ärztlichen Psychotherapeuten kein Medizin studium absolviert. Aufgrund des Psychotherapeutengesetzes ist dieser Beruf alseigenständiger Heilberuf anerkannt. Vertragspsychotherapeuten rechnen wie Ver tragsärzte über die Kassenärztliche Vereinigung ab.Zu den Aufgaben der Kassenärztlichen Vereinigung gehört es, die ambulante ärztlicheVersorgung der gesetzlich Krankenversicherten sicherzustellen. Daher erteilt sie soviele Zulassungen zur vertragsärztlichen Tätigkeit, wie örtlich notwendig sind. Bestehtin einem Gebiet eine Unterversorgung von Vertragsärzten, erteilt der Zulassungsaus schuss der Kassenärztlichen Vereinigung bestimmten Ärzten, z. B. leitenden Kranken hausärzten, eine Ermächtigung. Die Ermächtigung berechtigt, ambulante Leistungenbei gesetzlich Krankenversicherten über die Kassenärztliche Vereinigung abzurechnen,ist aber in der Regel befristet und beschränkt sich auf einen festgelegten Leistungs umfang.Merke:Eine Ermächtigung ermöglicht Ärzten ohne Zulassung, im begrenzten Umfang ander vertragsärztlichen Versorgung eines Gebietes teilzunehmen.Ermächtigungeines Krankenhausarztes zurbegrenzten und eingeschränktenvertragsärztlichen ines niedergelassenenArztes als VertragsarztZZungsusulasungeines Psychologen alsVertragspsychotherapeuteines angestellten Arztes bei einemVertragsarzt oder im MedizinischenVersorgungszentrumAbb.1 Zulassung und Ermächtigung17

Lernfeld 1: Im Beruf und Gesundheitswesen orientierenEine Sonderstellung im vertragsärztlichen System nehmen Belegärzte ein. Belegärztesind Vertragsärzte, die sowohl ambulant als auch stationär tätig sind. Die ambulan te Behandlung erfolgt in ihrer Praxis, für die stationäre Behandlung mieten sie einebestimmte Anzahl von Betten (Belegbetten) in einem Krankenhaus an. Sowohl dieambulante als auch die stationär-belegärztliche Behandlung bei gesetzlich Kranken versicherten wird über die Kassenärztliche Vereinigung abgerechnet. Unter den Bele gärzten findet man vor allem HNO-Ärzte, Augenärzte oder Gynäkologen. StationäreBehandlung im Krankenhaus ist ansonsten nicht im vertragsärztlichen System inte griert. Krankenhausträger schließen mit den Krankenkassen eigene Verträge ab undrechnen die Behandlungskosten bei gesetzlich Krankenversicherten direkt mit denKrankenkassen ab.Merke:Belegärzte sind Vertragsärzte, die sowohl ambulant als auch stationär-belegärztlichtätig sind.Die zahnmedizinische Versorgung gesetzlich Krankenversicherter erfolgt durch Vertragszahnärzte. Das vertragszahnärztliche System ist ähnlich organisiert wie das ver tragsärztliche System, beide Systeme arbeiten aber vollkommen unabhängig vonein ander. Deshalb sind Überweisungen von Vertragsärzten an Zahnärzte und umgekehrtnicht möglich.Übungen1. Warum kann Frau Dr.  Söhnke (siehe Fallbeispiel am Anfang des Kapitels) ihrePatienten nicht auch im Krankenhaus behandeln?2. Wie nennt man einen Arzt, der als Selbstständiger in eigener Praxis tätig ist?3. Unterscheiden Sie ambulante und stationäre Behandlung.4. Was versteht man unter einem „Vertragsarzt“?5. Mit wem rechnen Vertragsärzte ihre Leistung bei gesetzlich Krankenversichertenab?6. Woran erkennt man am Praxisschild, dass hier ein Vertragsarzt tätig ist?7. Was bedeutet die Bezeichnung „approbierter Arzt“?8. Erläutern Sie, warum die Bezeichnung „Doktor“ für die Berufsbezeichnung „Arzt“falsch ist.9. Welche Voraussetzungen muss ein Arzt erfüllen, um eine Facharztbezeichnung zuerwerben?18

1.1 Voraussetzungen10. Geben Sie den Fachbegriff für folgende Facharztbezeichnungen an:a) F acharzt für K

für Berufe im Gesundheitswesen Dr. med. Susanne Nebel, Bettina Vogedes Medizinische Fachangestellte Patientenbetreuung und Abrechnung Band 1 – Grundlagen 13. Auflage VERLAG EUROPA-LEHRMITTEL Nourney, Vollmer GmbH & Co. KG Düss